Süchtigen-Treff: Eine Lösung erscheint noch weit entfernt

Im ehemaligen Lokal Paparazzi möchte die Stadt den Süchtigen-Treff für die Szene des Oberhauser Bahnhofs einrichten. Doch der Standort ist höchst umstritten. Foto: Janina Funk
Referent Dirk Wurm gibt sich kompromissbemüht. "Ich kann Ihnen versichern, wir lassen keinen Tag ungenutzt, um nicht einen anderen Standort zu finden", sagt der SPD-Mann am Mittwoch im Ordnungsausschuss. Die Adressaten seiner Ansprache sind in erster Linie die Stadträte der CSU - der stärksten Fraktion im Augsburger Stadtrat und dem Regierungspartner der SPD. Der Bündnispartner hatte zuletzt angekündigt, geschlossen gegen die Dinglerstraße als Standort für den von Wurm geplanten Süchtigen-Treff zu stimmen.

Das Konzept des Ordnungsreferats sieht vor, den Oberhauser Bahnhof, an dem sich die Trinker- und Drogenszene Augsburgs trifft, durch eine betreute Einrichtung zu entlasten. Der geplante Treff soll in der rund 550 Meter entfernten Dinglerstraße entstehen. Bewohner des dortigen Wohnviertels wehren sich, die CSU lehnt den Standort inzwischen offen ab - und Dirk Wurm? Dieser sucht nun händeringend nach einem Kompromiss. "Man kann aber auch nur dann aufeinander zugehen, wenn man einen alternativen Standort hat", sagt der Ordnungsreferent, "aber, Stand heute haben wir ihn noch nicht".

Süchtigen-Treff: Insgesamt 50 Immobilien gesichtet

Warum die Suche nach einer Alternative so schwierig ist, erklärt zu Beginn der Sitzung Janina Hentschel vom Kommunalen Präventionsrat der Stadt. Der Standort sollte nahe dem Oberhauser Bahnhof sein, nicht mehr als 20.000 Euro Mietkosten jährlich betragen, eine Größe von mindestens 100 Quadratmeter haben und im Idealfall eine ehemalige Gastronomie sein, zählt sie einige Faktoren auf. Letzterer sei sinnvoll, da in einem Gasthaus die Voraussetzungen für eine entsprechende Einrichtung am besten seien.

Insgesamt habe man 50 Immobilien gesichtet, 20 seien in die engere Auswahl gekommen. Nach "Berücksichtigung aller Kriterien" und "Abklärung der Bereitschaft zur möglichen Vermietung" bei den jeweiligen Eigentümern blieben lediglich zwei Gebäude übrig: die Dinglerstraße 10 und die Anton-Bruckner-Straße 2. Die zweite Immobilie liegt allerdings direkt gegenüber einer Tagesklinik des Josefinums für Kinder mit psychischen Beeinträchtigungen. Daher fiel auch dieses Haus aus der Auswahl.

Was denn das Problem der anderen 20 Gebäude gewesen sei, fragt Grünen-Stadrätin Verena von Mutius. Ihre Fraktion stehe generell hinter dem Konzept, die Dinglerstraße, mitten in einem Wohngebiet, sei aber durchaus kritisch zu sehen. Wurm antwortet mit "ungeeigneten Räumlichkeiten, beispielsweise im Keller" und zu hohen Mietkosten. Vieles sei "finanziell nicht darstellbar" gewesen, in jenem Rahmen, den der Stadtrat vorgegeben hätte. Die Preise seien zum Teil um das vierfache zu teuer gewesen.

236 000 Euro Gesamtkosten für "Container-Lösung"

Für das Gesamtkonzept habe die Regierung von Schwaben eine 60-prozentige Förderung in Aussicht gestellt, verkündet Wurm etwas später. Damit könne man etwa längere Öffnungszeiten anvisieren, als zunächst geplant.

Und auch für die von einigen Stadträten favorisierte "Container-Lösung", die der Szene direkt am Oberhauser Bahnhof eine Betreuung bieten solle, liefert Wurm erstmals Zahlen: Gesamtkosten von 236.000 Euro würden für einen Container anfallen, schätzt die Verwaltung. Für einen zweijährigen Testlauf in der Dinglerstraße betrage die Miete 50.000 Euro.

"Geht leider Gottes nicht von heute auf morgen"

Wann denn der Bahnhofsvorplatz endlich auch optisch verbessert werde, will Regina Stuber-Schneider von den Freien Wählern wissen. Wurm räumt ein: "Die Bevölkerung wünscht sich eine räumliche Aufwertung", aber das, was die Stadt diesbezüglich baulich tun könne, "geht leider Gottes nicht von heute auf morgen".

Das sei zudem ja auch Sache des Baureferats, mit dem man aber freilich in enger Absprache stehe. "Wir sind dran. Aber noch nicht so weit, wie wir eigentlich sein wollen." Konkrete Vorschläge für eine Aufwertung kündigt Wurm bis Januar 2018 an.

Was den Standort Dinglerstraße angeht, wird es etwas schneller gehen. Am 21. Dezember entscheidet der Stadtrat.
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