Zug um Zug zur Bahnpark-Rettung

Auf dem Abstellgleis soll der Bahnpark nicht landen. Die Stadt will die gemeinnützige Gesellschaft, die das Areal betreibt, unterstützen, stellt aber auch Forderungen. Bis Ende September muss ein Konzept vorliegen. Fotos: Janina Funk
 
Die Vorschläge, ein Studentenwohnheim, ein Hotel oder gar ein Einkaufszentrum auf dem Gelände zu errichten, sind rechtlich kurzfristig nicht umsetzbar. Langfristig könnte sich die Stadt für eine Entwidmung einsetzen.

Hinter dem Zaun aus dünnen Holzpfählen im Augsburger Hochfeld beginnt eine ganz eigene Welt. Über weite Schotterflächen und wucherndes Gestrüpp hinweg schlängeln sich Schienen vorbei an halb zerfallenen Bahnhäuschen, historischen Waggons, Triebwagen, die in den 1950er Jahren nach Science Fiction aussahen, und um die Dampflokhalle herum, in der bei regelmäßigen Dinnerabenden Teile des Menüs mit der Modelleisenbahn zu den Plätzen gebracht werden. Doch die Welt der Eisenbahn ist in Gefahr. Die gemeinnützige Gesellschaft, die den Augsburger Bahnpark unterhält, steht kurz vor der Insolvenz.

Zurzeit ist das Gelände für Besucher nur zu bestimmten Veranstaltungen geöffnet. Dass die Weichen für einen langfristigen Museumsbetrieb im Bahnpark trotz aller Widrigkeiten gestellt sind, betonte Oberbürgermeister Kurt Gribl in der Sitzung des städtischen Ferienausschusses am Donnerstag.

Derzeit läuft ein umfangreiches Genehmigungsverfahren, im Zuge dessen auf dem Eisenbahngelände dauerhaft ein Museum etabliert werden soll. Der Stellungnahme der Stadt Augsburg an die Regierung von Oberbayern, die Aufsichtsbehörde für nichtbundeseigene Eisenbahnen, stimmten die Stadträte geschlossen zu. Von der Betreibergesellschaft erwartet die Stadtregierung, dass diese bis Ende September ein tragfähiges Konzept vorlegt. Insgesamt gebe es noch viele Probleme zu lösen.

"Bei leichter Entflammbarkeit kleiner Funkenflug"

"Es brennt lichterloh", beschrieb Stadtrat Volker Schafitel von den Freien Wählern die wirtschaftliche Situation des Bahnparks. Gribl widersprach: Die Situation sei eher, "bei leichter Entflammbarkeit kleiner Funkenflug". Wichtig sei nun ein überlegtes, schrittweises Vorgehen.

Den Bahnpark plagen strukturelle Probleme: Die Erträge durch Events in der Dampflokhalle und durch Dampflokfahrten können den Betrieb des Museums trotz öffentlicher Zuschüsse nicht sichern. Hinzu kommt, dass für die Umwandlung in ein dauerhaftes Museum aufgrund von Auflagen erhebliche Aufwendungen zu erwarten sind - etwa für den Brandschutz.

Pläne gibt es bereits, was den Einstieg eines Investors anbelangt, mit möglicher gewerblicher Nutzung der Dampflokhalle. Gribl erklärte, es müsse nicht unbedingt der von der Stadt vorgeschlagene Investor sein. An diesem gab es zuletzt Kritik, da dessen Pläne zu wenig transparent seien. "Auch andere Interessenten sind möglich", sagte Gribl. Zudem will der OB mit der Landesstelle für nicht-staatliche Museen sprechen, inwiefern der Bahnpark gefördert werden kann.

"Widmung für Eisenbahnzwecke" verhindert andere Projekte

Fahrt nahmen in der öffentlichen Diskussion zuletzt Vorschläge auf, die andere Nutzungsmöglichkeiten beinhalten. Von Studentenwohnheimen, einem Eisenbahn-Themenhotel oder gar einem Einkaufszentrum war die Rede. Kurzfristig seien solche Investorenprojekte nicht möglich und daher für den Bahnpark in der aktuellen Situation auch nicht hilfreich, erklärte Gribl.

Die Stadt habe "keinen Zugriff auf das gesamte Bahnpark-Areal", lediglich das "gallische Dörfchen" um das Bahnwärterhäuschen sei entwidmet. Eben diese "Widmung für Eisenbahnzwecke" aller anderen Flächen ist das Hauptproblem für Projekte, die eine neue Nutzung vorsehen. Denn eine Umwandlung komme "nur in Betracht, wenn das öffentliche Interesse an einer Bahnnutzung" weggefallen sei, erläuterte Gribl.

"Nicht der Totengräber künftiger Entwicklungen"

Sobald ein Eisenbahnunternehmen, wie die Localbahn oder die Staudenbahn, Bedarf anmelde, womit zu rechnen sei, könne weder Studentenwohnheim noch Bahnhotel und schon gar kein Einkaufszentrum auf dem Areal errichtet werden. Kurzfristig gelte es, gemeinsam mit der Bahnpark- Gesellschaft andere Lösungen zu finden.

Die Stadt könnte jedoch mittelfristig planungsrechtlich aktiv werden, um zu erreichen, dass Teilflächen von einer Eisenbahnnutzung entwidmet werden. Darüber müssten sich alle Akteure in Ruhe unterhalten. Gribl betonte: "Ich will nicht der Totengräber künftiger Entwicklungen sein."
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