Das Gift in der Nachbarschaft

An dieser Stelle stand früher die alte Blaugasfabrik, heute sind nur noch die Reste der Produktion im Boden zu finden. (Foto: Hans Blöchl)

Die ehemalige Blaugasfabrik in Oberhausen sorgt für Diskussionen. Der verunreinigte Boden wird nun saniert, Kleingärtner befürchten dennoch Belastungen.

Kaum jemand weiß noch was Blaugas ist – außer vielleicht einige Chemiker. Dabei war es zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts bis Mitte der 1930er Jahre eine sehr weit verbreitete Energieform, die zum Heizen, als Lichtquelle, aber auch als Antriebsenergie Verwendung fand. Benannt ist das Gas nach seinem Erfinder, dem Augsburger Chemiker Hermann Blau. Er entwickelte 1904 das erste Flüssiggas, eben jenes Blaugas.

Im Stadtteil Oberhausen wurde in der Fabrik an der Alten Auerstraße, die Blau zusammen mit Kommerzienrat Ludwig August Riedinger gegründet hatte, das Gas in Stahlflaschen abgefüllt und deutschlandweit verkauft. Aus dem Augsburger Unternehmen entstand später die „Deutsche Blau-Gas Gesellschaft mbH Augsburg“, die Werke in Wien, Budapest, Bukarest, St. Petersburg, in den USA, Kanada und Kuba gründete. Nach der Stilllegung der Oberhauser Fabrik 1933 und der Verlagerung des Firmensitzes nach Norddeutschland geriet das Gelände mehr und mehr in Vergessenheit.

Heute gehört das Areal zu einem erheblichen Teil dem Freistaat Bayern, der es nun wirtschaftlich nutzen möchte. Und hier beginnt das Problem.

Bereits im vergangenen Jahr wurde eine tiefgehende Kontaminierung des Geländes, mit einer möglichen Belastungen des Grundwassers festgestellt – allerdings nicht des Trinkwassers!

In einer Pressemitteilung teilt das Bauamt nun mit, dass auf dem Gelände von jetzt an bis April 2016 die Sanierung der vorhandenen Bodenverunreinigungen stattfindet. Diese sei „zum Schutz des Grundwassers, des Bodens und der Menschen aufgrund gesetzlicher Vorgaben und der Vorgaben aus dem Sanierungsbescheid des Umweltamtes Augsburg erforderlich“. Hierzu werde der verunreinigte Boden entfernt und durch unbelasteten Boden ersetzt. Der verunreinigte Boden wird in ein Zwischenlager in der Schönbachstraße (ebenfalls in Oberhausen) transportiert, dort untersucht und anschließend entsorgt.
Durch die Arbeiten komme es zu „nicht vermeidbaren Beeinträchtigungen durch Lärm, Geruch und Staub“, so die Behörde, die betont: „Es werden alle Vorkehrungen getroffen, um die Beeinträchtigungen für die Anlieger möglichst gering zu halten.“

Die Entnahme des Bodens erfolge durch erschütterungsarme verrohrte Großbohrungen, es werden weiter etwa die Verkehrswege sowohl auf der Baustelle als auch auf dem Zwischenlager befeuchtet, um Staubbelastungen weitestgehend zu verhindern.

Die Bauzeit sei bewusst in die Wintermonate gelegt worden, da bei kalten Temperaturen die Geruchsemissionen durch leichtflüchtige Inhaltsstoffe geringer seien. Zusätzlich würden stark verunreinigte Böden noch auf der Baustelle in geschlossene Behälter gebracht, Zwischenlagerung und Entsorgung erfolgten ebenfalls in geschlossenen Behältern.

Soweit das Bauamt. Doch es regt sich Widerstand gegen das Vorhaben. Viele Bewohner der Siedlungen Schönbach, Marie-Juchacz und Ellgauer-Weg sind beunruhigt, da in ihrer unmittelbaren Nähe kontaminiertes Material (Erdaushub von einem Grundstück nahe dem Gaswerk in Oberhausen) für ein Jahr gelagert werden soll. Der Siedlervorstand der Marie-Juchacz-Siedlung hat sich nun an Stadtrat Dieter Benkard mit der Bitte gewandt, genauere Informationen einzuholen. Benkard hat in einer ersten Pressemitteilung Stellung bezogen: Die Genehmigung für den Lagerplatz sei zeitlich, bis zum 31. Mai 2016, begrenzt, teilt er mit. Vor einer weiteren Verwendung oder Entsorgung müsse der Aushub entsprechend untersucht werden. „Die Zwischenlagerflächen werden vor der Benutzung umwelttechnisch und umweltgerecht hergerichtet.“

Benkard hat eine Anfrage an Oberbürgermeister Kurt Gribl gestellt.

Von Hans Blöchl
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