Über Recht, Rache und Gerechtigkeit nach Auschwitz

Wann? 11.05.2017 19:00 Uhr

Wo? Universität Augsburg, Universitätsstraße 2, 86159 Augsburg DE
Augsburg: Universität Augsburg |

„Zu groß war ja die Schuld, als daß adäquate Sühne ausdenkbar wäre.“
Über Recht, Rache und Gerechtigkeit nach Auschwitz

Dem Recht, insbesondere dem Strafrecht, liegt die Annahme zu Grunde, dass durch einen Urteilsspruch Gerechtigkeit wiederhergestellt werden könne. Doch der Rechtspositivismus erhebt gar keinen Anspruch auf Gerechtigkeit, sondern will und kann einzig und allein die Verletzung geltender Norm strafen. Wenn das Recht auch auf dem Äquivalenzdenken, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, beruht, so kann es kein reales Äquivalent konstituieren: Denn wie wäre ein Mörder anders als durch die Hinrichtung des Mörders, adäquat zu bestrafen? Was einmal human klingt, nämlich von der Todesstrafe abzusehen, wirkt ein andermal, in Bezug auf die Vernichtung der europäischen Juden, alles andere als human, weil juristisch keine Gerechtigkeit im postnazistischen Deutschland wiederhergestellt wurde. Um sich dies zu erklären, spricht man daher im allgemeinen vom ‚Versagen der Justiz‘, verschiebt damit allerdings eine ausschließlich moralische Kategorie, die der Gerechtigkeit, in die Sphäre des Juristischen und behauptet, dass Auschwitz nicht adäquat bestraft worden wäre. Doch lässt sich das Menschheitsverbrechen der Deutschen überhaupt juristisch ‚aufarbeiten‘? Oder entzieht sich die Shoa nicht grundlegend jeder gemilderten Form der Rache? Und mehr noch: kann Gerechtigkeit nach Auschwitz überhaupt noch gedacht werden?
Vor diesem Hintergrund soll die Rolle des ehemaligen Frankfurter Generalstaatsanwalts Fritz Bauer und dem sich in den letzten Jahren vermehrt wahrzunehmenden Vereinnahmungsversuch postnazistischer Gedenk- und Erinnerungspolitik reflektiert werden. Gleich drei deutsche Filmproduktionen, die Bauers wichtige Arbeit ikonisch präsentieren, sollen nähere Untersuchung erfahren: Im Labyrinth des Schweigens (2014), Der Staat gegen Fritz Bauer (2015), Die Akte General (2016). Zu sprechen wäre aber ebenso, über Differenzen und Homologien anderer Formen vermeintlichem und tatsächlichem antifaschistischen Widerstands in seinen Extremen: Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg und Johann Georg Elser.

Es spricht David Hellbrück (Wien), u. a. Redaktionsmitglied der Zeitschriften Pólemos und sans phrase, Verleger bei ça ira, freier Autor und Fliesenleger. Zuletzt erschien von ihm u. a. der Beitrag "Heldenfernsehen. Über Fritz Bauer, Rache und Gerechtigkeit" in sans phrase.


Der Vortrag findet statt in Hörsaal IV (Gebäude C) an der Universität Augsburg.
Zu den weiteren Events des Semesterprogramms: https://www.facebook.com/pg/dighgaugsburg/events/?...
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