CSU-Fraktion will geschlossen gegen den Standort Dinglerstraße stimmen

Der Standort Dinglerstraße wirft nun auch Schatten auf das Regierungsbündnis der Stadt Augsburg. Die CSU-Fraktion will gegen den Vorschlag des SPD-geführten Ordnungsreferats stimmen. Foto: Janina Funk

Der Streit um den geplanten Süchtigen-Treff in Oberhausen nimmt neue politische Dimensionen an. Die Augsburger CSU-Fraktion will nun geschlossen gegen den umstrittenen Standort Dinglerstraße stimmen. Das haben die CSU-Stadträte in ihrer Fraktionssitzung am Dienstagabend entschieden. SPD-Ordnungsreferent Dirk Wurm hatte zuletzt vehement für die Dinglerstraße geworben, die komplette Fraktion der Sozialdemokraten sich hinter ihren Referenten gestellt.

Bernd Kränzle bestätigt am Mittwochnachmittag die Gerüchte, die sich am Morgen verbreiteten. "Ja, das stimmt", sagt der CSU-Fraktionschef am Telefon. Denn: "Der Standort ist der falsche."

Die Fraktion habe ausgiebig diskutiert und sei zu dem Ergebnis gekommen, sich geschlossen gegen die Dinglerstraße auszusprechen. Kränzle zählt die Gründe auf: Ein Wohngebiet sei nicht der richtige Ort für eine Betreuungseinrichtung für Drogensüchtige, man müsse die Bedenken der Bevölkerung beachten, die Entfernung zum Oberhauser Bahnhof sei zu groß.

CSU: Standort muss näher am Helmut-Haller-Platz sein

Knapp 600 Meter vom Bahnhofsvorplatz, einem der zentralen Treffpunkte für Augsburgs Alkoholiker und Drogensüchtige, entfernt befindet sich das ehemalige Lokal "Paparazzi". Dort möchte das von Dirk Wurm geführte Ordnungsreferat den Süchtigen-Treff installieren. Die Stadtverwaltung hatte lange nach einem Standort gesucht, und schließlich die Dinglerstraße präsentiert - zum Ärger der Bewohner des Viertels.

Auf drei Informationsveranstaltungen der Stadt Augsburg in den Räumen des "Paparazzi" äußerten die Anwohner in der vergangenen Woche ihren Unmut und ihre Angst, dass sich die Drogenszene vom Oberhauser Bahnhof in die Grünanlagen des Wohngebiets an der Wertach verlagert.

Für eine solche Einrichtung brauche man das Verständnis der Bevölkerung, sagt Kränzle. Die Informationsabende hätten die Entscheidung daher mitbeeinflusst. Die CSU-Fraktion wolle nun eine Arbeitsgruppe einrichten, die nach Lösungsansätzen suchen soll. Der Standort müsse auf jeden Fall näher am Helmut-Haller-Platz sein, betont der Fraktionsvorsitzende. Konkreter werden möchte er noch nicht. Man müsse nun erst einmal alle Möglichkeiten für eine Lösung ausloten.

Was bedeutet das nun für das Regierungsbündnis?

Welche Auswirkungen wird diese Entscheidung nun auf die Zusammenarbeit innerhalb der Stadtregierung haben? Die SPD hatte zuletzt keinen Zweifel daran gelassen, dass für sie die Betreuungseinrichtung an der Dinglerstraße die richtige Vorgehensweise ist, um die Situation am Oberhauser Bahnhof in den Griff zu bekommen. Auch CSU-Oberbürgermeister Kurt Gribl äußerte sich auf den Bürgerinformationsveranstaltungen durchaus optimistisch, was den Standort angeht.

Kränzle gibt sich gelassen. Beim Stichwort Koalitionskrach winkt er verbal ab. "Nein, davon gehe ich gar nicht aus. Es geht jetzt darum, sachlich eine Lösung zu finden."

Das zumindest sieht Ordnungsreferent Wurm genauso. Die Nachricht der geschlossenen Ablehnung überrascht ihn zwar, er möchte jedoch weiter machen, "wie wir es vereinbart haben".

Wurm will "weiter für das Konzept werben"

Am 6. Dezember werde er die Ergebnisse der Bürgerinformation dem Allgemeinen Ausschuss vorstellen. Das Gremium solle dann endgültig über den Standort abstimmen. Der Aussschuss sei ja auch dafür da, die Argumente auszutauschen.

"Ich kann nur weiter für das Konzept werben", betont Wurm. Die Standortfrage sei natürlich ein schwieriges Thema, aber er glaube, dass vor allem die Antworten der Polizei, der Drogenhilfe und der anderen beteiligten Organisationen auf der Bürgerversammlung einigen Anwohnern die Skepsis nehmen konnten.

Skeptisch bleibt indes Bernd Kränzle. Zwar habe die CSU dem Konzept an sich ja zugestimmt, nur: Der Standort, der sei eben der falsche.
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