Makabre Machenschaften: Anklage gegen fünf Augsburger Friedhofsmitarbeiter

Tatort Friedhof: Fünf Mitarbeiter der Augsburger Friedhofsverwaltung sowie der Geschäftsführer einer Steinmetzfirma müssen sich wegen Betrugs und Unterschlagung vor dem Amtsgericht verantworten. Das Bild zeigt den Hermannfriedhof. Foto: David Libossek

Dass Friedhofsangestellte Gräber räumen und Steine aufstellen, ist nichts Ungewöhnliches. Auch nicht, dass sie die Arbeiten während der Dienstzeit ausführen. Dass sie dabei allerdings in die eigene Tasche wirtschaften oder gebrauchte Grabsteine weiterverkaufen, anstatt sie - wie vorgegeben - zu entsorgen, ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Die hat nun Anklage gegen fünf Mitarbeiter der Augsburger Friedhofsverwaltung sowie einen Steinmetz erhoben.

Die Geschichte erhielt damals gar einen eigenen Titel. Und das obwohl der Schaden der "Friedhofs-Affäre" vergleichsweise gering ist. Ihr Tatort, die makabre Masche sowie das Zustandekommen ihrer Aufdeckung rechtfertigen diese Auszeichnung, die sonst nur den spektakulären Kriminalfällen gebührt. Jene, die von Mord und Totschlag handeln.

Ans Tageslicht gebracht hatte den Fall eine private Wirtschaftsdetektei. Beauftragt von einem anderen Unternehmen aus der Bestattungsbranche, dem auf dem Nordfriedhof Unregelmäßigkeiten aufgefallen waren. Umweltreferent Reiner Erben, zuständig für die Friedhöfe, erstattete zwischenzeitlich Anzeige gegen unbekannt. Auch die Detektei zeigte die Machenschaften nach mehreren Wochen Ermittlungen an. Die Polizei durchsuchte daraufhin Friedhofsverwaltung und Wohnungen.

Nun, fast genau zwei Jahre später, hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Betrug und Unterschlagung lauten die Vorwürfe gegen fünf Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung der Stadt Augsburg im Alter zwischen 28 und 65 Jahren sowie den 42-jährigen Geschäftsführer eines Steinmetzbetriebes. Vier der Friedhofsmitarbeiter wird vorgeworfen, in den Jahren 2014 und 2015 in 13 Fällen Grababräumungen angeboten zu haben. Das klingt zunächst nicht verwerflich, eben so wenig, dass sie diese während der Dienstzeit durchführten. Allerdings taten sie das auf eigene Rechnung. 80 bis 350 Euro verlangten sie dafür.

Dem fünften Angeschuldigten, einem 65-Jährigen, legt die Staatsanwaltschaft zur Last, "trotz Kenntnis des rechtswidrigen Handelns als Dienstvorgesetzter nicht eingeschritten und auch unterstützend tätig gewesen zu sein". So steht es in der Anklageschrift.

Derzufolge soll er sich auch im Fall eines 48-jährigen Mitangeschuldigten derart verhalten haben. Dieser soll in den Jahren 2013 bis 2015 nach Räumungen mit Grabsteinen und Grabumrandungen in acht Fällen auf eigene Rechnung Handel getrieben haben. Mehr als 9000 Euro nahm er dadurch ein. Den Grabrechtsinhabern spiegelte er offenbar vor, die Grabsteine sowie die Umrandungen entsorgt zu haben. "In einem weiteren Fall ist es lediglich beim Versuch geblieben, weil ein Kaufvertrag nicht zustande kam", ergänzt die Staatsanwaltschaft.

Dem Geschäftsführer des Steinmetzbetriebs wird zur Last gelegt, in den Jahren 2012 bis 2015 in 15 Fällen unberechtigt Kosten im Gesamtbetrag von über 4500 Euro für Grabauflösungen, die nicht vom Steinmetzbetrieb, sondern von den angeschuldigten Mitarbeitern der Friedhofsverwaltung ausgeführt wurden, in Rechnung gestellt zu haben.

"Komplex" nennt Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai den Fall. Auch deshalb sei es "sicherlich nicht schnell" gegangen mit den Ermittlungen, kommentiert Nickolai die zwei Jahre lange Zeitspanne zwischen Publikwerden und Anklage. Erschwerend hinzugekommen sei, "dass es sich nicht um eine Haftsache handelt".

Das Strafgesetzbuch sieht für Betrug und Unterschlagung Freiheitsstrafen von einem Monat bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor. "Bei gewerbs- und bandenmäßiger Begehung sowie bei Missbrauch der Befugnisse oder Stellung als Amtsträger, wie es den Angeschuldigten bei den Betrugsdelikten zum Teil vorgeworfen wird, beträgt der Strafrahmen eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren", erläutert Nickolai.

Wann die "Friedhofs-Affäre" fortgeschrieben wird, ist noch unklar. Die Hauptverhandlung am Amtsgericht Augsburg ist noch nicht terminiert. (
Von David Libossek)
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