Linie 5 verzögert sich: "Noch ein paar Dinge klären"

Freie Fahrt durch den Tunnel soll es für die neue Linie 5 ab 2022 geben. Mit den Planungen laufe alles nach Plan, so die Botschaft Martin Müllers von den Stadtwerken, der im Bauausschuss der Stadt Augsburg einen Sachstandsbericht vortrug. (Foto: Janina Funk)

Bis auf zwei Bagger und drei Bauarbeiter bewegt sich nicht viel auf der Tunnelbaustelle westlich des Hauptbahnhofs. Doch die Ruhe an diesem Vormittag täuscht: Die Arbeiten für die Straßenbahnunterführung sind im Zeitplan - zumindest im neuen Zeitplan, denn sollte das Großprojekt zunächst bis 2019 fertig sein, wird das Ende der Bauzeit inzwischen schon länger auf 2022 datiert.

Martin Müller von den Stadtwerken gibt sich optimistisch, dass immerhin dieses Ziel erreicht wird. Der Projektleiter stellte am Donnerstag im Bauausschuss der Stadt den aktuellen Stand der Arbeiten vor. Alles läuft, lautete seine Botschaft. Doch bis die Linie 5 durch den Tunnel und den Westen Augsburgs fahren kann, muss sich noch einiges bewegen.

Zunächst gilt es für die Stadtwerke, die notwendigen Unterlagen und Gutachten für das Planfeststellungsverfahren zusammenzustellen, um diese bei der Regierung von Schwaben zur Genehmigung vorzulegen. Dafür hatte das Kommunalunternehmen eigentlich den Beginn dieses Jahres angepeilt. Doch nun gibt es Verzögerungen. Es werde derzeit noch ein Verkehrsmodell aufgestellt, erklärte Müller den Stadträten. Dabei gehe es um Prognosen für die "zukünftige Verkehrsmengenbewältigung". Übersetzt heißt das: "Es müssen noch ein paar Dinge geklärt werden", so Stadtwerkesprecher Jürgen Fergg auf Nachfrage. Es handle sich vor allem um die B17-Kreuzung und die Wendeschleife vor dem Klinikum. Die Pläne, die Projektleiter Müller im Bauausschuss an die Wand projiziertete, illustrieren die möglichen Wendenschleifen in bunten Linien. Die roten und lilafarbenen Striche zeigen mögliche Verläufe der Linie 5 um mögliche Gebäude des möglichen Campus. Ob das Klinikum zur Uni-Klink wird, soll bis Mitte 2016 verkündet werden. Erst dann kann auch die Wendeschleife der neuen Linie 5 festgelegt werden.

Stadtwerkesprecher Fergg geht davon aus, dass die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren bis Sommer oder Herbst komplett sein werden. Einspruch erheben dann wohl zahlreiche Anwohner. Denn gegen die geplante Trasse für die neue Straßenbahn gibt es einiges an Widerstand. Die "Bürgeraktion Pfersee" wehrt sich gegen den Verlauf über die Hessenbachstraße. Gleise über den Buchegger-Platz gefallen dem „Bürgerforum Thelott- und Rosenauviertel“ nicht. Und auch in Stadtbergen, durch das ein Teilstück der Linie 5 führen soll, gibt es viele kritische Stimmen. Man könne sich nicht vorstellen, "wie das mit einer Tram auf der Bürgermeister-Ackermann-Straße laufen soll", sagte Stadtbergens Bürgermeister Paulus Metz im vergangenen Sommer.

Allerdings gehen die Augsburger Stadtwerke offenbar nicht davon aus, große Probleme mit der Nachbarkommune zu bekommen. Auf die Frage von Stadtrat Volker Schafitel (Freie Wähler) im Bauausschuss, ob Stadtbergen sagen könne, "die Linie 5 wollen wir dort nicht haben", verwies Müller auf die Anhörung im Planfeststellungsverfahren. Dort können neben den Bürgern auch die Nachbargemeinden Einwände gegen die Planung vortragen. Die Regierung von Schwaben muss dann abwägen und gegebenenfalls Nachbesserungen einfordern. Doch auch an dieser Stelle gab sich der Stadtwerke-Mann optimistisch. Stadtbergen habe ja schließlich dem Nahverkehrsplan zugestimmt.

Ein kleines Problem stellen derzeit auch noch kleine Flug-Tiere dar: Wegen der Fledermäuse, die entlang der Hessenbachstraße nisten, müssen Ausgleichsflächen geschaffen werden.

Dafür planen die Stadtwerke den "Parkplatz P4" am Rosenaustadion ein. Doch an dieser Stelle sei eigentlich kein Platz, gab Baureferent Gerd Merkle zu bedenken. "Wir haben ein Drittel Ausgleichsfläche für das Curt-Frenzel-Stadion, zu einem Drittel soll dort ein Verkehrsübungsplatz entstehen und zu einem weiteren Drittel ein Skateplatz."

Warum er denn gar nichts zu den Kosten gesagt habe, fragte Beate Schabert-Zeidler (Pro Augsburg) den Referenten am Ende des Vortrags. An den Planungs- und Baukosten von 62 Millionen Euro Netto "hat sich nichts geändert", antwortete Müller - optimistisch.

Janina Funk
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