Nacktfotos, "sonst gibt's Krieg": 34-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt

Ein 34-Jähriger ist zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er 13- und 14-jährige Mädchen dazu zwang, ihm Nacktfotos zu schicken. (Foto: Symbolbild/ 50833034-simpson33-123rf.de)

Augsburg - Sexuell missbraucht und genötigt in nahezu unzähligen Fällen hat ein Augsburger zwei Mädchen, 13 und 14 Jahre alt. Fast eine halbe Stunde brauchte Staatsanwältin Saskia Eberle allein für die Verlesung der Anklageschrift. Gestern bekam er vom Jugendschutzgericht, unter Vorsitz von Bernhard Kugler, die Quittung: Drei Jahre und sechs Monate Haft. Dem Gericht ging es darum, "ein Zeichen zu setzen", wie Kugler in der Urteilsbegründung betonte. Das relativ milde Urteil kam zustande, weil der Angeklagte im zweiten Anlauf ein umfassendes Geständnis ablegte. "Es stimmt alles", sagte er nach einer kurzen Verhandlungspause mit seinem Verteidiger Florian Engert. Zuvor hatte er ein "paar Kleinigkeiten" zu bemängeln.

Über die modernen Medien nahm der 34-Jährige Kontakt zu seinem Opfer auf. Im Chatraum lernte er ein 13-jähriges Mädchen aus dem hohen Norden kennen. "Persönlich habe ich es nie getroffen." Wie die Staatsanwältin betonte, log er dem Mädchen vor, 22 Jahre alt zu sein und baute ein Vertrauensverhältnis auf. "Das nutzte der Angeklagte schamlos aus." Der selbständige Unternehmer im Transport- und Umzugswesen, der in Handschellen aus der U-Haft vorgeführt wurde, forderte erfolgreich Nacktfotos von der 13-Jährigen.

Als das Mädchen nicht mehr so wollte, wie er es sich vorstellte, setzte er es unter Druck. Die 13-Jährige habe die Wahl: entweder Freund oder Feind. Wenn sie keine Nacktfotos mehr schicke, gebe es Krieg.

Oder er stelle die bereits vorhandenen Fotos ins Internet, war eine andere Drohung. Dermaßen eingeschüchtert schickte ihm das Mädchen immer weiter Fotos. Der Austausch erfolgte ausschließlich über WhatsApp. Das Mädchen musste den Standort wechseln, um bessere Lichtverhältnisse zu bekommen. Es musste im Bad posieren oder im Bett. Es musste Fotos von vorne, von oben, von unten und von der Seite, im Liegen und im Hocken machen. Mal mussten die Beine gespreizt und mal gestreckt sein. "Extrem herabwürdigende Fotos", hob Staatsanwältin Eberle hervor.

Mit einem 14-jährigen Mädchen hatte der Angeklagte eine körperliche Beziehung. Er machte Nacktfotos von sich und schickte sie dem Mädchen. Natürlich musste die 14-Jährige Nacktfotos von sich zurückschicken, die sie unter anderem vor einem Spiegel zeigen. "Dann reichten Fotos nicht mehr aus, es mussten Videos sein", erklärte die Staatsanwältin. Der Angeklagte filmte den einvernehmlichen Geschlechtsverkehr und verlangte Videos, wie sich das Mädchen selbst befriedigte. Falls sie nicht spure, würden ihre Fotos im Internet erscheinen. Das ging von Juni 2014 bis April 2016. So lange, bis das Mädchen schließlich Anzeige erstattete und die ganze Sache aufflog. Seit April 2016 sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft.

Bei der Wohnungsdurchsuchung wurden weit über 10 000 kinderpornografische Fotos, Filme und Schriften sichergestellt. Sie zeigen Aufnahmen von drei- bis 17-jährigen Kindern und Jugendlichen. "Sie haben auf die Mädchen Druck ausgeübt, deren psychische Folgen noch gar nicht absehbar sind", meinte die Staatsanwältin. "Bei den Fotos muss man schwer schlucken, es verschlägt einem den Atem", machte sie deutlich. Sie forderte drei Jahre und zehn Monate Haft. Der Angeklagte habe zwar ein Geständnis abgelegt, das sei aber nicht besonders wertvoll. Man könne ihm alle Taten klipp und klar nachweisen.

"Das Internet vergisst nichts", meinte auch Richter Kugler. Daher könne man nur einen "geringen Abschlag" erteilen. Die Strafgewalt des Jugendschutzgerichts liegt bei vier Jahren. Vorsitzender Richter Bernhard Kugler ließ keine Zweifel aufkommen. "Ohne umfassendes Geständnis wäre der Fall vor der Jugendkammer gelandet." Immerhin hat der Angeklagte zehn Eintragungen im Bundeszentralregister, darunter auch eine einschlägige. Beim Gericht gab für das Geständnis ein paar Pluspunkte mehr. "Weil die Mädchen nicht mehr aussagen müssen, haben Sie ihnen ein dramatisches Erlebnis erspart", betonte Kugler.

Verteidiger Florian Engert versuchte noch zu retten, was zu retten ist. Er wies darauf hin, dass sein Mandant seine pädophilen Neigungen erkannt habe und dagegen steuere. "Er sucht Hilfe, es gab schon zwei Beratungsgespräche aus eigenem Antrieb", versuchte er, die Strafe zu mildern. Maximal drei Jahre seien genug.

Nach Ansicht des Gerichts habe der Angeklagte nicht realisiert, was er den Kindern mit seinem Handeln angetan habe. Und: "Sie haben auch nicht überrissen, was die Pornoschriften und Fotos für die Entwicklung der Kinder bedeuten, sie erleiden einen enormen Schaden, der jetzt noch nicht absehbar ist." Eine Bewährungsstrafe kam für das Gericht überhaupt nicht in Betracht.

"Sie müssen unbedingt an Ihrem Problem arbeiten. Sonst kommen Sie aus der Haft und alles geht von vorne los. Sie wollen doch nicht die Hälfte Ihres Lebens im Gefängnis verbringen", gab ihm der Richter mit auf den Weg zurück in die Haftanstalt.
(Von Alfred Haas)
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