Gold für Insulin-App: Augsburger Schülerinnen erfolgreich bei "Jugend forscht"

Anja-Sophia (links) und Sara-Luisa Reh haben sich in ihrem Projekt mit Diabetes auseinandergesetzt. Foto: Elisabeth Mezler


Ausnahmezustand im Maria Stern Gymnasium: Schülerinnen verschiedener Jahrgangsstufen, Lehrer und Presse wuseln aufgeregt in der Aula der Mädchenschule durcheinander, der Schulchor gibt ein Ständchen zum Besten. Anlass für die Aufregung sind Anja-Sophia Reh und Sara-Luisa Reh. Die Schwestern sind im bundesweiten Wettbewerb "Jugend forscht" auf eine, wie Schuldirektorin Sabine Nolte-Hartmann in ihrer Rede mehrfach betont, "bahnbrechende" Entdeckung gestoßen.

Den Anfang ihrer Forschungen bildete Anja-Sophias Zuckerkrankheit. Seit ihrem dritten Lebensjahr leidet die Gymnasiastin unter Diabetes Typ 1, einer Form von Diabetes, die vor allem im jungen Alter auftritt. Bei der Zuckerkrankheit bekämpfen körpereigene Immunzellen die Beta-Zellen, die den Botenstoff Insulin produzieren. Insulin bewirkt, dass der Zucker im Blut in die Zellen verschiedener Organe gelangt und diese mit Glukose versorgt werden. Aufgrund des Insulinmangels müssen Diabetiker sich mehrmals am Tag das Stoffwechselhormon spritzen, da ihr Körper zu viel der Botenstoffe abbaut.

Mit Eintritt der Menstruation stellte Anja-Sophia extreme Schwankungen ihrer Blutzuckerwerte fest. Diese sind in langfristiger Hinsicht stark gesundheitsschädlich. Als die beiden Schwestern die monatlichen Blutungen als Ursache der Blutzuckerschwankungen in Verdacht hatten, merkten sie nach einigen Recherchen, dass die Zuckerkrankheit in Verbindung mit der Menstruation bislang unzureichend erforscht wurde.

Die Gymnasiastinnen beschlossen daraufhin, sich mit der Thematik näher zu befassen und dokumentierten im Zeitraum von sechs Monaten die Blutzuckerwerte von Anja-Sophia und einer weiteren Diabetikerin. Aus den Ergebnissen ihrer Messungen bewahrheiteten sich ihre Vermutungen: Im Zeitraum des Eisprungs konnten deutlich höhere Schwankungen festgestellt werden als in der Follikelbildung - sowohl bei Anja-Sophia, als auch bei der zweiten Probandin. Durch intensive Recherchen erstellte Sara-Luisa schließlich eine Formel zur Berechnung der idealen Insulindosis unter Berücksichtigung des Menstruationszyklus.

Das Publikum staunt nicht schlecht, als die 16-Jährige auf der nächsten Folie ihrer Präsentation die preisgekrönte Formel, eine für den Zuschauer nichtssagende, scheinbar ewig lange Aneinanderreihung von Parametern, darstellt. Doch die Schülerinnen haben noch ein Ass im Ärmel: ihre eigens programmierte Anwendung für das Smartphone.

"Die Nutzer dieser App müssen lediglich die Parameter in das vorgesehene Feld einsetzen und sie berechnet Ihnen die ideale Insulindosis", präsentiert Sara-Luisa die Bedienung der App auf dem Handy ihrer Schwester. Die App bietet so den Diabetikerinnen eine unkomplizierte und schnelle Berechnung zu der zu verabreichenden Menge an Insulin. Dies soll primär eine Besserung der Gesundheit hervorrufen, denn die Gymnasiastinnen konnten bei ihren Messungen eine Reduzierung der Abweichung vom idealen Insulinwert von +/- 44 auf +/- 25 dokumentieren.

Später, so sagen beide Schwestern, wollen sie Medizin studieren. Dabei spielen die Schülerinnen in der Liga der ganz Großen - die gerade mal 14- und 16-jährigen Mädchen referieren bereits in Hochschulen und Universitäten.

"Auch im EU-Parlament haben wir eine Anfrage bekommen. Und im September dürfen wir die Bundeskanzlerin begrüßen", freut sich die Mutter der Nachwuchsforscherinnen, Cornelia Reh. ( Elisabeth Mezler )
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