Wie barrierefrei ist Pfersee?

Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen haben Pfersee untersucht, das Ergebnis war nicht optimal. . hinten von links nach rechts: Michael Schreiber, Manuel Rodriguez, Monika Waldemair, vorne: Elisabeth Murr, Anita Liebs, Marion Brülls, Volkmar Thumser. Foto privat (Foto: Privat)
 
Manchmal stellen nur kleine Hindernisse fast unüberwindliche Hürden dar. Monika Waldemair und Anita Liebs schaffen es gemeinsam.Foto privat: (Foto: Privat)

SPD Pfersee deckt Schwachstelle und Gefahrenpunkte auf.

Volkmar Thumser, SPD – Bezirksrat und Behindertenbeauftragter des Bezirks Schwaben lud zu einem Spaziergang durch Pfersee. Ziel war es zu erkunden, wo für Behinderte die Gefahrenpunkte und Schwachstellen im Verkehr des Stadtteils liegen. Geht man als Fußgänger mit guten Augen durch Pfersee, könnte man meinen,
dass der Stadtteil für Menschen mit Behinderungen gut ausgestattet ist. Der Rundgang der SPD Pfersee mit Experten und Expertinnen aus dem Augsburger
Behindertenbeirat deckte jedoch viele Schwachstellen und Gefahrenpunkte auf.

Auch Schüler mischen sich ein.

An der Kreuzung bei der Herz-Jesu-Kirche gibt es zwar endlich, u. a.
aufgrund einer Petition von Schülern der Hans-Adlhoch-Schule, in allen Richtungen ein akustisches Signal für Blinde. Auf der Südseite erweist sich das Signal aber als zu leise, um im Verkehrslärm gehört zu werden. Manuel Rodriguez vermisst ein Leitsystem im Boden, damit Blinde den Übergang finden können und rechtzeitig am
Fahrbahnrand stehen bleiben; hier sind die Gehsteige nämlich so stark
abgesenkt, dass sie mit dem Blindenstock nicht mehr getastet werden können.
Die 2002 neu gestaltete Haltestelle der Straßenbahn ist zwar barrierefrei.
Das damals eingebaute Blindenleitsystem weist aber zu enge Rillen auf und
kann deshalb mit den heute üblichen Blindenstöcken kaum mehr genutzt werden.
Im Bereich der Packstation sind die Platten so schlecht verlegt, dass sie
eine Stolperfalle nicht nur für Blinde darstellen.

Straßenbahnhaltestellen nicht optimal.

Bei der Haltestelle Pfersee ist der Befund nicht besser. Die Brunnenbachstraße muss ungesichert überquert werden. Das akustische Signal n der Ampel über die Fröbelstraße und Stadtberger Straße ist erst zu hören,wenn der Blinde den Taster betätigt. Dazu muss er erst einmal den Ampelmast finden, was ohne ein Leitsystem – das auch hier fehlt – kaum zu schaffen. ist. An der Haltestelle Bürgermeister-Bohl-Straße existiert nur ein taktiler Blindensignalgeber, ein akustisches Signal gibt es nicht.

Auch soziale Einrichtungen sind schlecht gerüstet.

Zuvor schaute sich die Gruppe unter Leitung des Pferseer Bezirksrats Volkmar
Thumser das Bürgerhaus Pfersee und das Jugendhaus Linie 3 an – von außen,
denn beide Häuser sind durch Treppenstufen für Rollstuhlfahrer und
Gehbehinderte nicht nutzbar. Elisabeth Murr aus Pfersee, die jahrelang
Mitglied des Spielekreises im Bürgerhaus war, kann jetzt nur noch mitmachen,
wenn der Kreis sich an einem lauen Sommerabend auf der Wiese hinter dem
Bürgerhaus trifft. Vom Herbst bis Frühling und an Regentagen bleibt sie
ausgeschlossen. Der Winter ist für Elisabeth Murr überhaupt schwer, seit sie
auf einen Elektrorollstuhl angewiesen ist. Im Bereich ihrer Wohnung am
Mittleren Weg gibt es zum Teil keine, zum Teil so enge Gehsteige, dass sie
auf der Straße fahren muss, die bei Eis und Schnee nicht geräumt und
gestreut wird. Schlusspunkt der kleinen Tour war der neue REWE in der Stadtberger Straße, der sogar über eine behindertengerechte Toilette verfügt. Der
Fußgängerzugang führt aber über eine Treppe mit fünf Stufen. Rollstuhl- und
Rollatorfahrer kommen nur über die Auto-Zufahrt in den Supermarkt, was zu
Gefahrensituationen führt.
Volkmar Thumser wird die Mängelliste über die Pferseer Stadträtinnen Angela
Steinecker und Anna Rasehorn der Stadtverwaltung zuleiten und Verbesserungen
von ihr, wie auch von Geschäftsleuten einfordern. „Barrierefreiheit ist die
Voraussetzung dafür, dass Menschen mit Behinderungen am Leben teilhaben
können.“
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