17-jähriger Tierquäler nach Tritt gegen Hund verurteilt

An den ersten zwei Verhandlungstagen kam es zu keinem Urteil, da ein wichtiger Zeuge fehlte. (Foto: Sebnem Ragiboglu-123rf.de)
Augsburg: Amtsgericht |

Im Fall der drei Angeklagten, die im Juni 2015 am Bahnhof in Geltendorf einen Tierschützer beleidigt und angegriffen hatten, kam es nach drei Verhandlungstagen nun im Amtsgericht Augsburg zu einem Urteil.

Was ist passiert?

Die drei Täter, eine 42-jährige Frau, ihr 17-jähriger Sohn sowie dessen 23-jähriger Freund, waren zum Tatzeitpunkt angetrunken am Geltendorfer Bahnhof mit ihrem Hund, einem Schäferhund-Labrador-Mix, unterwegs. Als der Hund nicht auf die Befehle des 17-jährigen Besitzers gehorchte, trat dieser mehrmals auf das Tier ein und beschimpfte es. Der Tierschützer beobachtete die Tat und griff sogleich ein. Einer der drei, laut Zeugenaussage der 17-Jährige, beleidigte diesen daraufhin und es kam zu einer Schlägerei.

Nachdem ein weiterer Mann die Streitenden beruhigt hatte, ging der Tierschützer auf das gegenüberliegende Gleis, um seinen Zug nach Hause zu nehmen. Der 23-Jährige, der sich bis zu dem Zeitpunkt im Hintergrund gehalten hatte, griff plötzlich zu einem Ziegelstein und warf ihn in die Richtung des Weggehenden. Er verfehlte sein Ziel nur knapp und der Stein traf einen stehenden Zug.

Reisende, die das Ganze mit angesehen hatten, riefen die Polizei, die kurze Zeit später eintraf. Auch die Beamten wurden von den Tätern massiv beleidigt, insbesondere eine Polizistin, die auch in der späteren Verhandlung als Zeugin aussagte.

Die Verhandlungstage


An den ersten zwei Verhandlungstagen kam es zu keinem Urteil, da ein wichtiger Zeuge fehlte. Der Mann, der den Streit geschlichtet hatte, war trotz wiederholter Einladung des Gerichts zu keinem Verhandlungstermin erschienen. Als Strafe wurde ihm ein Ordnungsgeld von 500 Euro auferlegt. Schließlich wurden nur zwei Zeugen verhört. Zunächst sagte der Tierschützer aus: „Ich wollte nur dem Hund helfen und wurde sofort mit den Worten ’Geh dahin wo du herkommst’ beleidigt. Der Angeklagte war sehr aggressiv und fing an, mich zu schubsen. Ich selbst habe nie zugeschlagen und habe nur Schläge abgewehrt.“

Die zweite Zeugin war die Polizistin, welche mit stark frauenfeindlichen Ausdrücken beschimpft worden war. Auch sie bestätigte, dass die Täter sehr aggressiv waren. Da der 23-Jährige als geistig beeinträchtig gilt, wurde er separat in einem abgetrennten Verfahren verhört. Ein Urteil ist bislang nicht gefallen. Die zwei anderen Angeklagten mussten sich deshalb am letzten Verhandlungstag allein vor Gericht verantworten.

Das Urteil


Die 42-jährige Mutter wurde trotz der Anklage freigesprochen, da sie laut einer Zeugin, welche die Tat beobachtet hatte, am ganzen Geschehen nicht beteiligt gewesen war. Jedoch sitzt sie derzeit wegen einer anderen Straftat immer noch im Gefängnis eine Strafe ab.

Ihr Sohn, der wie schon an den anderen zwei Verhandlungstagen ohne Rechtsanwalt gekommen war, wurde zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Staatsanwältin las das gesamte Vorstrafenregister des Jungen vor, da er unter anderem wegen Drogenbesitzes und weiterer Delikte bekannt ist. Sie forderte eine Jugendhaftstrafe von zehn Monaten mit der Begründung: „Dies bietet dem Angeklagten eine Chance auf Besserung.“

Trotz der massiven Vorstrafen und den Zeugenaussagen, welche den Angeklagten schwer belasteten, kam die Richterin nach kurzer Bedenkzeit zu dem Entschluss, den 17-Jährigen nur zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten zu verurteilen. Er muss sich nun mit einem Bewährungshelfer auseinandersetzen. Auch zum Verbleib des Hundes gab das Gericht keine Informationen bekannt.
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