Soziales ist der Kitt der Gesellschaft: „Runder Tisch Soziales“ in Oberhausen besteht seit 10 Jahren

Die Kirchengemeinde von St. Johannes war der initiator des RTS. Foto Blöchl
 
Christian Holler und Sonja Bestele sidn aktiv dabei. Foto Blöchl

Der wohl älteste Stadtteil Augsburgs - nachweislich befand sich bereits 15 v. Chr. Ein römisches Heerlager auf dem Gebiet des heutigen Oberhausen – hat in der Stadtöffentlichkeit nicht den besten Ruf.

Über 25 000 Einwohner drängen sich links und rechts der Wertach. Meist sind es alte Arbeiterquartiere, in denen früher die Beschäftigten der Augsburger Textilindustrie aber auch anderer Industriezweige gelebt haben und teilweise noch heute leben. Das Einkommensniveau ist im stadtweiten Vergleich nicht besonders hoch. Viele Migranten haben hier ihre Wohnungen und ihre Heimat gefunden. Vor allem Zuzügler aus Russland, die sog. Gastarbeiter und ihre Nachkommen bevölkern den Stadtteil. Das soziale Gefälle ist groß zu anderen Bereichen. Trotzdem geschieht viel. Manche wirkliche Probleme vermischen sich auch mit Vorurteilen, manches was negativ dargestellt wurde und wird hat sich verändert. Auch Oberhausen ist im Umbruch. Ein Beispiel dafür ist, dass nur noch knapp 50 % der Einwohner Mitglieder einer beiden großen Kirchen sind.

Runder Tisch will sozialen Frieden bewahren


Neben dem wichtigen Frieden nach außen, den wir seit 70 Jahren genießen, geht es immer auch darum den inneren Frieden, den Zusammenhalt der Gesellschaft zu bewahren. Darum bemühen sich durchaus erfolgreich viele Akteure in Oberhausen. Einer davon ist der „Runde Tisch Soziales“, kurz RTS genannt. Beim Gespräch im Gemeindezentrum lassen Sonja Bestele, eine der Initiatorinnen des RTS und der bei der Gemeinde seit 2015 verantwortliche Pfarrer Christian Holler, Revue passieren was in den 10 Jahren des Bestehens bewegt wurde und sich bewegt hat. 2007 – auf dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise mir ihren Folgen - wurde er um die evangelische Pfarrei St. Johannes ins Leben gerufen.

„Soziales braucht Zukunft“ war das Thema der ersten Veranstaltung, bald folgten andere Themen. Man traf sich monatlich. Jeden Monat lud man auch zu öffentlichen Veranstaltungen ein. Angesprochen wurden anfänglich vor allem Behinderte, Alleinerziehende und ältere Menschen an oder unter der Armutsgrenze. Gesprochen wurde auch über politische Themen wie z.B. „Sozialpolitik in Augsburg“ oder „Finanzkrise und ihre Wirkungen“. Aber Lebenshilfe wurde angeboten, so bei einer Veranstaltung mit der Augsburger Tafle, bei der über die Möglichkeiten gesunder Ernährung mit wenig Geld informiert wurde. Seminare boten Informations- und Diskussionsforen z.B. zum „Sinn des Lebens“ oder auch „Nächstenliebe und Solidarität – was bedeutet das!“
Ein wichtiger Schwerpunkt war und ist die Vernetzung im Stadtteil, die Organisation es Netzwerks, das greift, wenn an irgendeiner Stelle Probleme auftauchen. Bei den Treffen des RST sind Akteure aus Parteien und Vereinen, Schulen und Verwaltung zusammen um Informationen auszutauschen und gemeinsame Lösungen zu finden. In der Kirchengemeinde selbst gab es spezifische Angebote wie z.B. Themengottesdienste zum 1. Mai oder eine Tanzgruppe „Chancen“.

Gesellschaft verändert sich – der RTS auch


Nach dem 5-jährigen Bestehen wurde den Veranstaltungen nur noch vierteljährlich durchgeführt. Der Bedarf der Gesprächsrunden für Hilfsbedürftige war stark zurückgegangen. Die Feldarbeit im Stadtteil trat stärker in den Vordergrund. Ein Höhepunkt dabei sicher die „Soziale Konferenz“ im Februar 2016, bei dem über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer 4 Stunden über die soziale Situation im Stadtteil und verschiedene Projekte diskutierten. Netzwerkarbeit par excellence die auch zukünftig ein Schwerpunkt des RTS sein soll. Strukturelle Themen wie die Probleme um den Helmut-Haller-Platz wurden aufgegriffen, ein Forschungsprojekt der Uni Augsburg dazu in der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das 2008 begonnene Projekt „Soziale Stadt“ hat viele Veränderungen angestoßen, ein professionelles Stadtteilmanagement unterstützt Initiativen und Vereine. Und es hat sich einiges bewegt in Oberhausen, wie man unschwer beim Gang durch die Viertel feststellt oder am Helmut-Haller-Platz bei den diversen Veranstaltungen erleben kann. Auch Sonja Bestele und Christian Holler sehen das, sie sind ein wenig stolz auf das was der RTS bewegt und geleistet hat. Jetzt wird man diskutieren wie man sich weiter ausrichten und organisieren will. Das nächste Treffen, findet am Montag, 9. Oktober um 17 Uhr im Gemeindehaus von St. Johannes Donauwörther Straße 3 bis 5 statt. Alle an Oberhausen Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.
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