"Nein heißt Nein": 21-Jähriger steht wegen sexueller Nötigung einer Jugendlichen vor dem Augsburger Amtsgericht

Ein 21-Jähriger ist wegen sexueller Nötigung einer 15-Jährigen zu einer Woche Dauerarrest verurteilt worden. (Foto: 15092745_©Robert Wilson-123rf.de)

Eine 15-jährige Friedbergerin lernte über ein Fotoportal im Internet einen 20-Jährigen kennen und sah in ihm schnell einen Freund, mit dem sie über ihren Liebeskummer sprechen konnte. Der Mann aber hatte anderes im Sinn: Er überredete das Mädchen zu einem Treffen, bei dem er sie gegen ihren Willen küsste und unsittlich berührte. Nun stand er wegen sexueller Nötigung vor dem Augsburger Amtsgericht.


Als der Angeklagte die Jugendliche im Mai 2016 besuchte, hätten die beiden sich zunächst nur unterhalten, verliest die Staatsanwältin in der Anklageschrift. Dann jedoch habe der heute 21-Jährige das Mädchen umarmt und auf die Wange geküsst. Dass sie ihm mitteilte, das nicht zu wollen, interessierte den jungen Mann nur wenig. Er drückte das Mädchen auf ihr Bett, legte sich auf sie, küsste sie und berührte sie über ihren Klamotten an den Brüsten und im Intimbereich. Obwohl die 15-Jährige weinte und sich wehrte, ließ er nicht von ihr ab. Erst als er seine Hose öffnete, gelang es der 15-Jährigen, ihn von sich zu drücken.

Angeklagter zeigt sich einsichtig

Vor dem Amtsgericht räumt der 21-Jährige die Vorfälle umfänglich ein. Über seinen Verteidiger lässt er mitteilen, dass ihm das Ganze leid tue. Sie hätten im vorausgegangenen Chat „offenbar aneinander vorbeigeredet“. Für Richterin Angela Reuber ist der Chatverlauf jedoch eindeutig: Dort hatte der Angeklagte wiederholt geschrieben, dass er in dem Mädchen seine beste Freundin sehe. „Mit der besten Freundin hat man doch keinen sexuellen Kontakt“, erklärt die Richterin dem 21-Jährigen.

Die zuständige Sachbearbeiterin der Jugendgerichtshilfe schildert ihren durchweg positiven Eindruck des jungen Mannes. Er sei in einem intakten Zuhause aufgewachsen und mache eine Ausbildung zum Fachlageristen. Im Gespräch sei er ob des Vorfalls beschämt gewesen, habe recht unerfahren und kindlich gewirkt. Bis er 18 Jahre alt geworden sei, habe er sich gar nicht für Mädchen, sondern nur für Fußball interessiert. „Er muss noch lernen, Signale richtig zu deuten und Grenzen einzuhalten“, schließt sie und empfiehlt eine gerichtlich angeordnete Gesprächsweisung zum Thema „Beziehung und eigene Sexualität“. Schädliche Neigungen könne sie bei dem Angeklagten nicht erkennen.

Urteil: Eine Woche Dauerarrest, Geldauflage und Gesprächsweisung

Obwohl die Staatsanwältin dem Angeklagten zugute hält, dass er sich geständig gezeigt und damit der Jugendlichen eine Aussage vor Gericht erspart hat und er zuvor nicht straffällig geworden ist, sieht sie in dem Vorfall einen „nicht unerheblichen Übergriff“. Sie fordert zwei Wochen Dauerarrest und eine Geldauflage von 600 Euro. Der Verteidiger hält Freizeitarreste für ausreichend. Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Teuber verurteilt den 21-Jährigen schließlich zu einer Woche Dauerarrest und einer Geldauflage von 300 Euro. Außerdem soll er an einer Gesprächsweisung teilnehmen, bei der er lernen soll, „dass Nein nun mal Nein heißt“. Das Urteil ist rechtskräftig.
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