Tödliche "Spielchen"? 57-Jähriger steht wegen Vergewaltigung mit Todesfolge vor dem Augsburger Amtsgericht

Der 57-jährige Angeklagte mit seinem Verteidiger Marco Müller vor dem Augsburger Amtsgericht. Foto: Alfred Haas

Wegen Vergewaltigung mit Todesfolge muss sich ein Rentner seit Donnerstag vor der 8. Strafkammer des Landgerichts Augsburg verantworten. Die Vorsitzende Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser ersparte ihm unangenehme Fragen nicht. Immer wieder bohrte sie nach, wollte Details wissen, "damit wir Ihr Verhalten besser nachvollziehen können".

Der 57-Jährige machte auf der Anklagebank einen völlig zerknirschten Eindruck. Seine Antworten kamen nur leise und zaghaft. Immer wieder musste ihn das Gericht auffordern, "sprechen Sie lauter, man kann Sie kaum verstehen". Das zeigte nur kurz Wirkung, der Frührentner verfiel schnell wieder in seinen Trott.

Da konnte ihn auch Staatsanwalt Michael Nißl nicht herausholen, der sehr schwere Vorwürfe erhob. Demnach habe der Angeklagte seine Freundin zu Sexspielen gezwungen, bei denen mehrere Dildos unterschiedlicher Größe zum Einsatz kamen. Mit diesen Gegenständen und einem großen Ring am Finger habe er die Frau im Intim- und Afterbereich so schwer verletzt, dass sie schließlich verblutete und in der Wohnung in der Jakober Vorstadt verstarb.

"Mit Ihrem Handeln haben Sie leichtfertig den Tod verursacht", betonte Nißl. Wenn der Notarzt rechtzeitig informiert worden wäre, hätte die Frau wohl gerettet werden können. Der Frührentner, der gelegentlich einem Minijob nachgeht, räumte die Vorwürfe ein. Allerdings bestritt er, dass er die Frau zum Sex gezwungen habe. "Die Spielchen hat sie nicht gegen ihren Willen mitgemacht". Im Gegenteil, sie habe ihn sogar dazu aufgefordert. Gleich zu Beginn seiner Aussage stellt er jedoch klar: "An die Nacht kann ich mich nur schemenhaft erinnern." Auf Anraten seines Verteidigers Marco Müller versucht er dennoch, alle Fragen zu beantworten.

Kennengelernt habe er die Frau, die aus Kenia stammt, über seinen mittlerweile verstorbenen Bruder. "Wir sind gemeinsam um die Häuser gezogen." Wann und warum sie nach Deutschland kam, wusste er nicht. Im Sommer 2016 sei sie bei ihm eingezogen. Seitdem habe es wöchentlich zwei bis dreimal Sexspiele gegeben. "Wir haben alles mögliche ausprobiert", gibt er auf Nachfragen preis. Wehgetan habe er der 46-Jährigen nie.

Der Alkohol sei in jener verhängnisvollen Februar-Nacht reichlich geflossen. Mehr als eine Flasche Wodka und 1,5 Liter Weißwein hatte er intus. "War Ihre Freundin auch betrunken", wollte die Richterin wissen. "Da sie mit mir mitgehalten hat, gehe ich davon aus", war die Antwort. Dass seine Sexgefährtin im Laufe der Nacht immer schwächer wurde und stark blutete, habe er nicht mitbekommen. Er wisse nur noch, dass er sie auf den Armen in die Toilette getragen habe. Damit erklärte er auch blutige Flecken auf den Oberarmen und Oberschenkeln der 46-Jährigen. "Ich weiß, dass ich schuld an ihrem Tod bin. Ich hätte den Notarzt rufen müssen. Aber ich habe das gar nicht mehr geschnallt", räumte er ein.

Weil der 57-Jährige horrende Mietschulden hatte - die Rede war von mehreren Tausend Euro - sollte die Wohnung am nächsten Tag zwangsgeräumt werden. Als die Gerichtsvollzieherin und die Polizeibeamten gegen 9 Uhr an die Wohnungstüre klopften, bot sich ihnen ein schreckliches Bild. "Die Wohnung war total vermüllt und verwanzt, auf dem Boden lag eine Frauenleiche", schilderten die Zeugen. Neben Unrat und Dreck habe die Polizei auch Tücher gefunden, mit denen das Blut der Frau aufgewischt wurde.

Eine Anwohnerbefragung der Polizei ergab, dass der Angeklagte und seine Freundin bei den Nachbarn nicht gerade beliebt waren. "Sie waren immer betrunken und machten ständig Lärm", sagte ein Kripobeamter aus. Wegen Alkoholsucht und psychiatrischer Probleme steht der 57-Jährige unter Betreuungsaufsicht.

Am 4. Dezember geht der Prozess weiter. Insgesamt hat die Kammer fünf Verhandlungstage angesetzt.
(Von Alfred Haas)
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