Drogentreff am Oberhauser Bahnhof: Stadt macht aus dem Alternativ-Standort noch ein Geheimnis

Auf einem Schild bittet die Stadt am Haller-Platz, Trinkgelage zu unterlassen. Foto: Janina Funk
Augsburg: Bahnhof Oberhausen |

Lange hatte die Stadtverwaltung nach einem Standort gesucht, nach Räumen, in denen die Drogen- und Trinker-Szene des Oberhauser Bahnhofs eine alternative Heimat finden kann. Nun ist sie fündig geworden. Offenbar in der Nähe des derzeitigen Drogen-Treffpunkts. Aus der genauen Lage macht die Stadt Augsburg aber noch ein Geheimnis.

Durch die Einrichtung eines "alternativen Angebots" - wie die Mitarbeiter des Ordnungsreferats diesen Ort nennen, der in der öffentlichen Debatte gerne eher flapsig als "Trinkerstube" tituliert wird - soll der Helmut-Haller-Platz im Stadtteil Oberhausen entlastet werden. Dieser ist schon lange ein zentraler Treffpunkt für Augsburgs Drogen- und Alkoholszene. Viel wurde bisher diskutiert, wie die Situation verbessert werden könnte. Vor gut einem Jahr beschloss der Ordnungsausschuss ein Gesamtkonzept für den Haller-Platz. Wichtiger Bestandteil dieses Konzepts: das "alternative Angebot". Dort soll sich die Szene abseits des öffentlichen Fokus treffen und es soll ein medizinisches Betreuungsangebot sowie Hilfe durch Sozialarbeiter geben.

Die Einrichtung soll dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr geöffnet sein. Süchtige sollen dort von der Drogenhilfe und dem Sozialverband SKM betreut werden. Das Trinken von mitgebrachtem Alkohol in geringen Mengen wird erlaubt sein. Das alles ist inzwischen bekannt, was die Öffentlichkeit allerdings noch nicht weiß: Wo befindet sich die Räumlichkeit?

Voraussichtlich im Januar soll der Treffpunkt Realität werden. Ordnungsreferent Dirk Wurm möchte die genaue Adresse aber noch nicht verraten. Im Ordnungsausschuss vor zwei Wochen erklärte er, der Mietvertrag sei noch nicht unterschrieben. Sobald dies geschehen ist, sollen die Nachbarn per Post informiert werden. In der Folge möchte die Stadt diese zudem in die Räume einladen.

Stadträte kritisieren Vorgehen der Stadt

Kritik an diesem Vorgehen der Stadt äußerten im Ordnungsausschuss bereits einige Stadträte. Auch ihnen wurde die Adresse nicht mitgeteilt. WSA-Stadtrat Peter Grab schob in der vergangenen Woche noch eine Anfrage an Oberbürgermeister Kurt Gribl hinterher, in der er kritisierte, dass der Ausschuss gar nicht habe beurteilen können, "ob der gefundene Standort im Sinne des Beschlusses geeignet ist", da das Gremium den Standort ja nicht einmal kannte.

Grab ist der Auffassung, dass Ordnungsreferent Wurm den Standort zumindest den Stadträten hätte mitteilen müssen. Und: "Erschwerend kam hinzu, dass im Hinblick auf die Beschlussfassung, ein alternatives Aufenthaltsangebot einzurichten, besonders betont wurde, dass die Öffentlichkeit beziehungsweise die Anwohner bei der Standortsuche rechtzeitig mitgenommen" werden sollten. Nun werden diese allerdings erst informiert, wenn der Mietvertrag unterzeichnet worden ist. Das Gremium und die Öffentlichkeit, so kritisiert Grab, würden "vor vollendete Tatsachen" gestellt.

Auf Nachfrage unserer Zeitung ließ eine Mitarbeiterin des Ordnungsreferats am Montag lediglich schriftlich wissen: "Im Auftrag von Herrn Wurm darf ich Ihnen mitteilen, dass es hierzu zu gegebener Zeit eine Presseinformation der Stadt Augsburg geben wird."
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