In memoriam Roncalli

Wo einst das Roncallihaus stand, klafft nun ein Loch. Foto: C. Hornischer


Viele Gögginger glauben es noch immer nicht, wenn sie den Klausenberg hinablaufen und dort, wo einst das Roncallihaus stand, nur Schutt und Asche sehen. In den 1970er Jahren wurde es errichtet und 1975 eröffnet. Es bot Platz für Feiern oder Events bis zu 200 Personen. Jahrzehnte lang wurde es sowohl von der katholischen Pfarrei Sankt Georg und Michael wie von Gögginger Vereinen genutzt. Auch das Kleine Volkstheater Göggingen spielte hier mehr als 400 Mal.

Raumbedarf verändert?

Im Juli 2013 entschied die Kirchenverwaltung von Sankt Georg und Michael, das Roncallihaus abzureißen, nachdem Jahre darüber nachgedacht wurde, wie es damit weitergehen sollte. Drei Gründe waren für den Abriss ausschlaggebend: Zum einen wären die Sanierungskosten des Hauses höher als die Neubaukosten gewesen. Zum anderen hatte sich der Raumbedarf verändert, weil die Pfarrgemeinde kleiner geworden war. Und drittens wollte die Gemeinde einen neuen sakralen Raum für gottesdienstliche Feiern einrichten.

Nach dem Neubaubeschluss kamen Überlegungen auf, die Planungen in eine integrierte Stadtentwicklung einzubetten. Die Grünen stellten deshalb einen entsprechenden Antrag an die Stadtverwaltung, um Verbesserungen wie etwa einen offeneren Zugang zum Parktheater, eine neue Platzgestaltung mit Aufenthaltsqualität und eine Überprüfung der Verkehrssituation Klausenberg/Ecke Von-Cobres-Straße im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs zu erarbeiten.

Andere Augsburger kritisierten den Neubaubeschluss für das Roncallihaus, stellte der Bau aus den 1970er Jahren doch eine gelungene Bauform dieser heute nur noch kaum geschätzten Architekturepoche dar.

Ende August 2013 zog vorübergehend die Gögginger Stadtsparkasse in das Roncallihaus, da die Geschäftsstelle in der Bürgermeister-Aurnhammer-Straße umgebaut wurde.

Das neue Roncallihaus soll nicht mehr nur als Pfarrzentrum genutzt werden, sondern auch die Verwaltung der deutlich wachsenden Pfarreigemeinschaft beherbergen. Nach den "Raumplanung 2025" genannten Überlegungen der Diözese, soll die Pfarreigemeinschaft, die derzeit aus St. Georg und Michael, St. Johannes Baptist und Peter und Paul besteht, um die Pfarreien St. Remigius (Bergheim) und Zum heiligsten Erlöser (Inningen) erweitert werden.

Für die Vereine ist die Planung eine Enttäuschung, sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Gögginger Vereine (ARGE), Herbert Götz. "Man hat deutlich gesehen, dass über allem die Belange der Kirche stehen", kritisiert er. Eine Umfrage unter allen Gögginger Vereinen habe ergeben, dass der Neubau unattraktiv sei. "Am meisten Interesse hätten die Kolping-Blaskapelle und das Kleine Volkstheater gehabt, doch die sind auf eine Bühne angewiesen", so der ARGE-Chef. Auch ein Restaurant wird es nicht mehr geben. Kellerwirtschaften seien nur schwer zu verpachten, heißt es vonseiten der Kirche. Damit gehört ein Stück Göggingen der Vergangenheit an. (ch)
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