Jugend spaltet die Gemüter

Juso-Vorsitzender Elias Puhle fragte die Jugendlichen, die bei Maria Stern für Unruhe sorgen: „Was ist denn ein Jugendzentrum?“ Häufigste Antwort: „Ein Jugendzentrum ist wie eine Disco“.
 
Das evangelische Jugendzentrum der Pfarrgemeinde Dreifaltigkeit an der Friedrich-Ebert-Straße steht allen Besuchern offen. Fotos: C. Hornischer

In Göggingen fehlt ein alternativer Ort, an dem sich junge Leute treffen und beschäftigen können. CSU stellt Antrag auf ein Jugendzentrum. Die SPD will einen Streetworker.

Andere Stadtteile hätten für solche Sorgen wohl nur ein müdes Lächeln übrig. Da treffen sich doch wirklich Jugendliche an der Straßenbahnhaltestelle „Maria Stern“ und an der nahen Treppe. Je nach Wetterlage verbringen sie den Abend mit Musik und Getränken in der Unterführung oder gehen in eine der nahe gelegenen Grünanlagen. Tatsächlich ärgerlich daran: Zurück bleiben oft zerbrochene Flaschen und Müll. Durch die versammelten Jugendlichen fühlen sich vor allem ältere Menschen im Bereich der Straßenbahnhaltestelle oder dem Gögginger Park unsicher und trauen sich nicht mehr, die Unterführung zu benutzen. Es fehlt ein alternativer Ort, an dem sich die jungen Leute treffen und beschäftigen können.

„Göggingen ist einer der wenigen Stadtteile in Augsburg, die noch kein Jugendzentrum haben“, so die CSU in einem Antrag für ein solches. Da ist aber doch das evangelische Jugendzentrum der Pfarrgemeinde Dreifaltigkeit an der Friedrich-Ebert-Straße? Claudia Eberle von der CSM hob bei der letzten ARGE-Versammlung (Arbeitsgemeinschaft der Vereine und Organisationen) sogar hervor, Pfarrer Stefan Kirchberger von eben dieser Gemeinde hätte bei der Eröffnung nach dem Neubau des Jugendzentrums betont, dass alle Jugendlichen willkommen wären. Die Gögginger CSU-Vorsitzende Ingrid Fink schränkt ein: „Es ist mir ganz wichtig zu betonen, dass wir mit diesem Antrag nicht gegen irgendeinen Anbieter von Treffpunkten für Jugendlichen in Göggingen sind. Vielmehr wollten wir mit unserem Antrag das vorhandene Angebot überprüfen, ergänzen und ausweiten. Nicht jeder Jugendliche geht in eine kirchlich getragene Einrichtung.“ Allen Jugendlichen und speziell auch den älteren Jugendlichen wolle man eine Möglichkeit bieten, sich zu treffen, abzuhängen, auszutoben, zu feiern. „Es gilt die Jugendlichen einzubinden. Wir wollen nicht den Jugendlichen irgendetwas Fertiges vorsetzen.“ Was immer als Jugendtreff oder ähnlichem letztendlich herauskomme, solle auf den Vorstellungen der Jugendlichen verschiedener Altersgruppen beruhen und mit ihnen gemeinsam erarbeitet werden. Das könne etwa ein Baucontainer mit angrenzender Freifläche für diverse Freiluftaktivitäten sein. Ziel des Antrags war es ebenfalls, so Fink weiter, den Gesamtbedarf in Göggingen an jugendgerechter Ausstattung zu überprüfen. Der Stadtteil habe sich durch neue Wohngebiete und viele Zuzüge in den vergangenen Jahren verändert. So gäbe es etwa viele Kinderspielplätze im Friedrich-Ebert-Neubaugebiet, aber Flächen für gemeinsames Spielen und Toben in anderen Teilen Göggingens seien rar. Geplant ist, erste Ergebnisse der Untersuchung im zweiten Halbjahr 2017 vorliegen zu haben.

Etwas anders sieht Göggingens Juso-Vorsitzender und SPD-Vorstandsmitglied Elias Puhle die Sache. „Jugendliche wollen nicht vom ’Eingesperrtsein’ in der Schule in ein nächstes Gebäude“, erklärt er. „Eingesperrt“ sei man auch in einem Container. Vom Alter her kommt der 19-Jährige den Jugendlichen definitiv am Nähesten. Heute träfen sich die Jugendlichen an einem offenen Platz, brächten ihre Getränke mit und hätten Spaß, sagt er. Seiner Meinung nach müsse man eine Alternative suchen, die auch den Jugendlichen entgegen kommt. Er könnte sich vorstellen, einen Streetworker zu den Jugendlichen zu schicken, der deren Sprache spricht.

Und genau das hat der Geschichtsstudent schon selbst gemacht. „Mich hat interessiert, ob die betreffenden Jugendlichen überhaupt wissen, was ein Jugendzentrum ist“, lacht er. Die Antwort, die er am häufigsten bekam: „Ein Jugendzentrum ist wie eine Disco“.
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