Ein Heim für Dickhäuter: Zoo Augsburg bangt um Elefanten und Besucher

Afrikanische Elefanten (Bild) gibt es im Augsburger Zoo schon länger nicht mehr, nur zwei asiatische Elefantendamen sind übrig, beide mit 47 und 61 im fortgeschrittenen Alter. Foto: Archiv/Natascha Höck

Augsburg (mh) Das Elefantenhaus im Augsburger Zoo muss dringend erneuert werden. Doch die Finanzierung des acht Millionen Euro teuren Projekts gestaltet sich schwierig. Nun fällt auch die EU als möglicher Unterstützer aus.

Die Elefanten des Augsburger Zoos sind in die Jahre gekommen. 61 und 47 Jahre alt sind die beiden noch verbliebenen Weibchen in Augsburg. Mit den Tieren ist auch deren Gehege gealtert. Das Elefantenhaus erfüllt längst nicht mehr die Anforderungen der Haltungsvorschriften. Konkret heißt das: Sollten die beiden Elefanten sterben, gäbe es keinen Ersatz mehr, denn neue Elefanten darf Augsburg nicht im bestehenden Gehege unterbringen. Daher der Plan, das Elefantenhaus zu renovieren.

Doch der Zoo kann unmöglich allein die acht Millionen Euro für den Umbau aufbringen. "Lediglich rund eine Million kann der Zoo dabei aus eigener Kraft stemmen. Für das Umweltbildungskonzept hofft der Zoo daher auf EU-Fördergelder. Aber selbst mit einer Förderung durch die EU fehlt noch ein großer Teil", schreibt der Zoo in seinem Internet-Auftritt. Doch der Spendenzähler, der bis zur Sechs-Millionen-Marke reicht steht momentan bei traurigen 171 740 Euro. Dazu ist nun auch sicher, dass die EU keine Fördermittel zuschießt. Der Grund: Das Projekt ist insgesamt zu teuer, um überhaupt für die Förderung infrage zu kommen.

Doch die Zooleitung hat schon einen neuen Plan entwickelt. Direktorin Barbara Jantschke will die Kosten zunächst auf sechs Millionen Euro senken. 500 000 Euro soll der Zoo übernehmen, 1,5 Millionen Euro erhofft sie sich aus Spenden und der Rest soll über einen Kredit finanziert werden. Ohne neue Elefantenanlage sei der Zoo in seiner Existenz gefährdet, ist Jantschke überzeugt. Der Zoo brauche die Großtiere, um für das Publikum attraktiv zu bleiben.

Rückendeckung erhält sie von der SPD-Stadtratsfraktion. Diese bedauert, dass die ursprünglich geplante Finanzierung über EU-Fördermittel nicht umsetzbar sei. Nun ist nach Ansicht der SPD-Stadtratsfraktion die Politik am Zug, sich dem Thema zu stellen. "Die SPD-Fraktion wird das Elefantenhaus für die nächste Sitzung des Koalitionsausschusses anmelden und beantragt des Weiteren, dass kommende Woche im Ferienausschuss des Augsburger Stadtrates zur aktuellen Situation berichtet wird. Wir müssen an einem runden Tisch das weitere Vorgehen besprechen", erklärt SPD-Fraktionsvorsitzende Margarete Heinrich. Ohne die Dickhäuter werde der Zoo deutlich an Attraktivität verlieren, glaubt auch Heinrich.

Aus ihrer Sicht haben die Verantwortlichen im Augsburger Zoo sowie der Freundeskreis des Zoo in der Vergangenheit hervorragende Arbeit geleistet, obwohl bisher kaum eine städtische Bezuschussung für Investitionen stattfand.

Willi Leichtle, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, erinnert daran, dass der bayerische Minister für Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, Markus Söder, erklärt hat, Augsburg zur dritten Metropole in Bayern zu machen. "Zu einer Metropole gehört auch ein gut funktionierender Zoo", so Leichtle.

Mittlerweile wartet auch die Stadtregierung mit einem eigenen Finanzierungsvorschlag auf. Vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrates ist laut des zuständigen Referenten Reiner Erben folgende Finanzierung für den Neubau des Elefantenhauses geplant: Demnach soll der Zoo 0,5 Millionen Euro Eigenmittel aufbringen und 1,5 Millionen Euro sollen durch Spenden und Sponsoring, etwa auch über den Freundeskreis des Augsburger Zoos, fließen. Für zwei Millionen Euro könnte vom Zoo zu aktuell günstigen Konditionen bei Zins und Tilgung ein Darlehen aufgenommen werden. Seitens der Stadt müsste ein Sonderzuschuss oder eine Finanzierungshilfe für die restlichen zwei Millionen Euro zugesteuert werden, und zwar zusätzlich zu den ohnehin von der Stadt geleisteten Zuwendungen von eine Million Euro pro Jahr. Dieser Vorschlag ist nahezu deckungsgleich mit dem Vorschlag, den der Zoo selbst eingebracht hat.
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