Urteil im Fall Förster: Ein letztes Mal Rampenlicht für einen narzisstischen Sexualstraftäter

Ein letztes Mal begrüßt Linus Förster im Gerichtssaal seine Verteidiger. (Foto: David Libossek)
Narzissmus hat ein Gutachter dem Ex-Politiker Linus Förster attestiert.  Wie der Sexualstraftäter sein Urteil aufnahm:

Seine Zeit der öffentlichen Aufmerksamkeit, die er ein Leben lang so dringend gesucht hat, ist vorerst vorbei. Ein letztes Mal blitzen gestern die Kameras, als Linus Förster zur Urteilsverkündung den Sitzungssaal im Augsburger Landgericht betritt. Er ringt sich ein gequältes Lächeln ab, als er seinem Verteidiger die Hand schüttelt. Dabei erwartet den ehemaligen Landtagsabgeordneten aufgrund seines Geständnisses und der Täter-Opfer-Vereinbarung ein mildes Urteil.
Richter Lenart Hoesch spricht Förster des schweren sexuellen Missbrauchs schlafender und wehrloser Frauen, des Besitzes von Kinderpornos, der Körperverletzung und der versuchten Nötigung für schuldig. Drei Jahre und zehn Monate Haft verhängt das Gericht dafür. Erleichterung ist Förster nicht anzusehen. Wohl weil ihm bewusst ist, dass sich sein Leben auch nach der Zeit im Gefängnis nicht wieder normalisieren wird. Der einstige SPD-Politiker, Landtagsabgeordnete, Vorsitzende des Stadtjugendrings, der sich auch aus seiner politischen Karriere die so sehnlich gesuchte Bestätigung seiner Person gezogen hat, hat "seine berufliche Reputation verloren, ist gesellschaftlich erledigt". So formuliert es Richter Hoesch in seiner Urteilsbegründung.

Neben dem Geständnis, dem Täter-Opfer-Ausgleich und seinem angeschlagenen psychischen Zustand habe das Gericht auch das in seinem Urteil berücksichtigt. Hoesch beleuchtet aus Sicht des Gerichts noch einmal jeden einzelnen Fall, in dem Förster Frauen heimlich beim Sex gefilmt, sich an schlafenden Frauen vergangen hat. Der 52-Jährige folgt den Ausführungen. Wie schon während der gesamten Verhandlung in den vergangenen zwei Wochen wirkt er abgeschlagen und müde.

Lediglich einmal macht er einen aufgebrachten Eindruck: Eines seiner Opfer, eine labile junge Frau, mit der Förster in einer psychosomatischen Klinik eine Beziehung angefangen hatte, sagte während des Prozesses aus, sich an zwei weitere Übergriffe Försters zu erinnern, die nicht Teil der Anklageschrift waren. Förster hatte die 31-Jährige, die zu dem Zeitpunkt unter der Wirkung schlaffördernder Antidepressiva stand, im Schlaf missbraucht und die Tat auf Video festgehalten. Das Gericht habe die Aussage der Geschädigten als glaubwürdig empfunden, erläutert Hoesch in der Urteilsbegründung. Förster wendet sich immer wieder abrupt an seinen Verteidiger, während der Richter spricht.

Die weiteren Ausführungen des Gerichts lässt er ruhig über sich ergehen. Auch als Hoesch erklärt, die Kammer glaube nicht, dass Förster die Kinderpornos lediglich in seiner Sammelwut archiviert habe. "Die Bilder wurden strukturiert abgespeichert", wendet sich der Richter an den 52-Jährigen. "Das geht nicht, ohne sich mit dem Inhalt zu beschäftigen. Dass Sie das leugnen, liegt für die Kammer daran, dass Sie von sich nicht das Bild vermitteln wollten, masturbierend vor dem PC zu sitzen."

Für Förster geht es nach dem letzten Verhandlungstermin zurück ins Gefängnis, das ihn bereits in den vergangenen Monaten um Jahre hat altern lassen. Das Gericht hat ihm für die kommende Zeit in Haft eine tiefenpsychologische Einzeltherapie genehmigt. Er soll an seiner narzisstischen Persönlichkeitsstörung arbeiten und sich auf ein Leben ohne das übersteigerte Bedürfnis nach Anerkennung vorbereiten. (
Von Kristin Deibl)
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5 Kommentare
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Hermann Oehmig aus Gersthofen | 29.09.2017 | 18:02  
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Angelika Oetken aus Augsburg - City | 01.10.2017 | 00:26  
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Angelika Oetken aus Augsburg - City | 01.10.2017 | 00:38  
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Angelika Oetken aus Augsburg - City | 01.10.2017 | 00:51  
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Hermann Oehmig aus Gersthofen | 01.10.2017 | 10:48  
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