Pläne auf dem Augsburger Gaswerk-Areal: Das Modell und das Modular

Kulturträume aus Styropor: Noch ist das fertige Kulturgelände nur ein Modell. Foto: David Libossek

Das Gaswerk-Gelände im Westen Augsburgs wird ab Herbst in ein Kulturareal verwandelt. Nun haben die Stadtwerke und die Stadt neue Details ihres Vorhabens vorgestellt. Läuft alles nach Plan, sollen Teile des Stadttheaters interimsweise im April 2018 einziehen. Auch das Augsburger Festival-Flaggschiff würden die Stadtwerke gerne auf dem Areal ansiedeln.

In einem kühl-kargen Raum stapeln sich sonderbare Utensilien. Ein orange-grünes Stangenspektrum steht auf Holzkisten, seltsame schwarz-weiße Würfel türmen sich unterm Fenster und über allem thront eine durchgesessene beige Ledercouch. Utensilien vom Modular-Festival, das gerade im Kongress am Park über die Bühne gegangen ist. Noch werden sie auf dem Gaswerk-Areal lediglich gelagert. Ab dem Frühjahr 2018 könnten diese Modularien hier aber durchaus auch zum Einsatz kommen.

Denn, das bestätigten die Stadtwerke am Mittwochvormittag, man stehe in Verhandlungen mit dem Stadtjugendring, das Festival künftig im Schatten des opulenten Gaskessels auszutragen. Bereits in zwei Jahren könnte es soweit sein. Denn dann soll rund um das Relikt des vergangenen Jahrhunderts Augsburgs neues kulturelles Herz schlagen und das Industriegelände die Verwandlung in ein Kulturareal vollzogen haben. Vorausgesetzt die im Spätherbst dieses Jahres beginnenden Arbeiten sind wie geplant im April 2018 abgeschlossen.

So steht in einem Raum, der bis auf Brusthöhe von markanten türkis-blauen Fliesen umgeben ist, zunächst nur ein Miniatur-Gaswerk-Kulturgelände. Doch vermittelt es einen Eindruck, wie das 100 Jahre alte Industriedenkmal bald aussehen könnte. An die Rückseite des Ofenhauses aus Styropor schmiegt sich ein Anbau. Er repräsentiert das Gebäude, das eigens für die Werkstätten des Theaters errichtet werden soll. Parallel zu den beiden Gebäuden erstreckt sich das längliche Parkhaus. Auch das existiert bisher nur auf der Spanplatte.

Real – und äußerst beeindruckend – ist das Ofenhaus. Mit seinen imposanten Glasfenstern wirkt das leerstehende Gebäude wie eine Industriekathedrale. Sie gewährt für die Zeit der Theatersanierung der Brechtbühne Obdach. 240 Besucher sollen in der Interimsspielstätte Schauspielaufführungen sehen. Zudem soll das Haus Technik, einen üppigen Ballettsaal und Gastronomie beherbergen.

Nach sechs bis sieben Jahren zieht alles Theater wieder aus. Deshalb, so sagt Stadtwerke-Planer Hans Koch, „ist alles leicht demontierbar“. Die dann freien Flächen werden dem Kunstgewerbe oder Künstlern überlassen. Ein Coup, findet Kulturreferent Thomas Weitzel. „Verlorene Kosten“ wären es gewesen, hätte man die Interimswerkstätten des Theaters beispielsweise in einem Industriegebiet untergebracht. Die Stadt miete sich in etwas Nachhaltiges ein. Einerseits, weil das neue Gelände die Stadtteile Bärenkeller, Oberhausen und Kriegshaber dann nicht mehr durchschneidet sondern verbindet. Andererseits „vermischt sich die Theaterentwicklung mit den Kulturschaffenden“, sagt der Kulturreferent

Denn auch die Künstler des Kulturparks West werden sukzessive auf dem Gelände einquartiert. 4000 Quadratmeter Platz sollen sie bekommen. Gegen das Ende des KuPa hatte es zunächst erheblichen Widerstand gegeben. Popkulturbeauftragte Barbara Friedrichs berichtet nun jedenfalls von gut angenommenen und freundschaftlich abgehaltenen Umzugs-Sprechstunden mit den Künstlern. „Einzelne Stimmen haben Gegenwind erzeugt“, sagt sie beinahe poetisch, „der ist aber leise abgeflaut“. Bereits im Herbst 2017 sollen nun die ersten KuPa-Mieter einziehen – dank Subventionen zur garantierten Kaltmiete von fünf Euro pro Quadratmeter. Hauptmieter ist ebenfalls die Stadt.

Doch das soll freilich nicht die einzige Einnahmequelle bleiben. Denn natürlich soll der Umbau auf lange Sicht Geld abwerfen. Schließlich investieren die Stadtwerke vier Millionen Euro in die Flächen für die Künstler und 12,5 Millionen dafür, alles Nötige fürs Theater bereitzustellen. Doch der Schritt war auf Dauer unumgänglich, steckt die Stadt doch 500.000 Euro jährlich in den Erhalt des Industriedenkmals. Kunstgewerbe, Gastronomie, aber auch das Parkhaus sollen das Geld zurück in die Kassen spülen. Und wer weiß: Vielleicht ja tatsächlich auch das Modular.
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Markus Frowein aus Augsburg - City | 14.06.2016 | 18:59  
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