Pfersee: Bürgerhaus soll modernisiert werden

Das Bürgerhaus ist in die Jahre gekommen - ein Modernisierung ist unumgänglich. Foto Blöchl
 
Ulrike Bahr (links) im Gespräch mit Ministerin Barbara Hendricks. Foto Blöchl.
Augsburg: Bürgerhaus Pfersee |


Bundesministerin Hendricks zu Besuch in Pfersee.

Auch ein Denkmal in Pfersee stand auf dem Programm von Bundesbau- und Umweltministerin Barbara Hendricks anlässlich ihres Besuches in Augsburg. Die SPD – Politikerin nahm an der Eröffnung des bundesweiten „Tages des offenen Denkmals“ in Augsburg teil. Im Anschluss an den Festakt auf dem Elias – Holl – Patz hatte die Augsburger SPD – Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr die Ministerin in das Bürgerhaus in Pfersee eingeladen. Vor dem offiziellen Teil war Realität angesagt. Einige freundliche Demonstranten begrüßten die Ministerin und übergaben ihr ein Schreiben zur sofortigen Abschaltung des AKW Gundremmingen. Ein Frau im Rollstuhl stellte der Ministerin plastisch dar, dass das Bürgerhaus für sie nicht zugänglich ist. Barbara Hendricks war über diese Begegnungen sichtlich erfreut, auch wenn sie keine sofortige Hilfe versprechen konnte oder mochte.

Bund erhöht Mittel für den Städtebau.

Ulrike Bahr verwies in ihrer Begrüßung darauf, dass das Bürgerhaus zwar „kein architektonisches Denkmal, aber ein „Denkmal des bürgerschaftlichen Engagements“ darstellt. Dieses Denkmal sei aber dem Wandel der Gesellschaft unterworfen und müsse sich dem sowohl thematisch als auch baulich anpassen.
Die Bundespolitikerin betonte die Bedeutung von Einrichtungen, die sich als „Orte der Begegnung“ verstehen. Sie müssten offen für alle sein und sich neuen Herausforderungen stellen. Dabei sei die „Integration von Flüchtlingen genauso wichtig wie derer, die schon das sind!“. Zur aktuellen Diskussion über die Flüchtlingspolitik verdeutlichte sie, dass es in einer 1. Phase im letzten Jahr nur darum gegangen sei, Obdachlosigkeit zu vermeiden und eine einigermaßen menschenwürdige Unterbringung sicherzustellen. Nun müssten in einer 2. Phase die langfristige Integration und in einer 3. Phase Wohnraum und Arbeit geschaffen werden. Die Bundesregierung habe dazu verschiedenste Programm beschlossen, Die Erhöhung der Städtebauförderung, zusätzliche Mittel zur Stärkung der Stadtteile wie z.B. das Programm „Soziale Stadt“ könnten auch in Zentren wie dem Bürgerhaus angewandt werden. Die Mittel sollen gezielt in Projekten eingesetzt werden, die sich um Begegnung, Integration und soziale Probleme kümmern. Sie empfahl der AWO als Trägerin des Hauses entsprechende Anträge einzureichen, damit eine bauliche Weiterentwicklung des Bürgerhauses erfolgen kann.

Bürgerhaus stellt sich dem Wandel.

Sonja Pfänder und Verena Lechner vom Bürgerhaus erläuterten Geschichte und Konzeption der Einrichtung. Beim Bau 1989 seien Dinge wie die Barrierefreiheit einfach nicht berücksichtigt worden, damit werden Gruppen aus dem Haus ausgeschlossen. Der Anspruch „ ein offenes Haus für Alle“ zu sein, lasse sich momentan nicht verwirklichen. Trotzdem ist das Bürgerhaus ein Ort der Integration, wo über 20 Nationalitäten vertreten sind. Der Afrikatag im Sommer verdeutlichte, wie gut gemeinsames Leben im Haus funktioniert.
Als Zentrum für Kultur & Bildung richtet sich das Angebot an alle, ein neuer Schwerpunkt hat sich eben aus dem Zuzug von Flüchtlingen ergeben. Ein Kontaktcafé, Hausaufgabenbetreuung, Deutsch im Alltag – all das wird vor allem durch ehrenamtliche Mitarbeit gewährleistet. , Andere Angebote werden dabei nicht vernachlässigt. Aus dem breiten Angebot ergibt sich mittlerweile auch eine Grenze der räumlichen Möglichkeiten, die durch eine Weiterentwicklung abgebaut werden soll.
Der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt, Werner Weishaupt betonte die Verbundenheit des Wohlfahrtsverbandes mit dem Haus. Obwohl der Zuschuss der Stadt seit Jahren nicht erhöht wurde, gibt es keine Einschränkungen beim Programm, das werde aus Eigenmitteln sichergestellt, Nun gelte es die „Bausünden“ der Gründungszeit zu beheben. Das betreffe sowohl die Herstellung der Barrierefreiheit als auch die Erweiterung des Raumangebotes. Dabei hoffe er, dass sich das Haus durch den Besuch der Ministerin „nicht thematisch aber baulich ändert!“ Bei entsprechender Förderung durch die Öffentliche Hand versprach er auch eine angemessene eigene Beteiligung. Konkrete Planung stellte er nicht vor und stellte eine Beteiligung aus dem Stadtteil in Aussicht.

Misstrauen bei der Bürgeraktion.

Zahlreich vertreten war auch die Bürgeraktion Pfersee, einer der Unterstützer des Bürgerhauses und kritischer Initiator und Begleiter des Geschehens im Stadtteil. In den Wortbeiträgen von Peter Seyboth und Bernd Kammerer war zu spüren, dass es doch einiges Misstrauen gibt, was da bei der Arbeiterwohlfahrt geplant und beabsichtigt ist. Auch aus der Erfahrung des Baus des Bürgerhauses im Jahre 1989 – „wir wurden praktisch erpresst und mussten ganz kurzfristig zustimmen!“ – forderten sie die Beteiligung der Pferseer Bürger bei der Neuplanung und Gestaltung ein. Dabei solle auf Anregung von Claudia Zerbe vom Mehrgenerationentreff Pfersee auch das benachbarte Jugendhaus in die Überlegungen mit einbezogen werden.

Kurzkommentar:

Manche Besucher bei der Veranstaltung mit der Bundesbauministerin waren enttäuscht. Sie hatten sich mehr konkrete Aussagen und Pläne erwartet, was mit dem Bürgerhaus passieren soll. Andere sahen das eher als Chance, eigene Ideen und Vorstellungen einzubringen. Gerade die Bürgeraktion um Dietmar Egger wird sicher darauf achten, was rund um das Haus passiert. Das ist auch gut so. Die AWO Augsburg, lobenswert für ihr Engagement im Bürgerhaus, wird gut daran tun, ihre Planungen möglichst offen und wie es neudeutsch heißt „transparent“ zu gestalten, ein Bürgerhaus braucht die Ideen der Bürger im Stadtteil.
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