Stecker zu spät gezogen: Geschäftsführer der Königstherme zu einem Jahr und sechs Monaten verurteilt

Der Geschäftsführer der Königstherme wurde wegen Insolvenzverschleppung zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. (Foto: 50028697_sebra-123rf.de)

Bei einer Gerichtsverhandlung werden die Weichen für das Urteil nicht selten hinter geschlossenen Türen gestellt. So war es auch heute. Vor einem Augsburger Schöffengericht, unter Vorsitz von Thomas Kirschner, musste sich der Betreiber und ehemalige Geschäftsführer der Königstherme in Königsbrunn verantworten. Insolvenzverschleppung und Betrug in 62 Fällen warf ihm Staatsanwalt Benjamin Rüdiger vor. Damit nicht genug. Weil es für die Jahre 2013 und 2014 keine korrekte Jahresabschlussrechnung gibt, kam auch noch vorsätzlicher Betrug in zwei Fällen hinzu. Weil es ein Geständnis gab, ließ das Gericht Milde walten. Richter Thomas Kirschner verurteilte den 57-Jährigen zu einem Jahr und sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung.

Gut vorbereitet und mit seinen Verteidigern Stefan Martinovic und Martin Wagner erschien der Angeklagte vor Gericht. "Ich habe nichts zu verbergen", sagte der gelernte Maschinenbau-Ingenieur und schilderte ausführlich die Höhen und Tiefen der Königstherme, die er 1999 von seinem Vater geerbt hatte. Mit 400 000 Badegästen jährlich sei anfangs alles sehr gut gelaufen. Doch die Konkurrenz sei im Laufe der Jahre immer größer geworden und die Zahl der Badegäste habe sich halbiert. Die Stadt Königsbrunn habe die Therme von Anfang an, das war 1984, jährlich mit 200 000 Euro unterstützt. Als Gegenleistung durften die Königsbrunner zum halben Eintrittspreis die Therme besuchen.

Mit einer jährlichen Belastung von 600 000 Euro hätte sich die Therme 2006 amortisiert. "Dann habe ich eine Entscheidung getroffen, mit der ich mein Schicksal mit der Königstherme unweigerlich verbunden habe. Ich investierte weiter. Das würde ich heute nicht mehr so machen", führte er aus. 2013 tauchten schließlich die ersten finanziellen Schwierigkeiten auf. Der Geschäftsführer konnte die Lieferanten nicht mehr bezahlen. Mit 95 000 Euro steht er bei ihnen immer noch in der Kreide. Auch konnte er die Sozialabgaben für seine 113 Mitarbeiter nicht mehr abführen. 97 000 Euro macht das aus, die er mittlerweile aber auf Heller und Pfennig zurückbezahlt habe, was ihm das Gericht positiv anrechnete.

Warum er nicht früher Insolvenz anmeldete, wollte der Richter wissen. "Ich war mir sicher, dass es mir gelingt, die Therme in eine gute Zukunft zu führen", betonte der 57-Jährige. Seit 2012 habe er Gespräche mit der Stadt Königsbrunn geführt, die ihm stets Unterstützung versprochen habe und selbst Investitionspläne vorstellte. Erschwerend kam hinzu, dass zu diesem Zeitpunkt auch der Bürgermeister abgewählt wurde und es einen neuen Ansprechpartner gab. "Ich wusste, dass das Geld sehr, sehr knapp war. Ich wollte durchhalten, um die Therme zu retten." 2012 habe er noch 287 000 Euro, ein Jahr später 229 000 Euro und 2014 über 960 000 Euro aus privaten Mitteln in die Therme "geschossen". Das Geld stamme von verschiedenen Bankdepots und aus dem Immobilienverkauf seiner Familie. "Insgesamt waren es über 1,5 Millionen Euro." Trotz zahlreicher Gespräche über drei Jahre hinweg sei es nicht gelungen, mit der Stadt eine Vereinbarung zu treffen. Übernahmeverhandlungen seien gescheitert.

Dann forderte Verteidiger Stefan Martinovic ein "Verständigungsgespräch" im stillen Kämmerlein. Thomas Kirschner unterbrach die Verhandlung für eine halbe Stunde. Daraus wurden zwei. Das Ergebnis: Bei einem Geständnis werden 15 der 62 Betrugsfälle wegen Geringfügigkeit eingestellt. Zudem stellte ihm das Gericht eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten bis zu einem Jahr und zehn Monaten in Aussicht. Dieses Angebot konnte der Stuttgarter Geschäftsmann nicht ablehnen. Zugute gehalten wurde ihm ferner, dass er strafrechtlich bisher eine weiße Weste hat. Zur Last legte ihm das Gericht, dass er "den Stecker nicht rechtzeitig" gezogen habe. Wenn er früher Insolvenz angemeldet hätte, wäre der Schaden nicht so hoch gewesen und die Strafe etwas milder. Thomas Kirschner unterstellte dem Angeklagten "keine böse Absicht". Die Taktik der Stadt Königsbrunn bezeichnete der Richter als "äußerst bedauernswert". Seiner Ansicht nach hätte das Problem viel früher geklärt werden können. Das Geständnis bewahrte das Gericht vor einer langwierigen Beweisaufnahme und viel Zeit. Jeder einzelne Fall hätte ansonsten durchgearbeitet werden müssen. Ein Verhandlungstag, der bereits terminiert war, konnte so eingespart werden.

"Wie geht es jetzt weiter", fragte der Richter. "Ich hoffe, dass ich in unserem Planungsbüro weiterarbeiten kann um meinen Lebensunterhalt zu verdienen und meine Schulden abzubauen", war die Antwort. Da wird der 57-Jährige noch lange arbeiten müssen, denn der Schuldenberg gegenüber dem Insolvenzverwalter beträgt stolze 980 000 Euro. (
Von Alfred Haas)
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