"Ultranationale türkische Aufführung" im Reese Theater: Stadt geht auf Distanz

Mit diesem Plakat wird die Aufführung beworben. Foto: David Libossek

Augsburg - Im Reese Theater kommt am Samstag ein Stück zur Aufführung, dass den Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 thematisiert. In einer Pressemitteilung distanziert sich die Stadt Augsburg von diesem Theaterstück. Migrationsreferent Reiner Erben findet deutliche Worte.

Im Theaterstück werden laut Pressemitteilung Minderheiten diskreditiert und als "Volksverräter" gebrandmarkt. Das türkische Militär werde als eine Elitetruppe dargestellt, die gegen Minderheiten und "ausländische Mächte" mit Panzern und Sturmgewehren vorgehe.

Zu dem Theaterstück öffentlich eingeladen hat der ultranationalistische türkische Idealistenverein, der laut bayerischem Verfassungsschutz unter Beobachtung steht. In seinem letzten Bericht von 2015 attestiert der Verfassungsschutz dem Idealistenverein und seiner Dachorganisation ein "extrem nationalistisches Gedankengut, das sich gegen den Gedanken der Völkerverständigung oder das friedliche Zusammenleben der Völker richtet".

Die Überlegenheit der islamisch türkischen Ethnie ziehe sich als roter Faden durch das gesamte Theaterstück und spiegele damit die menschenverachtende Ideologie des ultranationalistischen türkischen Idealistenvereins wider. "Ein solches Schauspiel ist der Friedensstadt Augsburg im höchsten Maße unwürdig und hier nicht erwünscht", positioniert sich Reiner Erben als Referent für Migration.

Die Stadt distanziere sich in vollem Umfang von dieser Aufführung. "Wir sind immer offen für eine kritische Auseinandersetzung und kontroverse Diskussionen, aber Hass, Häme, Gewalt und Nationalismus möchten wir in unserer Friedensstadt keinen Raum geben", bekräftigt Margret Spohn als Leiterin des Büros für Migration, Interkultur und Vielfalt diese Haltung.

Auch das Friedensbüro der Stadt betont: "Augsburg leitet nicht zuletzt aus seiner Geschichte den Auftrag für ein friedliches Miteinander ab. Den Frieden zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Religionen zu verteidigen, ist ein hohes Gut und uns sehr wichtig. Veranstaltungen wie diese haben in der Friedensstadt keinen Platz", so Christiane Lembert-Dobler.
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