Wenn der Freistaat übernimmt: Sanierung des Klinikums wird doppelt so teuer

Die Generalsanierung des Augsburger Klinikums läuft bereits seit einiger Zeit. Die kommenden Bauabschnitte könnten nun deutlich teurer werden als geplant. Foto: Helene Kuhn

Augsburg - Die Sanierung des Augsburger Klinikums wird wohl beinahe doppelt so teuer wie ursprünglich kalkuliert. Zum 1. Januar 2019 geht das Krankenhaus als Universität in die Trägerschaft des Freistaats Bayern über - und der will offenbar deutlich umfassender sanieren, als der Plan von Stadt und Landkreis Augsburg bislang vorgesehen hat.

Gut acht Jahre ist es nun her, dass Horst Seehofer im Goldenen Buch der Stadt Augsburg versprochen hat: "Die Uniklinik kommt." Nach weiteren sieben Jahren voller Hürden und Widerstände folgte schließlich die Zustimmung zum Sanierungskonzept, das der Freistaat und die beiden Träger Stadt und Landkreis Augsburg gemeinsam ausgehandelt hatten.

Demzufolge lagen die ersten vier Bauabschnitte in der Zuständigkeit von Stadt und Landkreis, die sich bei der Umsetzung weitgehend an die vorgesehenen Baukosten halten konnten. Auch für die kommenden Bauabschnitte mussten Stadt und Landkreis bereits damals Kalkulationen vorlegen. Die Kommunen rechneten mit Kosten in Höhe von 280 Millionen Euro für die gesamte Generalsanierung. Nun, da der Übergang in die Trägerschaft des Wissenschaftsministeriums des Freistaats bevorsteht, hat die Oberste Baubehörde neu kalkuliert und rechnet wohl mit beinahe doppelt so hohen Kosten.

Wie es zu dieser gravierenden Abweichung kommt, erklärte Oberbürgermeister Kurt Gribl am Mittwoch auf der Pressekonferenz vor der Stadtratssitzung. Stadt und Landkreis hätten die Kosten für die Sanierung an förderfähigen Möglichkeiten ausgerichtet, der Freistaat dagegen kalkuliere mit einer größeren Sanierungstiefe. "Das kommt dem Haus und den Menschen zugute, man sollte dem Freistaat also keinen Vorwurf machen", so der OB. Die gründlichere Sanierung würde zu längeren Baumaßnahmen führen, sonst solle sich an der Vereinbarung zwischen Freistaat, Stadt und Landkreis aber nichts ändern.

Harald Güller, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Staatshaushalt und Finanzfragen, nimmt die Neuigkeiten deutlich weniger entspannt auf als der Augsburger Oberbürgermeister. Er fordert die Staatsregierung nun auf, dem Landtag umgehend Vorgaben und Kostenpläne für die vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen vorzulegen. Die Uniklinik sei ein wichtiger Motor für die Stadt Augsburg und die Region und zusätzliche Medizin-Studienplätze würden in Bayern dringend benötigt. "Dies ist aber kein Freibrief dafür, unnötige Kosten zu verursachen", kritisiert der SPD-Landtagsabgeordnete.

"Im Bermuda-Dreieck zwischen Wissenschafts-, Finanz- und Innenministerium sind schon öfter Gelder verschwunden. Das können wir nicht mehr hinnehmen. Es muss zu vertretbaren Kosten und mit vernünftigen Vorgaben gebaut werden", fordert Güller Transparenz. Die SPD wolle unter anderem wissen, welche Vorgaben das Wissenschaftsministerium der Obersten Baubehörde gemacht hat und welche Gründe es für die Verdopplung des Kostenrahmens gibt.

In der künftigen Uniklinik sollen bereits zum Wintersemester in zwei Jahren die ersten Medizinstudenten anfangen. Geplant ist, dass in zehn bis 15 Jahren rund 100 Professoren 1500 Studenten ausbilden. Mit Umweltmedizin und medizinischer Informatik soll es in Augsburg zwei Studiengänge geben, die so bislang deutschland- und europaweit noch nicht angeboten werden. (
Von Kristin Deibl)
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