Ein Zuhause für 64 Menschen: Caritas baut Wohnungen für Flüchtlinge in Augsburg

Es war ein langer Weg, bis sich alle mit diesem Bauprojekt anfreunden konnten: Der Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Augsburg errichtet im Stadtteil Göggingen vier Häuser für Flüchtlinge. Nun wurde Richtfest gefeiert. Im März 2017 sollen die Gebäude bereits bezugsfertig sein.

In den Häusern an der Friedrich-Ebert-Straße 10 1/2 in Augsburg-Göggingen finden je 16 Personen Platz. Anfänglich sollen Flüchtlingsfamilien dort eine Unterkunft erhalten. Nach zehn Jahren werden Augsburger Familien mit einem niedrigen Einkommen einziehen können. Baubeginn war erst im Juli 2016. Archäologische Probleme kamen hinzu, Kampfmittel mussten beseitigt werden und die Häuser mussten wegen der Bodenbeschaffenheit auf Säulen im Boden verankert werden. Dennoch konnten schon jetzt die Caritas als Bauherr, Architekten, Ingenieure und Handwerker das Richtfest feiern - und dass, obwohl das Projekt anfangs sehr umstritten war.

Direkt neben dem Grundstück stehen ein Kindergarten, eine Einrichtung der St. Gregor-Jugendhilfe sowie die Friedrich-Ebert Mittel- und Grundschule. Viele Eltern waren über den Plan nicht gerade erfreut. Der Geschäftsführer der Caritas Walter Semsch setzte auf seine 30 Jahre Erfahrung in der Asylbetreuung und eine offene, konsequente und beherzte Kommunikation. Am Ende konnten so viele Ängste genommen werden. So werden die vier Häuser nicht nur eine Unterkunft für mehr als 60 Flüchtlinge bieten. Die Caritas wird dort mit dem Flüchtlingshelfer Jürg Brecherler und der Sozialpädagogin Corinna Hampf vertreten sein. Letztere will sich vor allem um die Koordination der Ehrenamtlichenarbeit kümmern. Schon jetzt gibt es für die dezentralen Unterkünfte einen Helferkreis in Göggingen. Zusätzlich wird der katholische Pfarrer Heinrich Weiß an einem Tag in der Woche dort sein und für religiöse und seelsorgliche Fragen als Ansprechpartner bereitstehen. Diese vier Häuser sind deshalb für den Caritas-Geschäftsführer mehr als nur eine Unterkunft. "Wir zeigen damit der Gesellschaft, dass wir bereit sind, auch in der Flüchtlingsfrage Verantwortung zu übernehmen."

Nikolaus Wurzer, der katholische Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Göggingen-Inningen, zu der auch die Kuratie St. Johannes Baptist in der Friedrich-Ebert-Straße gehört, ist jedenfalls glücklich. "Die Pfarrei hatte dieses Grundstück vor Jahren für einen sozialen Zweck erworben, um ihrem Caritas-Auftrag gerecht werden zu können. Und jetzt entwickelt sich alles so gut, dass ich wirklich rundum froh bin."

Insgesamt 2,5 Millionen Euro kosten die vier Häuser, die in Massivbauweise errichtet werden. Auf ausdrücklichen Wunsch des Caritasverbandes wurde Wert auf regionale Qualität gelegt, erklärte der Architekt Stefan Schraml. Firmen und Handwerker aus der Region wurden deshalb für die Bauarbeiten berücksichtigt.

850 000 Euro von den Gesamtkosten übernimmt die Diözese Augsburg. Den Rest finanziert der Caritasverband aus eigenen Mitteln und den Mieteinnahmen. "Die brauchen wir, um die Refinanzierung sicherstellen zu können", so Semsch. Deshalb auch die enge Zeitvorgabe, bis Ende Februar 2017 alles fertigzustellen. Semsch, der fast jeden Tag am Bau war und die Fortschritte verfolgte, zeigte sich bei der Richtfestfeier zuversichtlich, dass der Termin eingehalten werden könne.
Von Bernhard Gattner / pca
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