Musikalische Brücke

Während der Kulturfahrt nach Neudek in Tschechien besuchten Anita Donderer und Herbert Götz das Grab des Erzgebirger Heimatdichters Anton Günther und trafen dort seinen Enkel Anton Günther Lehmann. Die Gögginger Turmbläser spielten sein berühmtes „Heimatlied“.
 
Höhepunkt der Kulturfahrt nach Neudek in Tschechien bildete ohne Zweifel ein bunter Abend, die musikalische Brücke zwischen Neudek und Göggingen. Anita Donderer und Tomàs Vymazal führten durch das Programm.

Kulturfahrt nach Neudek unterstreicht 25 Jahre Freundschaft

Göggingen / Neudek. Es war ein ergreifender Augenblick, als im Kinosaal in Neudek eine musikalische Brücke zwischen Neudek und Göggingen bzw. Augsburg geschlagen wurde. Anlass waren 25 Jahre Freundschaft zwischen den beiden Städten. Organisiert hatten die musikalischen Feierstunden die Heimatgruppe „Glück auf“ aus Göggingen, unter ihnen Anita Donderer, Herbert Götz und Josef Grimm und die Bürgerorganisation JoN mit ihrem Vorsitzenden Pavel Andrs.

Dass dabei einige Tränen flossen, verwundert nicht. Seit 1954 besteht die von der ehemaligen Marktgemeinde und späteren Stadt Göggingen und nach der Eingemeindung von der Stadt Augsburg übernommene Patenschaft zu Neudek/Nejdek in Tschechien. Den Anstoß dazu haben gebürtige Neudeker gegeben, die sich nach ihrer Vertreibung in Göggingen kommunalpolitisch engagiert haben. Erst im Jahre 2014 lobte Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl die seit 2013 neu formierte Heimatgruppe „Glück auf“, in personam Anita Donderer, Herbert Götz und Josef Grimm – Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neudek in Augsburg e.V. für ihr historisches Bewusstsein, ihr Zugeständnis ihrer Identität und den wertvollen Verbindungen zu ihrer Heimatstadt Neudek.

Freundschaftlichen Kontakte

Seit nunmehr 25 Jahren nämlich werden diese freundschaftlichen Kontakte von den „Kindern von damals“, Anita Donderer und Herbert Götz, intensiv gepflegt. Die Geschichte begann mit der beherzten Initiative von Anita Donderer und Herbert Götz, die im Jahre 1991 von einer Idee getrieben waren: Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wollten sie mit ihrer „Reise an eine schicksalhafte Stätte“ eine Fahrt in die eigene Vergangenheit antreten. Ganz unerwartet schlossen sich ihnen aber 40 Gleichgesinnte an. Neudek, das bei Karlsbad liegt, und Geburtsort von Anita Donderer ist (Herbert Götz ist ganz in der Nähe geboren) war Anlaufpunkt der ersten Fahrt. Es war eine große Geste der Versöhnung des damaligen Bürgermeisters Jiri Bydzovsky. Anita Donderer erinnert sich noch gut an die Ankunft der Augsburger: „Zu unserer Überraschung war der gesamte Stadtrat anwesend.“ Donderer, die von den Datschiburger Kickers bekannt ist, und ihr Mitstreiter Herbert Götz haben seitdem unzählige Reisen in die alte Heimat unternommen. Anita Donderer stand in jenem April 1991 erstmals wieder vor ihrem Geburtshaus. Dort hing noch, wie bei der Vertreibung 1946, dasselbeTäfelchen mit der Hausnummer. Die Tschechen vermachten ihr das Täfelchen als Geschenk. „Es ist das einzige Erinnerungsstück aus meinem Geburtshaus, das ich besitze“, erzählt sie. „Es ist wie Augsburg meine Heimat“, erklärt sie. 1946 kamen sie und andere in Göggingen an und wurden in Sammelunterkünfte in ganz Bayern verteilt. Anita Donderer kam siebenjährig zunächst nach Aichach, später nach Augsburg. Herbert Götz wurde, ebenfalls siebenjährig, mit seiner und sechs anderen Familien in einem der Säle der alten Schule am Klausenberg einquartiert. „Als Kind“, sagt er, „war es nicht schwer, Kontakte zu schließen und Fuß zu fassen. Die Vereine boten alle Möglichkeiten.“ Später engagierte sich Götz für die SPD erst im Gemeinderat, dann im Stadtrat, als Göggingen eingemeindet wurde.

Gemeinsame Erinnerungen

Heute, 25 Jahre später, werden zwischen Anita Donderer, Herbert Götz und Josef Grimm von der Heimatgruppe „Glück auf“ und Pavel Andrs von der Bürgerorganisation JoN gemeinsame Erinnerungen wach an eine 25-jährige Verbindung, die persönliche Freundschaften stiftete und von Hilfsbereitschaft getragen war. In den ersten Jahren unterstützten die Augsburger Altenheime, Kindergärten und ein Kinderdorf in der alten Heimat mit Geldspenden und Sachgütern. Es gab zahlreiche Transporte mit Rollstühlen, Krücken und Badeliften: Krankenhilfsmittel, die in den neunziger Jahren in Neudek knapp waren. Das bedeutendste gemeinsame Projekt war die Restaurierung des Neudeker Kreuzweges.

Höhepunkt der Kulturfahrt bildete wohl ein dreistündiger musikalischer Leckerbissen, dargebracht von den mitgereisten Gögginger Turmbläsern, Karl Hahn mit der Zither und Kurt Schnürch als Bariton und dem Kinderchor der Musikschule Neudek sowie Berta Ruzickovà an der Zither und Ales Vitek (der Sohn des Bürgermeisters) am Piano. Bürgermeister Lubomir Vitek versprach in seiner Begrüßung, dass bald die Neudeker in Göggingen ein Wiedersehen feiern werden. Stadtdirektor a.D. Heinz Münzenrieder bezeichnete die Fahrt bei seinen offiziellen Grußworten als einen „Besuch im Zeichen der Musik“. Und Albert Grimm, Vorsitzender der Heimatgruppe „Glück auf“ grüßte zweisprachig – tschechisch und deutsch. Grimm, der aus Albertham stammt, freute sich über die „positive Entwicklung“ dieser langjährigen Freundschaft. Ja, die Kinder von damals haben wohl einige Zeichen gesetzt. Und es werden weitere folgen….
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