Einstimmig für den neuen Standort: So lief die Stadtratsdebatte zum Süchtigentreff

In der ehemaligen St.-Christophorus-Apotheke in der Branderstraße in Oberhausen soll der Süchtigentreff nun angesiedelt werden. Foto: Helene Kuhn
 
Der neue Standort liegt direkt am Oberhauser Bahnhof (Foto: Helene Kuhn)
Eine "Handreichung für den Stadtteil Oberhausen" nannte Grünen-Stadtrat Cemal Bozoglu das Vorhaben, über das der Augsburger Stadtrat am Donnerstag zu beschließen hatte. Inhalt der "Dringlichkeits-Vorlage": Der Standort für den Süchtigentreff. Einstimmig sprach sich das Gremium am Ende der zweistündigen Diskussion für die Branderstraße 60 aus - und somit auch für das endgültige Ende der Dinglerstraße 10.

Mit dem Konzept eines betreuten Treffpunkts möchte das Ordnungsreferat die Süchtigenszene des Bahnhofs in Oberhausen in den Griff bekommen - und dadurch die Situation in einem Stadtteil verbessern, der, wie es Bozoglu ausdrückte, "viele soziale Probleme der Stadt abfängt".

An welchem Ort das "alternative Aufenthaltsangebot", das die Stadt gemeinsam mit sozialen Organisationen bereitstellen möchte, eingerichtet werden soll, wurde zuletzt kontrovers diskutiert. Dass die frühere Kneipe "Paparazzi" an der Dinglerstraße ausscheidet, war seit einigen Wochen klar. In einer internen Fraktionssitzung hatte die Augsburger CSU beschlossen, gegen die von Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) vorgeschlagene Adresse zu stimmen. Damit fehlte der Dinglerstraße die Mehrheit im Stadtrat. Am Donnerstag stand sie daher schon gar nicht mehr zur Debatte. Die Beschlussvorlage befasste sich stattdessen bereits mit dem neuen Favoriten: der Branderstraße.

Informationsabende für Anwohner im Januar

Das Ordnungsreferat hatte die einstige Apotheke direkt am Helmut-Haller-Platz anfangs ausgeschlossen, da ihre Miete die vorgegebenen Finanzmittel übersteigt. Mit seinem Beschluss beauftragte der Stadtrat die Verwaltung nun, die Räume detailliert zu prüfen und danach mit dem Eigentümer über einen Mietvertrag zu verhandeln. Im Januar möchte die Stadt dann Informationsabende für die Anwohner veranstalten.

Viel Lob für den gebeutelten Ordnungsreferenten

Der in der Dinglerstraßen-Debatte arg gebeutelte Ordnungsreferent erhielt in der Sitzung quer durch die Fraktionen einiges an Lob - aber freilich auch Kritik. Thomas Lis von Pro Augsburg begrüßte "die jetzt gefundene Lösung ausdrücklich" und lobte Wurm für den Einsatz in den vergangenen Monaten, außer "auf den letzten Metern, da wurde es leider ziemlich holprig". Zudem wäre es "schön gewesen, wenn schon früher mehr Geld zur Verfügung gestanden" hätte, sodass man von Anfang an die Apotheke ins Visier hätte nehmen können, sagte Lis.

Branderstraße: Für "Entzerrung der Szene" zu nah

Freie-Wähler-Stadträtin Regina Stuber-Schneider wies darauf hin, dass erst seit kurzem eine Förderung durch die Regierung von Schwaben in Aussicht gestellt wurde und daher nun mehr Geld vorhanden sei als anfangs. Auch das sei Verdienst des Ordnungsreferenten.

Der einzige Kritikpunkt sei, so Stuber-Schneider, dass eine Entzerrung der Szene durch die direkte Nähe zum Bahnhof nun nicht mehr erreicht werden könne. Die weite Entfernung, mehr als 500 Meter, zwischen Haller-Platz und Dinglerstraße war hingegen das Hauptargument der CSU gegen den alten Standort. Die Fraktion befürchtete, dass der Treff aufgrund der Distanz nicht angenommen werden könnte - oder aber, dass die Süchtigen täglich hin und her durch das Wohngebiet wandern würden. Diese beiden Aspekte betreffen die alte Apotheke nicht. Dennoch mahnte Wurm: "Einen perfekten Standort gibt es nicht." Auch die Branderstraße werde nicht allen gefallen.

"Stellen Sie die Kohle zur Verfügung"

Viel Kritik am Referenten kam von WSA-Stadtrat Peter Grab. Die Umsetzung des Konzeptes dauere schon viel zu lange. Grab stimmte am Ende zwar auch für die Branderstraße; einen Container aufzustellen, für den dann ja auch keine Miete anfalle, und mehr Geld für Personal, bleibe jedoch nach wie vor seine bevorzugte Lösung.

Mehr finanzielle Mittel forderte auch Linken-Stadtrat Alexander Süßmair, der die Arbeit des Ordnungsreferenten und den neuen Standort insgesamt allerdings lobte. Man müsse mehr Geld für Streetworker und Sozialarbeiter ausgeben, sagte Süßmair. Recht plakativ drückte sich Dieter Benkard (SPD) aus. "Stellen Sie die Kohle zur Verfügung", sagte er an Finanzreferentin und zweite Bürgermeisterin Eva Weber (CSU) gerichtet.

Am Ende stimmten alle für die Branderstraße. Auf eine neu eingerichtete E-Mail-Adresse wies zuletzt noch Referent Wurm hin: Unter oberhausen@augsburg.de können vor allem Anwohner nun mit der Stadt in Kontakt treten und ihre Meinung zum neuen Standort kund tun. Im Januar wollen alle Beteiligten dann auf den Informationsabenden mit den Bürgern über den Süchtigentreff sprechen.
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