Integration im Vordergrund

Sozialreferent Stefan Kiefer plädierte für ein ausgewogenes Verhältnis von Singles und Familien in der Friedrich-Ebert-Straße.
 
Zu dem Informationsabend über die Gögginger Asylunterkünfte waren zahlreiche Anwohner in die Caritas-Geschäftsstelle gekommen. Mitarbeiter der Caritas berichteten von ihren positiven Erfahrungen mit den Flüchtlingen. Fotos: Christine Hornischer


Im Augsburger Stadtrat hat man sich auf die dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern geeinigt. In Göggingen beginnt nun die Belegung zweier Häuser in der Habsburgstraße und im Schwabenweg. Im Zuge einer Informationsveranstaltung des Caritasverbands betonte Dritter Bürgermeister und Sozialreferent Stefan Kiefer, dass sich der Stadtrat einig sei, dass alle Stadtteile gleich zu besetzen seien und dass die Unterkünfte mit maximal 90 Personen oder kleiner belegt werden sollen. Das sei besser für die Nachbarschaft, so Kiefer.

Walter Semsch, Geschäftsführer des Caritas-Stadtverbandes, erläuterte die Pläne zum Bau einer Unterkunft für Asylbewerber an der Friedrich-Ebert-Straße. Eigentümerin des Grundstücks ist die Kirchenverwaltung der Pfarreiengemeinschaft Göggingen-Inningen. Die Caritas darf das Grundstück in Erbpacht für 50 Jahre nutzen. Danach wird es für den sozialen Wohnungsbau frei gegeben. Diese Unterkunft für Asylbewerber gäbe keinerlei Anlass zu Befürchtungen, so Semsch. Unter den rund 100 Anwesenden, in dem brechend vollen Raum, wollten sich davon einige jedoch nicht überzeugen lassen. Die Botschaft hörten sie wohl, "allein mir fehlt der Glaube", war von etlichen Anwohnern zu hören. Der Geschäftsführer des Caritas-Stadtverbandes erklärte, dass "Integration im Vordergrund" stehe.

Das zeige sich auch am offenen und großzügigen Bau an der Friedrich-Ebert-Straße. Für die vier Häuserblocks à maximal 16 Personen, die entstehen sollen, seien auch zwei Büros geplant. In einem Büro wäre somit Platz für einen sogenannten "Kümmerer".

Bei der Caritas sind Kümmerer Menschen, die mit den Asylbewerbern etwa Behördengänge erledigen, übersetzen, "eben alles, was anfällt". Das andere Büro in der Friedrich-Ebert-Straße sei für eine Sozialarbeiterin bestimmt, erklärte Semsch. "Die Lage ist ideal, denn die Nähe zur Caritas-Zentrale in der Depotstraße ist wegen potenziellen Hilfestellungen wichtig". Nicht so ideal sah es ein Anwohner, der darauf hinwies, dass sich in der Friedrich-Ebert-Straße ja das Haus "Sternstunden" der St.-Gregor-Jugendhilfe befände, in dem traumatisierte Frauen untergebracht wären. "Wenn jetzt nicht wie angekündigt Familien, sondern junge, männliche Asylbewerber untergebracht werden, werden die Frauen bestimmt begeistert sein", polemisierte er. Kiefer sagte, er könne 60 Single-Männer nicht ausschließen, verspreche aber, dass er im Rahmen seiner Möglichkeiten für ein ausgewogenes Verhältnis von Singles und Familien sorgen werde.

Die Kritik, die Anwohner seien wegen der Habsburgstraße und dem Schwabenweg nicht gefragt worden, parierte Kiefer mit den Worten: "Werden bei einem normalen Mietvertrag alle Nachbarn gefragt?"

Bernd Waizmann von der Augsburger Polizei versuchte, den Anwesenden ihre Ängste zu nehmen, indem er ihnen versicherte, dass ihm in seinen fünf Jahren Erfahrung mit Asylbewerbern noch keine erhöhte Kriminalität untergekommen sei.

Semsch unterstrich dies in seinen Abschlussworten: "Ich bin stolz darauf, mit der Caritas diesen Menschen zu helfen." Eine Mitarbeiterin der Caritas, die Sprachkurse gibt und oft mit männlichen Asylbewerbern zu tun hat, sagte: "Ich habe schon lange nicht mehr so viel Respekt und Höflichkeit erlebt wie bei jungen Syrern." ( Christine Hornischer )
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