Göggingen: Mein Freund der Baum - ist tot

Zwei regelrechte Gögginger Wahrzeichen mussten aufgrund einer „versehentlichen“ Beschädigung weichen. (Foto: privat)

Seit nunmehr 100 Jahren standen an der Kreuzung Bürgermeister-Aurnhammer-Straße und Bahnstraße zwei gewaltige Kastanienbäume. Die Gögginger erfreuten sich seither immer zu Beginn des Sommers an ihrem farbenfrohen Erblühen. Damit ist es seit vorvergangenem Freitag vorbei. "Was für eine Ironie, dass ausgerechnet ein Freitag der 13. ein echter Unglückstag für dieses Gögginger Wahrzeichen sein musste", sagt der Gögginger Juso-Vorsitzende Elias Puhle.

Als um 8 Uhr morgens die Arbeiten an den Bäumen begannen, dachte man auch bei den Gögginger Jusos zunächst nicht im Traum daran, dass die Bäume am Ende des Tages ganz weichen müssen. Was zuerst nach einem harmlosen Zuschnitt der Äste aussah, entpuppte sich schon bald als totaler Kahlschlag. Die Jusos informierten sofort SPD-Stadtrat Florian Freund, der umgehend beim Grünamt nachfragte. "Leider ohne Erfolg", erklärt Puhle. "Es war niemand mehr zu erreichen".

Erste Anwohner hatten sich schnell eine Meinung gebildet und zeigen mit einem eigens angefertigten Transparent ihre Meinung zu den Baumfällungen. Auch auf Facebook wurde der Kahlschlag rege diskutiert. Von der ausführenden Firma habe man "erfahren, dass beide Bäume wohl stark vorbeschädigt gewesen seien und der Abriss des alten Gebäudes 'Auf dem Kreuz' wie auch der Neubau ihnen den Rest gegeben haben", erklärt Puhle. "Nun stellt sich uns natürlich die Frage, wo der Schutz dieser Bäume während der Bauarbeiten blieb." Immerhin: Nach Auskunft der Baufirma werden Ersatzpflanzungen von "nicht gerade kleinen Bäumen" vorgenommen.

Regelrecht entsetzt zeigt sich FW-Stadträtin Regina Stuber-Schneider: "Eigentlich müsste Augsburg seine Medaille, 'Grüne Stadt' zurückgeben. Sie gilt nicht mehr. Göggingen ist kein Einzelfall. Seit Jahren wird der Baumbestand in Augsburg radikal vermindert und was bleibt, wird nicht gepflegt."

Auch Umweltreferent Reiner Erben ist "not amused" - "leider muss man an diesem Fall wieder mal feststellen, dass Baufirmen den Baumschutz immer wieder nicht beachten. Wir werden die Schulungsangebote zum Baumschutz bei Baumaßnahmen weiter verstärken müssen." Das nutzt den Bäumen in Göggingen leider nichts mehr. Rückblickend stellt Erben aber fest, dass das Bauvorhaben Bürgermeister-Auernhammer-Straße 37 bis 37 a mit dem Abriss des Bestandsgebäudes Anfang 2014 eingeleitet und die Maßnahmen darauf abgestimmt wurden, die Bäume zu erhalten und in die nachfolgende Außengestaltung des Neubaus zu integrieren. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens wurde vonseiten der Unteren Naturschutzbehörde sowohl eine artenschutzrechtliche Prüfung als auch ein Baustelleneinrichtungsplan mit den notwendigen Baumschutzmaßnahmen eingefordert. Eine Leitungsverlegung der Stadtwerke Augsburg und die Errichtung eines Sickerschachtes, was mit einer extremen Wurzelabgrabung verbunden war, erforderte eine erneute Prüfung des Baumerhalts. Die beiden Baumaßnahmen waren nicht vereinbar mit den Schutzvorschriften - und waren auch nicht mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Ein Gutachten zur Standsicherheit der stark beschädigten Bäume (zwei Kastanien und ein Spitzahorn) erbrachte das Ergebnis, dass ein Baumerhalt in der bestehenden Ausprägung nicht mehr möglich sei. Alle Bäume könnten nur als Torso mit stark verkürzter Lebenserwartung verkehrssicher erhalten werden, ohne ihre optische Funktion zu erfüllen.

Aufgrund dieser geänderten Situation war die Behörde gehalten, die zur Diskussion stehenden Bäume für eine Fällung frei zu geben und den Freiflächengestaltungsplan zu modifizieren. Als Ersatz für die drei gefällten Bäume wurde eine Ersatzpflanzung von insgesamt acht Bäumen (vier rotblühende Kastanien, drei Säulenhainbuchen und eine Zierkirsche) festgesetzt. Die vorgezogene Baumfällung sollte dazu dienen, einerseits das mit der fehlenden Standsicherheit der geschädigten Bäume verbundene Sicherheitsrisiko zu eliminieren und andererseits eine umgehende Ersatzpflanzung ermöglichen zu können."Es ist auch klar, dass die Ersatzpflanzung zwar in den künftigen Jahrzehnten wieder ein adäquates Erscheinungsbild entwickelt, aber in der näheren Zukunft das verloren gegangene Erscheinungsbild der Altbäume nicht ersetzen kann", so der Umweltreferent. "Wir sind auch der Meinung, dass der Erhalt der Bäume möglich gewesen wäre und die ursächlich für die Baumentfernung verantwortliche Schädigung im Wurzelbereich nicht hätte erfolgen dürfen, wenn die vorgeschriebenen Maßnahmen zum Baumschutz eingehalten worden wären." Insofern sei es unerlässlich die Schadensverursacher zur Rechenschaft zu ziehen", verspricht Erben.
(Von Christine Hornischer )
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