"Fuggerpreis für die Wissenschaft" 2015 geht an den Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Björn Häckel

Augsburg: Universität Augsburg | Seine Habilitation im Fach Betriebswirtschaftslehre mit Forschungsarbeiten an der Schnittstelle von Finanz- und Informationsmanagement sowie seine in diesem Zuge entstandenen Publikationen in international renommierten Zeitschriften und Tagungsbänden bringen dem Wirtschafswissenschaftler Prof. Dr. Björn Häckel den mit 10.000 Euro dotierten "Fuggerpreis für die Wissenschaft", der in diesem Jahr zum vierten Mal vergeben wird. Mit seinen Arbeiten im Bereich der ertrags-/risikointegrierten Steuerung von Informationstechnologie leistet Häckel einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Stabilität und Nachhaltigkeit hochkomplexer und zunehmend digitaler Wertschöpfungsnetze. Zur Preisverleihung laden das Fürstlich und Gräflich Fuggersche Familienseniorat und die Universität Augsburg die Vertreterinnen und Vertreter der Medien für den 20. November 2015 in das Kernkompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement ein. Der Preisverleihung voraus geht um 15.00 Uhr ein Pressegespräch.

Nach Auffassung der fünfköpfigen Jury entsprechen Björn Häckels bisherige wissenschaftliche Leistungen hinsichtlich ihres Erkenntnisgewinns, ihrer Qualität sowie ihres Beitrags zur Stabilität und Nachhaltigkeit globaler Wertschöpfungsnetze hervorragend den Zielsetzungen und Ansprüchen des "Fuggerpreises für die Wissenschaft", der 2009 errichtet und 2010 erstmals verliehen wurde.

Fuggerpreis in Fuggertradition


Der Preis soll alle zwei Jahre an eine Nachwuchswissenschaftlerin bzw. an einen Nachwuchswissenschaftler der Universität Augsburg gehen, die oder der sich in herausragenden Forschungsarbeiten auch mit Nachhaltigkeit und der sozialen Komponente in der Wirtschaft auseinandersetzt. Sein so ausgerichtetes wissenschaftsförderndes Engagement sieht das Haus Fugger in der Tradition der von Anton Fugger in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts begründeten Studienstiftungen, deren Ziel bis in die Napoleonische Zeit hinein es war, die junge Intelligenz aus den Fuggerschen Herrschaftsgebieten zu fördern und ihr Studien an damals führenden Universitäten wie Ingolstadt, Dillingen oder Löwen zu ermöglichen. In dieser Traditionslinie gesehen werden kann auch jene Initiativsitzung zur Gründung der Universität Augsburg, zu der Joseph Ernst Fürst Fugger von Glött im Frühjahr 1966 in die Leonhardskapelle der Fuggerei einlud.

Wissenschaftliche Konsequenzen aus historischer und aktueller Krisenerfahrung


Seine fachliche Ausrichtung stellt dieser Wissenschaftspreis über die eingeforderte Komponente gesellschaftlicher Verantwortung hinaus in einen ganz konkreten, seit der jüngsten Finanzkrise gewissermaßen tagesaktuellen Zusammenhang mit der Fugger-Geschichte: "Historische Erfahrungen der alten Fuggerschen und anderer Augsburger sowie Oberdeutscher Firmen", so heißt es im Gründungspapier des Preises, würden zeigen, "wie nicht nur Unternehmen, sondern ganze Staaten ausfallen können, ein Szenario, welches seit 2008 wieder in den öffentlichen Fokus gerückt ist. Historische Handelsstrukturen mit teils monopolistischen, teils oligopolistischen Märkten im Hinblick auf ihre Bedeutung in einer globalisierten Welt zur Bewältigung von künftigen Krisen zu untersuchen und daraus lernen zu können, erscheint trotz der zweifelsohne gegebenen Unterschiede in den Rahmenbedingungen sehr vielversprechend."

Nachhaltiges Wirtschaften durch verantwortungsbewusste Investitionssteuerung zwischen Ertragsorientierung und Risikoabwägung


Historisch betrachtet ist die Finanzmarktkrise 2008 weder neu noch einzigartig. Schon im 16. Jahrhundert mussten die Fugger mit einem Staatsbankrott in Frankreich und gleich drei in Spanien fertig werden. All diesen Krisen war gemeinsam, dass sie aus nicht nachhaltigem Ausgabeverhalten oder dem Streben nach kurzfristiger Renditemaximierung bei gleichzeitig nicht verantwortungsbewusstem Umgang mit den damit einhergehenden Risiken resultierten. Soweit die Wissenschaft gefordert ist, verlangen historische und jüngste Krisen deshalb zuallererst nach der Entwicklung neuer, wissenschaftlich fundierter Methoden, die Unternehmen zu einer verantwortungsbewussten und nachhaltigen Investitionssteuerung zwischen Ertragsorientierung und realistischer Risikokalkulation befähigen.

In der vernetzten Gegenwart und einer - insbesondere im Zuge der immer stärker voranschreitenden Digitalisierung - noch vernetzteren Zukunft reicht hier domänenspezifisches Wissen allein nicht mehr aus, um überzeugende Konzepte und Lösungen zu generieren: Gefordert ist vielmehr interdisziplinäres Wissen - vor allem in den Bereichen des Finanz- und Informationsmanagements und der Wirtschaftsinformatik. Denn die Komplexität der globalen Wertschöpfungsnetze und die aus dieser Komplexität resultierenden Herausforderungen können - unternehmensintern wie unternehmensübergreifend - nur mehr durch entsprechend komplexe und innovative Konzepte im Bereich des Finanz- und Informationsmanagements beherrscht werden. Nur wenn die Unternehmen sich sowohl des Risikos und der Abhängigkeiten aller relevanten Investitionen, als auch der Grenzen der Anwendbarkeit ihrer Modelle bewusst sind bzw. werden, kann ein zu der jüngsten Finanzkrise vergleichbarer Einbruch in Zukunft vielleicht vermieden oder in seinen Ausmaßen zumindest kalkulierbar gemacht werden.

Das Kernkompetenzzentrum Finanz- & Informationsmanagement, das gemeinsam mit den Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Stiftungen den "Fuggerpreis für die Wissenschaft" verleiht, beschäftigt sich sowohl in der Lehre als auch in Forschungs- und Praxisprojekten mit den interdisziplinären Herausforderungen einer auf nachhaltige Wertgenerierung ausgerichteten Unternehmensführung, insbesondere in den Bereichen Finanz- und Informationsmanagement.

Zum Preisträger 2015


Prof. Dr. Björn Häckel studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg. Im Anschluss daran war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kernkompetenzzentrum Finanz- & Informationsmanagement (FIM) tätig, wo er im Juni 2010 mit summa cum laude promoviert wurde. Im Juni 2015 schloss er erfolgreich seine Habilitation im Fach Betriebswirtschaftslehre mit Forschungsarbeiten im Bereich der ertrags-/risikointegrierten Steuerung von Informationstechnologie ab. Derzeit vertritt er die Professuren für Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen jeweils mit Schwerpunkt Finance, Operations und Information Management an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg. Zugleich ist er stellvertretender wissenschaftlicher Leiter des Kernkompetenzzentrums FIM und wirkt beim Aufbau der Fraunhofer-Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT mit.

Im Rahmen seiner Forschungsaktivitäten beschäftigt sich Häckel insbesondere mit der Entwicklung von IT‐gestützten Methoden und Werkzeugen, die Unternehmen dabei helfen sollen, kritische Abhängigkeitsstrukturen und Bedrohungsszenarien in komplexen, digitalisierten Wertschöpfungsnetzen sowie in kritischen Infrastrukturen transparent und damit frühzeitig erkennbar zu machen. Seine Forschungsarbeiten tragen somit entscheidend dazu bei, die Widerstandsfähigkeit und Stabilität globaler Wertschöpfungsnetze und kritischer Infrastrukturen gegenüber systemischen Risiken zu erhöhen und dadurch die Grundlagen für ein nachhaltiges, global vernetztes Wirtschaften zu schaffen. Häckel ist es dabei auch ein großes Anliegen, den Brückenschlag zwischen innovativer, qualitativ hochwertiger Grundlagenforschung und angewandter Forschung im Rahmen von Praxisprojekten zu bewerkstelligen. Durch den Transfer aktueller Forschungsergebnisse aus dem Bereich des Finanz- und Informationsmanagements in praktisch anwendbare Konzepte leistet er einen wichtigen Beitrag zur Lösung aktueller unternehmerischer Probleme. Aufgrund seiner interdisziplinären Forschungsausrichtung und seiner zahlreichen Aktivitäten zur Verbesserung des Wissenstransfers zwischen Forschung und Praxis erfüllt Herr Häckel nach Auffassung der Jury die Kriterien des Preises in herausragender Art und Weise.

Die bisherigen Preisträger


Das denkbar breite Spektrum von Fragestellungen aus den Bereichen der Wirtschaftswissenschaften, der Wirtschaftsinformatik, des Wirtschaftsingenieurwesen und der Wirtschaftsgeschichte, das sich Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern der Universität Augsburg bietet, die mit außergewöhnlichen Forschungsleistungen in den Wettbewerb um den Fuggerpreis eintreten, zeigt sich in der Breite der Qualifikationen der Preisträger der vergangenen Jahre: In seiner kumulativen Doktorarbeit und in darüber hinausgehenden wissenschaftlichen Arbeiten, für die er 2010 als erster mit dem "Fuggerpreis für die Wissenschaft" ausgezeichnet wurde, lieferte der Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Maximilian Röglinger "Beiträge zur Anforderungsanalyse im Rahmen der Entwicklung betrieblicher Anwendungssysteme aus Sicht der Wirtschaftsinformatik". 2012 wurde Dr. Maximilian Kalus für seine Studie "Pfeffer – Kupfer – Nachrichten. Kaufmannsnetzwerke und Handelsstrukturen im europäisch-asiatischen Handel am Ende des 16. Jahrhunderts" ausgezeichnet. 2013 erhielt der Materialwissenschaftler Dr. Stephan Krohns den "Fuggerpreis für die Wissenschaft" für seine Promotion "Grenzflächenpolarisationen in Übergangsmetalloxiden: Von der Grundlagenforschung zur Anwendung".

Von pm
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