Betrunkene Polizisten in Zivil gehen auf Asylbewerber los

Zwei Polizeibeamte aus Baden-Württemberg sollen vor einem Jahr in Augsburg einen Asylbewerber aus dem Senegal angegriffen haben. Am Donnerstag standen sie nun vor Gericht. (Foto: phartisan, 123rf.de)
Augsburg: Amtsgericht |

Zwei Polizeibeamte haben sich am Donnerstag wegen Körperverletzung und Beleidigung vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten müssen. Vor circa einem Jahr soll einer der beiden einen Asylbewerber in einem Schnellimbiss grundlos angerempelt, geschlagen und beleidigt haben. Danach verfolgten die beiden Männer in Zivil ihr Opfer und traten nach ihm. So lautet die Anklage. Ein Urteil konnte noch nicht gefällt werden, da der Geschädigte nicht zum Verhandlungstermin erschienen war. 

Dem Mann, der in Hemd, Krawatte und Pullover den Saal betritt, würde man eher nicht zutrauen, dass er einen Asylbewerber mit Sätzen wie „Black man go home!“ beleidigt. Zumal der Angeklagte von Beruf Polizeibeamter ist. Der Familienvater und sein Kollege, der neben ihm auf der Anklagebank sitzt, wirken teilnahmslos, als die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift verliest. Kurz danach klingelt sogar das Handy des Angeklagten, er schaltet es mit einem verlegenen Grinsen und einer gemurmelten Entschuldigung aus.

Angeklagte geben an, sie seien „stark alkoholisiert“ gewesen

Der erste Beamte gibt zu Protokoll, er sei am betreffenden Abend „stark alkoholisiert“ gewesen und könne sich an die Geschehnisse nur „bildhaft“ erinnern. Er kann keine konkreten Angaben zu seiner konsumierten Alkoholmenge oder dem genauen Verlauf des Abends machen, gibt aber zu, mit dem Geschädigten in dem Schnellimbiss in Streit geraten zu sein.

Immer wieder verweist er auf seinen alkoholisierten Zustand und die aus seiner Nachtschicht des vorangegangenen Tages resultierende Müdigkeit. Betroffen sieht er aus, als ihn die Richterin fragt: „Aber ist es normalerweise nicht Ihre Aufgabe, genau solche Vorfälle zu verhindern?“

Er erzählt, er habe sich auch schriftlich bei dem Asylbewerber entschuldigt sowie eine Ausgleichszahlung in Höhe von 250 Euro geleistet.


Am betreffenden Abend sei er mit dem Asylbewerber in ein Wortgefecht verwickelt worden, was genau er gesagt habe, daran habe er allerdings keine Erinnerung mehr. Die Hautfarbe des Geschädigten habe mit den Handlungen nichts zu tun gehabt. Einen Schlag, den er mit einem Tablett gegen den Kopf des Opfers ausgeführt haben soll, streitet er ebenfalls ab. Er habe dieses, als er dem Opfer aus dem Imbiss folgte, „ohne weitere Intention“ mitgeführt.

Zeugen berichten von Schlägen gegen Kopf und Oberschenkel

Von den Geschehnissen im Restaurant hat der zweite Angeklagte laut eigener Aussage nichts mitbekommen, er sei erst nachfolgend von einem Zeugen, einem weiteren Beamten, nach draußen gerufen worden. Dort habe er beruhigend auf seinen Kollegen eingeredet. Laut Zeugen soll der erste Angeklagte kurz vorher erneut Schläge gegen den Geschädigten ausgeführt und ihn an Kopf und Oberschenkel verletzt haben. Hierzu können beide Beamten erneut keine konkreten Angaben machen. Sie gestikulieren jedes Mal heftig und fühlen sich sichtlich unwohl, sobald sie auf die Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft angesprochen werden.


Beamte sollen „Bitch, run faster!“ gerufen haben

Mehrere Taxifahrer sagen aus, die beiden Angeklagten hätten das Opfer anschließend verfolgt, als es flüchten wollte und dabei versucht, es mit Tritten zu Fall zu bringen. Sie sollen dem Geschädigten zudem „Bitch, run faster!“ hinterhergerufen haben.

Während beide Angeklagte zugeben, dem Opfer „kurz“ gefolgt zu sein, streitet der zweite Beamte den Ausruf vehement ab, „ein kurzes ’Hau ab’ ist möglich gewesen“.

Der Geschädigte indes bleibt der Verhandlung unentschuldigt fern. Er bekommt von der Richterin 500 Euro Ordnungsgeld beziehungsweise fünf Tagen Ordnungshaft aufgebrummt. Die Verhandlung wird ausgesetzt bis der Aufenthaltsort des Opfers polizeilich ermittelt ist. Ein neuer Termin wird sich, so die Prognose des Gerichts, voraussichtlich erst im Februar oder März ergeben.
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