Streit um Post-SV-Gelände: Stadtquartier sticht Sportflächen

Der Vorsitzende der Bürgeraktion Pfersee, Dietmar Egger, kritisiert den "Grundstückdeal". (Foto: Hans Blöchl)


Ein neues Stadtquartier mit circa 440 Wohnungen, das Ganze im Grünen und mit "urbaner Anmutung" - das sehen die Pläne für das Stammgelände des Post SV im Stadtteil Kriegshaber vor. Bereits Ende 2014 hat der Sportverein dafür sein Grundstück an einen Investor verkauft: an den Seniorchef der Firma Dehner. Den entsprechenden Änderungs- und Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan "Nördlich der Bürgermeister-Ackermann-Straße, östlich der Grenzstraße" bestätigte der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung.

Für den Seniorchef der Gartencenter-Kette Dehner ist das Projekt ein Heimspiel, denn er ist gebürtiger Augsburger. Das Großprojekt soll "das Post-SV-Areal, die südlich benachbarte Flächen einer ehemaligen Gärtnerei und des Dehner-Gartenfachmarkts sowie einige weitere angrenzende Grundstücke mit einem Gesamtumfang von circa 7,7 Hektar" umfassen, so beschreibt die Beschlussvorlage der Stadtverwaltung.

Im Zuge eines "abgestimmten städtebaulichen Konzepts" geht es für den Investor um drei Punkte: ein Wohnquartier im Norden, ein neues, "repräsentatives" Gebäude für den Gartenmarkt im Süden und eine öffentliche Grünzone im Osten.

Die Investition hängt eng mit dem bestehenden Dehner an der Ackermann-Straße zusammen, der als Ausgangspunkt für die Gesamtplanung gilt. Der neue Laden soll in den Wohnpark integriert sein.

Kritiker vermissen "Blutgrätsche"


Ein vom Investor beauftragtes Planungsbüro hatte bereits im Vorfeld der Stadtratssitzung die Unterlagen zum Vorentwurf des neuen Bebauungsplans erarbeitet - auf Grundlage des abgestimmten städtebaulichen Entwurfs, wie die Stadtverwaltung betont. Den Kritikern reicht das nicht: Die "Bürgeraktion Pfersee" moniert die Umstände der Planungen und den Verlust innerstädtischer Sportflächen. Wortführer Dietmar Egger spricht von einem "Grundstückdeal", in dessen Zuge dem Investor "unzulässige Zusagen" gemacht worden seien. Die "Wunschvorstellung eines einzelnen Investors" könne nicht "als alleinige Basis einer nachhaltigen Stadtentwicklungsplanung herhalten", sagt Egger - und fordert von städtischen Sportpolitikern gar die "Blutgrätsche".

Grundlage des Rundumschlags ist auch der noch ausstehende Sportflächenentwicklungsplan. Von diesem hätte sich Egger eine "unvoreingenomme Analyse" für das Post-SV-Stammgelände erwartet, denn Pfersee und Kriegshaber seien ohnehin unterversorgt, was Vereinssportanlagen angehe.

Eine unsportliche Kritik?


Eher unsportlich findet die Kritik der Sportreferent der Stadt. "Subjektiv" seien die Vorwürfe, sagt Dirk Wurm. Der Sportflächenentwicklungsplan sei nicht dafür da, "einzelne Flächen zu fördern". Vielmehr gehe es bei diesem Instrument, das bis Ende des Jahres erstellt sein soll, um ein Gesamtkonzept für die ganze Stadt. Dass sich der Stadtrat an dieser Stelle für eine Wohnbebauung entschieden habe, halte er "vor dem Hintergrund, dass wir eine schnell wachsende Stadt sind, nicht für verwerflich", betont Wurm. Dass die Flächen dem Investor zum Kauf angeboten wurden, sei ein "ganz normaler Vorgang".

Der Stadtrat sprach sich dann auch nahezu geschlossen für die Pläne aus. Lediglich die Linkspartei stimmte dagegen. Diese hätte sich unter anderem Sportflächen für die Grünzone im Osten gewünscht und eine Vorgabe der Stadt, ein Drittel der Wohnungen als sozialförderfähig auszuweisen.

Die Grüne Stadtratsfraktion meldete sich nach der Sitzung noch per Pressemitteilung zu Wort. Man warne "aufgrund der geschaffenen Tatsachen vor einem Sportangebotsengpass in Kriegshaber, Pfersee Nord und Oberhausen."

Post-SV-Flächen: Verkauf ohne Beschlussfassung


Peter Emil Monz, Ortsvereinsvorsitzender der Pferseer Grünen, beklagt in der Meldung: "Der Verkauf der Flächen lief damals ohne eine Beschlussfassung der zuständigen Ausschüsse und ohne Sportentwicklungsplan." Dies habe den Eindruck erweckt, "dass Teile der Kommunalpolitik dem Post SV im Vorfeld signalisiert haben, einer späteren Nutzungsänderung der verkauften Flächen zuzustimmen". Dem Stadtrat sei nun letztlich nichts anderes übrig geblieben, "als die Überplanung der Flächen an der Grenzstraße zuzulassen, wenn man den Investor nicht vor den Kopf stoßen will", so Monz - vielleicht so etwas ähnliches wie die geforderte "Blutgrätsche".
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