Reese-Park: Von der Unebene zur Kaserne

Früher standen hier Soldaten stramm, nun entsteht ein neues, modernes Wohnquartier, der Reesepark. Foto: Angelika Prem


Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Augsburg eine der wichtigsten bayerischen Garnisonsstädte. Um 1860 lagen 5000 Mann im Kern der Garnison. Mit der sogenannten "Unebene" nordwestlich der Altstadt, die sich über die Gemarkungen der Dörfer Oberhausen, Kriegshaber und Stadtbergen erstreckte, verfügte das Militär über eine geeignete Fläche für Übungen. Von 1807 an diente sie als "Großer Exerzierplatz".

Nach der erzwungenen Entmilitarisierung des Deutschen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg, wurde der Exerzierplatz durch Landwirte und Sportvereine genutzt. Zum Beispiel trainierte dort der Ballspielclub Augsburg (BCA), die einst beste Augsburger Fußballmannschaft, bis das Militär sein Veto einlegte.

Im Zuge der Remilitarisierungspolitik des NS-Regimes wurden auf dem Großen Exerzierplatz zwischen 1934 und 1936 im Bereich der Somme-, der Arras- und der Panzerjägerkaserne Unterkünfte für zwei Artillerieabteilungen und die Panzerabwehreinheit mit einer Gesamtfläche von mehr als 46 Hektar aus dem Boden gestampft. 1936/37 kam ein großes Offizierskasino an der Sommestraße dazu - das heutige Kulturhaus "abraxas".

Die Reese-Kaserne

Mit dem Einmarsch alliierter Truppen im Frühjahr 1945 begann die fast 50-jährige Präsenz amerikanischer Streitkräfte in Augsburg. Die Kasernengebäude in Kriegshaber wurden bis 1951 zu Verwaltungs- und Unterbringungszwecken genutzt. Die Arras-Kaserne diente beispielsweise als Kriegsgefangenenlager inklusive Lazarett für deutsche Kriegsgefangene. Ende 1945 wurden dort, einschließlich Pflegepersonal, 4000 Personen gezählt. Später wurden diese Gebäude zum sogenannten Westkrankenhaus, das bis 1982 in Betrieb war. Bis 2017 beheimaten sie Teile des Kulturparks West.

In den 1950er-Jahren legte man die Kasernenbauten in Kriegshaber zur Reese-Kaserne zusammen, die unter anderem zum ständigen Sitz des Standortkommandeurs wurde. Namenspatron war James W. Reese, Gefreiter der 1. US-Infanteriedivision. Dieser war im August 1943 an der Eroberung eines feindlichen Stützpunktes in Sizilien beteiligt, fiel jedoch bei dem Angriff und wurde postum mit der "Medall of Honor" geehrt. Trotz Um- und Neubau sowie Anpassung an die amerikanischen Bedürfnisse verloren die Kasernen nie den Charakter der Militärarchitektur der NS-Zeit, einen sparsamen, auf technische Optimierung reduzierten Funktionalismus.

Der Reese-Park

Nach dem schrittweisen Abzug der US-Streitkräfte aus Augsburg zwischen 1990 und 1998 fielen Kasernen, Wohnquartiere und Übungsplätze an die Vermögensverwaltung des Bundes zurück. Da auch die Bundeswehr ihre Truppen reduzierte und deshalb keinen Kasernenbedarf anmeldete, ging es seit Mitte der 1990er-Jahre darum, für die riesigen Militärareale auf Dauer zivile Nutzungen zu finden.

Die Kasernenbauten sind nun verschwunden. Ein Teil des ehemaligen Großen Exerzierplatzes, der "Unebene", ist inzwischen mit den unterschiedlichsten Formen von Wohnhäusern bebaut. Innerhalb kurzer Zeit ist in Kriegshaber ein neuer Ortsteil entstanden.


Claudia Böhme
Aus dem Buch "Kriegshaber in Bildern. Am Straßenrand der Weltgeschichte", erscheint im Wißner-Verlag, April 2016
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