Streit über Standort des Süchtigen-Treffs in Oberhausen: Für Anwohner "absolut unzumutbar"

Licht und Schatten: Durch eine betreute Einrichtung in Oberhausen soll der Helmut-Haller-Platz entlastet werden. Dass der Treffpunkt allerdings mitten in einem Wohngebiet geplant ist, schockiert Anwohner und verärgert Stadträte. Foto: Janina Funk


An der Dinglerstraße im Stadtteil Oberhausen unweit der Wertach steht ein lachsfarbenes Eckhaus. Früher beherbergte es das Lokal "Paparazzi", in den oberen Stockwerken befinden sich Wohnungen. Es ist ein helles Gebäude - das den Anwohnern nun düstere Gedanken bereitet. Denn einziehen soll im Erdgeschoss der betreute Treffpunkt für die Drogen- und Alkoholszene des Oberhauser Bahnhofs.

Vor gut einem Jahr hatte der Ordnungsausschuss ein Konzept für den Helmut-Haller-Platz, der ein zentraler Treffpunkt für Augsburgs Alkoholiker und Drogensüchtige ist, beschlossen. Die Stadtverwaltung suchte daraufhin lange nach einem Standort für das "alternative Angebot", das den Bahnhofsvorplatz entlasten soll. Dass die Szene nun in ihre unmittelbare Nachbarschaft ziehen soll, empfinden Anwohner der Dinglerstraße als "absolut unzumutbar".

"Hier wohnen überwiegend Familien mit Kindern", beschreibt ein Anwohner, der nur wenige Häuser weiter wohnt, das Viertel. "Wenn man sieht, was jeden Tag am Bahnhof passiert: Überall liegen Scherben und Spritzen herum. Fast jeden Tag müssen Notarzt und Polizei anrücken, weil die Situation eskaliert. Da lässt doch niemand mehr seine Kinder alleine vor die Tür", sagt der Mittdreißiger.

Das ehemalige Lokal ist rund 500 Meter vom Oberhauser Bahnhof entfernt. Für das Ordnungsreferat ist die Immobilie vor allem auch deswegen gut geeignet, weil sie fußläufig vom Helmut-Haller-Platz aus erreichbar ist. Ziel der geplanten Einrichtung in der Dinglerstraße sei es, "den Betroffenen Beratung, Betreuung und Hilfestellung zu bieten und eine alternative Aufenthaltsmöglichkeit zum Helmut-Haller-Platz zu schaffen", formuliert die Stadt. Der Treffpunkt soll als eine Art Café betrieben werden, das an mehreren Wochentagen bis nachmittags geöffnet ist. Der Konsum von mitgebrachtem Alkohol werde erlaubt sein. Die Betreuung der Süchtigen übernehmen Drogenhilfe und der Sozialverband SKM.

"Bahnhof Zoo" von nebenan

Im Januar soll die Einrichtung eröffnet werden. Ende November wird es der Stadt zufolge mehrere Informationsveranstaltungen geben. Eine transparente Vorgehensweise sehe dennoch anders aus, betont der Nachbar. "Die Kommunikation der Stadt ist ebenfalls unzumutbar. Vielleicht hätte irgendjemand dort ja auf die Idee kommen können, erst mit den Anwohnern zu sprechen. Dann müsste man nicht aus der Zeitung erfahren, dass künftig der Bahnhof Zoo nebenan wohnt." Zudem habe das Ordnungsreferat am vergangenen Samstag angeblich alle Anwohner in der Umgebung mit einer Hauseinwurfsendung über die Pläne in der Dinglerstraße 10 informiert. Bis zur Hausnummer 12 sei man aber wohl schon nicht mehr gekommen, sagt eine Bewohnerin des Gebäudes. "In unserem Haus hat niemand so einen Zettel bekommen."

Den Standort hatte die Stadt erst am Freitag vor einer Woche genannt - nach wochenlangem Rätselraten. Noch zwei Tage zuvor irritierte Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) im Stadtrat mit der Aussage, den Standort des Süchtigen-Treffs erst nach der Unterzeichnung des Mietvertrages bekanntgeben zu wollen und auch erst dann Gespräche mit den Anwohnern zu führen.

Der Mietvertrag ist noch immer nicht unterschrieben. Doch nachdem selbst Oberbürgermeister Kurt Gribl die Kommunikationspolitik seines Referenten kritisierte, erfolgte schließlich die Kehrtwende.

"Süchtigentourismus durch die Wohngebiete"

Die Kritik aus den eigenen Reihen geht indes weiter. Vom Ortsverband Oberhausen des Koalitionspartners CSU heißt es in einer Pressemitteilung: "Dirk Wurm versucht, die Probleme der Drogenszene am Helmut-Haller-Platz zu lösen, indem er die Szene in das angrenzende Wohnviertel verlagert."

Kritik kommt freilich auch von den anderen Fraktionen. So schimpft etwa Pro Augsburg: Mit einem Anlaufpunkt, der circa 400 bis 500 Meter vom eigentlichen Szenetreff entfernt liegt, werde "ein täglicher Süchtigentourismus durch die dortigen Wohngebiete veranlasst".
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