Betrugsvorwurf: Ex-Chef der Königstherme ab Dienstag vor dem Amtsgericht Augsburg

Der Ex-Chef der Königstherme steht in der kommenden Woche vor dem Amtsgericht Augsburg. Ihm wird Betrug in 62 Fällen vorgeworfen. Das Foto zeigt die Königstherme noch vor dem Abbruch des Rutschenturms. (Foto: Peter Stöbich)

Der ehemalige Betreiber der inzwischen geschlossenen Königstherme muss ab Dienstag vor dem Amtsgericht Rede und Antwort stehen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem vorsätzliche Pflichtverletzung bei Zahlungsunfähigkeit und Betrug in 62 Fällen vor.

Die Anklage wirft dem Geschäftsführer der Firma, von der die Therme seit 1984 betrieben wurde, konkret vor, erst nach mehr als zwei Jahren nach Zahlungsunfähigkeit den Insolvenzantrag gestellt zu haben. Auch soll er – trotz Zahlungsunfähigkeit – in 62 Fällen Firmen mit der Erbringung von Leistungen für die Gesellschaft oder der Lieferung von Waren beauftragt haben, obwohl dies die finanziellen Verhältnisse gar nicht mehr zugelassen hätten.

Anklage unter anderem wegen "vorsätzlicher Pflichtverletzung"

Hierbei sei ein Schaden im mittleren sechsstelligen Bereich bei den Firmen entstanden. Weiterhin wird ihm vorgeworfen, für 113 Mitarbeiter die Sozialversicherungsbeträge in Höhe von fast 100.000 Euro nicht ordnungsgemäß abgeführt sowie – entgegen der kaufmännischen Verpflichtung – die Jahresabschlüsse für 2013 und 2014 nicht erstellt zu haben. Die Anklage lautet auf vorsätzliche Pflichtverletzung bei Zahlungsunfähigkeit, Betrug in 62 Fällen, Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt in 113 Fällen sowie vorsätzlichen Bankrott in zwei Fällen.

Tatsächlich ist der Insolvenz der Therme ein merkwürdiges Schauspiel vorausgegangen. Die Betreibergesellschaft Königstherme Bau- und Betriebs-GmbH, vertreten durch ihren Geschäftsführer hatte im Juli 2015 dem Königsbrunner Stadtrat ein Angebot unterbreitet, das mit dem heutigen Wissensstand nur als dreist bezeichnet werden muss: Die Stadt sollte die Therme kaufen, als Bedingungen stellte er: Zahlung von jährlichen Betriebskostenzuschüssen in Höhe von einer halben Million Euro, Wegfall der Erbbaupachtzahlungen an die Stadt, Übernahme der vollständigen Sanierungs- und Attraktivierungskosten von mindestens 14 Millionen Euro im Endausbau ohne finanzielle Eigenbeteiligung und 1,75 Millionen Euro Kaufpreis einschließlich Übernahme der Verbindlichkeiten.


Als der Stadtrat dankend das Angebot ablehnte, meldete der jetzt Angeklagte tags drauf Insolvenz an. Ein Jahr später entschloss sich der Stadtrat schließlich doch, die Therme zu kaufen. Die Stadt gründete für den Ankauf eine 100-prozentige Tochterfirma, die „Freizeit- und Sportstättengesellschaft Königsbrunn“ (FSK). Wirklich vorangegangen ist seitdem allerdings nichts.

Die Hauptverhandlung wird fortgesetzt am Dienstag, 26. September. (mh/pm)
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