Gögginger Kurhaus: Sanierung in letzter Sekunde

Aus einer Ruine neu entstanden: Vor 20 Jahren wurde die Sanierung des Gögginger Kurhauses abgeschlossen. Das Bild zeigt den Zustand nach dem Brand 1972. (Foto: Landesamt für Denkmalpflege)

Geadelt als Kulturdenkmal europäischen Ranges, ist das Gögginger Kurhaus – dessen Wiederaufbau vor 20 Jahren im Sommer 1996 abgeschlossen wurde – heute ein Highlight für ganz Schwaben. Beinahe wäre aber alles ganz anders gekommen: Der Abbruchantrag für die damals arg heruntergekommene Baulichkeit war nämlich schon gestellt und zu dem ging das Gebäude – verursacht durch unbekannte Zündler – am 30. Oktober 1972 in Flammen auf. Und ein Augsburger Bauunternehmer wollte dort eine noble Wohnanlage konzipieren.

Dies wohl unter der feinen Adresse „Im Kurhauspark“. Große Widerstände gab es dagegen nicht. Der Gögginger Stadtrat winkte schon vorher ab. Die schlappe Gemeindekasse – meinte man – mache bei einem Kauf nicht mit. So hing die Zukunft des 1886 für Hofrat Friedrich von Hessing – der die technische Orthopädie in Deutschland revolutionierte – errichteten Palmenhauses am berühmten seidenen Faden. Doch der verheerende Brand hatte eine gute Seite: Die ursprüngliche Architektur wurde freigelegt.
So kam die wohl ansonsten nirgends mehr vorhandene Glas-Eisen-Konstruktion des ausgehenden 19. Jahrhunderts unverhofft zum Vorschein. Diese war durch vielerlei Einbauten – zuletzt für Zwecke eines Kinobetriebes – völlig in Vergessenheit geraten. Und die Fachwelt reagierte prompt. Die Baulichkeit wurde – trotz ihres jämmerlichen Zustandes – seitens des Nationalkomitees des internationalen Rates für Denkmäler zu einem Bauwerk europäischen Ranges erhoben. Und die Stadt Augsburg – seit Mitte 1972 durch die Gebietsreform Rechtsnachfolgerin Göggingens – erwarb unter dem Druck der Fachleute 1974 das gesamte Areal.
Das ehrwürdige Gemäuer dümpelte dann bis 1980 vor sich hin, ehe mit Hilfe des Landesamts für Denkmalpflege eine schützende „Verpackung“ erfolgte, die 1988 – als endlich die Sanierung begann – wieder abgenommen wurde. Der Wiederaufbau sowie die Nutzungsproblematik waren nur in einem Gemeinschaftswerk zu bewältigen. Deshalb holte die Stadt Augsburg 1988 den Bezirk Schwaben mit ins Sanierungsboot.
Und auch der Freistaat machte aus Mitteln des Denkmalschutzes viele Scheinchen locker. Man einigte sich auf ein bewegliches Nutzungskonzept mit einer Präferenz für Theateraufführungen. Andere Überlegungen – im Gespräch waren unter anderem eine Spielbank, ein Luxusbad oder eine universitäre Einrichtung – kamen nicht zum Tragen. Am 2. Februar 1996 erfolgte dann – wenngleich die Baugerüste noch nicht verschwunden waren – die offizielle Wiedereröffnung. Endgültig war alles im Sommer jenes Jahres unter Dach und Fach. Dem Herrn Hofrat Hessing hätte dies alles bestimmt gefallen.

Von Dr. Heinz Münzenrieder
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