Auf digitaler Spurensuche: Augsburger Kripo stellt fünf IT-Kriminalisten ein

Kampf gegen Kriminalität vom Schreibtisch aus: Martin Linder, Leiter des Kommissariats 11 bei der Kripo Augsburg, (links) bekommt Verstärkung für sein Team. Siegfried Depner (rechts) wird gemeinsam mit vier anderen Informatikern die Polizeiarbeit ergänzen. Foto: Martin Linder

Augsburg - Siegfried Depner wird schon bald auf digitale Verbrecherjagd gehen. Der Informatiker ist einer von fünf weiteren IT-Kriminalisten, die künftig die Augsburger Polizei im Kampf gegen Betrüger und Hacker unterstützen sollen. Im Kommissariat 11 der Kripo Augsburg ist man froh um den Zuwachs, denn die Anzahl der Straftaten im Bereich Internet-Kriminalität hat in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen.

Depner hat einen Bachelor in Informatik, doch er habe auch "schon seit dem Abi überlegt, zur Polizei zu gehen", erzählt er. "Es ist ein ziemliches Glück für mich, dass ich die beiden Interessen jetzt kombinieren kann." Am vergangenen Montag hat er mit der einjährigen Ausbildung begonnen, die ihn noch vom Traumberuf IT-Kriminalist trennt. In diesem Jahr sollen die Informatiker im Polizeirecht unterwiesen werden. Danach werden sie Teil des Kommissariats 11.

"Mit dem Kommissariat war die Augsburger Kripo bayernweit Vorreiter", sagt Martin Linder stolz. Er leitet die Abteilung, die seit 2015 die Bereiche Cybercrime und Regionale Beweismittelauswertung (RBA) verbindet. "Es gibt kaum noch Fälle, bei denen das Internet keine Rolle spielt", erklärt er. "Deshalb ist die RBA eigentlich immer beteiligt. Sie wertet Daten von Computern oder Smartphones aus und gibt diese an die zuständigen Abteilungen weiter."

Die künftigen IT-Kriminalisten sollen jedoch zur sogenannten "Cybercrime-Ermittlungsgruppe" gehören. "Sie werden sich vor allem mit Betrugsfällen befassen", erläutert Linder und liefert auch gleich ein Beispiel für eine klassische Masche: "Ein Täter kauft sich Kreditkarten-Daten im Darknet und geht mit dieser Karte online auf Einkaufstour. Er hackt den Zugang eines Amazon-Kontos, bestellt etwas und bezahlt den Einkauf mit den gestohlenen Kartendaten." Dann lasse sich der Gauner die Ware entweder an die zugehörige Adresse des Amazon-Kontos liefern und fange sie dort ab. Oder er beauftrage einen sogenannten Warenagenten. "Das sind oft Kleinkriminelle oder Arbeitslose, die sich etwas dazuverdienen wollen", erklärt der Beamte. "Warenagenten werden angeworben. Sie stellen ihre Adresse zur Verfügung, nehmen das Paket entgegen und schicken es anschließend weiter. Am Ende wird die Ware an irgendeiner Paketstation vom Täter abgeholt."

Die IT-Kriminalisten sollen die Polizei dabei unterstützen, den Weg dieser Betrüger zurückzuverfolgen. Es ist eine mühsame Spurensuche in den Weiten des Internets, die die Polizei bislang vor einige Probleme stellt. "Erfolge haben wir vor allem bei großen Serien, in Einzelfällen ist es sehr schwierig, den Täter zu finden. Denn auch wenn der Geschädigte bei uns Anzeige erstattet, muss der Täter nicht unbedingt in Augsburg sitzen, sondern kann überall auf der Welt sein", schildert Linder.

Den volkswirtschaftlichen Schaden, den diese Betrugsmaschen verursachen, schätzt er "immens hoch" ein. Besonders da nicht nur einzelne Nutzer von Online-Versanddiensten betroffen sind, sondern auch große Unternehmen. Mithilfe von Programmen, die es ebenfalls im Darknet gebe, griffen Täter die Netzwerke von Firmen an. "Die Server machen dicht und die Unternehmen können ihren Service nicht mehr anbieten", führt Linder aus.

Betrüger bieten solche Dienste im Internet zum Kauf an, um Konkurrenten zu schädigen. Oder sie erpressen das geschädigte Unternehmen zu einer Geldzahlung, damit ihr Internetangebot wieder erreichbar wird. Der letzte solche Angriff in Augsburg habe einer Hotelkette gegolten und 100 000 Euro Schaden verursacht, sagt Linder nachdrücklich.

Für Depner sind die raffinierten Betrugsmaschen eine "interessante Thematik". Er hat bereits Erfahrung in der freien Wirtschaft gesammelt und weiß, dass er dort als Informatiker mehr verdienen könnte. Doch neben seiner Begeisterung für die Polizeiarbeit habe ihn vor allem das "attraktive Gesamtpaket" überzeugt, das ihn als IT-Kriminalist erwarte: Verbeamtung, Pension, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit. "Und Geld ist ja nicht alles, Spaß an der Arbeit ist auch entscheidend."

Rund 40 Informatiker haben sich auf die fünf Stellen in Augsburg beworben und die meisten hätten als Hauptgrund die Suche nach einem interessanten Job angegeben, bestätigt Linder. An dem künftigen Verdienst habe keiner von ihnen etwas auszusetzen gehabt. "Nichtsdestotrotz befinden wir uns momentan noch in der Anfangsphase. Um auf Dauer hochqualifizierte Bewerber zu halten, wird das Bayerische Innenministerium noch einmal nachlegen müssen." Das Ministerium hatte 2016 bayernweit insgesamt 200 Stellen für IT-Kriminalisten geschaffen, die nach einem Schlüssel auf die verschiedenen Kriminalpolizei-Dienststellen verteilt werden.

Leiter Linder erhofft sich von den fünf neuen Kollegen eine Bereicherung für das Kommissariat 11. Einen Wissenstransfer. Eine Verstärkung für sein Cybercrime-Team bei der digitalen Jagd nach Betrügern. (
Von Kristin Deibl)
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