Andreas Luthe beim 1:1 des FC Augsburg gegen Dortmund: Würdiger Erbe Manningers

Von den FCA-Fans gefeiert: Torhüter Andreas Luthe, der großen Anteil am 1:1 des FC Augsburg gegen Borussia Dortmund hatte. (Foto: Alexander Heinle)
Augsburg: WWK Arena |

Der FC Augsburg spielt 1:1 gegen Borussia Dortmund. Torhüter Andreas Luthe gibt dabei sein Liga-Debüt für den FCA. Zufrieden ist er dennoch nicht - weil der VfL Wolfsburg und der Hamburger SV auch punkten, reicht das Remis nämlich noch nicht zum Klassenerhalt. Auch ansonsten gibt sich der Hitz-Vertreter angenehm bodenständig. Und erinnert damit stark an seinen Vorgänger.

"Und ich kann nach Hause?", scherzt Andreas Luthe und lächelt. Er hat gerade seine erste Bundesligapartie seit dem Jahr 2009, einem 0:2 in Dortmund, hinter sich. "Ich bin müde", sagt er daher, während er die dritte Halbzeit absolviert und von einer Kamera zum nächsten Mikrofon geschoben wird. Nach Hause kann er noch lange nicht. Denn er ist heute ein gefragter Mann.

Luthe, 30 Jahre alt, ist Reservetorhüter des FC Augsburg. Und eines der Gesichter des 1:1-Unentschiedens gegen Borussia Dortmund. Stammkraft Marwin Hitz meldete sich wegen Hüftproblemen ab. Am Samstagmorgen habe Luthe erfahren, dass er ihn vertreten muss.

Kurzfristiger Abstiegskampf-Einsatz: Für Luthe "kein Problem"

"Kein Problem", diktiert der 1,95-Meter-Schlacks in die Reporter-Blöcke. Das klingt bei ihm fast so beiläufig, als hätte er seinem in Back-Nöte geratenen Nachbarn gerade an der Haustür ein paar Eier gegeben. Andreas Luthe, selbstbewusst und redegewandt, untermalt jede seiner Aussagen mit kleinen Gesten mit den Händen.

Der Torhüter, der vor der Saison als Manninger-Nachfolger aus Bochum gekommen war, fiel in Augsburg bislang vor allem durch sein Interesse für die Stadt und noch mehr durch sein Engagement für Flüchtlingskinder positiv auf.

Aber auch deshalb, weil er sich neben dem Platz, wie sein Vorgänger Manninger es stets tat, bodenständig äußert. So auch am Samstag nach dem Schlusspfiff in den Stadionkatakomben. Geholt worden sei er für Tage wie diese, sagt er. Und froh, "dass ich der Mannschaft ein bisschen helfen konnte". Weil er es eben nicht verlernt habe, das Fußballspielen.

Luthe: Ein würdiger Nachfolger Manningers

Den Beweis dafür erbrachte Luthe in den 90 zehrenden Minuten zuvor eindrucksvoll. Gekleidet in Knallorange, kombiniert mit gelben Handschuhen und giftgrünen Schuhen, machte er auch laut Kollege Daniel Baier "einen guten Job".

So wie ihn Manninger stets machte, wenn er nach seiner Ablösung durch Marwin Hitz eingesetzt wurde. Er war durch seinen Trainingsfleiß, seine offene Art und seinen Schmäh zur Kultfigur geworden.

Luthe hatte jedoch in diesem eminent wichtigen letzten Saisonheimspiel des FC Augsburg gegen den favorisierten BVB aus Dortmund zunächst beinahe gar keine Möglichkeit, sich auszuzeichnen.

FC Augsburg erinnert an beste Weinzierl-Zeiten

Stattdessen hatte der Torsteher beste Sicht auf einen FCA, dessen Leistung an beste Weinzierl-Zeiten erinnerte. In der Defensive gut organisiert, im Umschaltspiel stürmisch. Das Prinzip: Ball schnell auf die Außenbahn, dann scharf vors Tor bringen.

Das klappte bereits nach 17 Minuten beinahe erfolgreich. Der emsige Phillipp Max lief zu schnell für Dortmunds Matthias Ginter, passte mit Schmackes auf Alfred Finnbogason am langen Pfosten. Der Isländer scheiterte jedoch an Luthes Gegenüber Roman Bürki, der das kurze Eck zumachte.

Luthe: "Haben Dortmund wehgetan" - Ekstase in Minute 29

"Wir haben dem BVB wehgetan", stellt Augsburgs Torhüter hernach fest. Vor allem in der 29. Minute. In der stand die Arena Kopf oder quer oder in eine Richtung, die erst entdeckt werden muss. Und Luthe selbst hatte seinen Teil zum kollektiven Augsburger Sinnestaumel beigetragen.

Der Torhüter hatte den quirligen Max auf den Weg geschickt, der zunächst an Bürki scheiterte, ehe Finnbogason den Ball über die Linie drückte. Die Ekstase machte auch vor Konstantinos Stafylidis nicht halt, der links vor Luthe noch den Animateur vor der Gegengerade gab, während Dortmund bereits anstieß.

Spielzug vorm 1:0 "war so einstudiert"

Kollege Dominik Kohr applaudierte derweil in Richtung seines Schlussmanns. "Das war so einstudiert", verrät Luthe später im Bauch der Arena mit beinahe staatsmännischem Tonfall - dann muss er lachen.

Die Augsburger Glückseligkeit dauerte jedoch nur drei Minuten. Dann bekam Luthe den ersten Schuss auf sein Tor - und musste den Ball aus dem Netz holen. "Machtlos" sei der Tormann da gewesen, attestierte Baier und hatte freilich Recht. Luthes Vorderleute hatten hingegen die Ordnung verloren und Pierre-Emmerick Aubameyang die Situation ausgenutzt.

Luthe stark: Aubameyang sieht ein orangenes Flackern

Dann aber blieb Luthe, der sein letztes Pflichtspiel im November 2015 für den VfL Bochum absolviert hatte - ein 0:1 gegen Eintracht Braunschweig in Liga zwei -, stets Sieger gegen Dortmunds Gabuner, der wohl noch am Sonntag ein orangenes Flackern vor Augen haben dürfte.

Luthe schob zunächst flink abtauchend seinen Kopfball aus dem rechten unteren Eck (62.), dann hechtete er eine Kopfballablage von Kagawa vor ihm weg (81.). Ansonsten scheiterte Aubameyang an sich selbst - und sein Mitspieler Reus am Außennetz (83.).

FCA in der zweiten Halbzeit: "Zu sehr hinten drin gestanden"

Freilich sei in Halbzeit zwei der BVB die bessere Elf gewesen, räumt Luthe ein. Seine Mannschaft habe die Konter nicht mehr konsequent zu Ende gespielt, Dortmund nicht mehr beschäftigt und sei zu sehr hinten drin gestanden, analysiert er.

Trotzdem, der Punkt sei verdient, es sei eine Leistung gewesen, "mit der es der FC Augsburg verdient gehabt hätte, auch nächstes Jahr erste Liga zu spielen". Deshalb sei er "nicht ganz zufrieden heute".

Luthe: Bloß nicht rechnen

Den Rechenschieber werde Luthe jedoch nicht rausholen. "Das sollten wir lieber sein lassen", appelliert er an sich und seine Kollegen. Stattdessen forderte er einen Auftritt wie gegen den BVB.

"Wir sind positiv drauf, haben eine gute Form. Ich mache mir keine Sorgen vor Hoffenheim. Und dass es schwer wird, haben, glaube ich, auch vor dem Spiel heute einige gesagt", sagt er und grinst.

Luthe auch gegen Hoffenheim im FCA-Tor?

Ob dann wieder Andreas Luthe das Tor hütet? "Wenn Marwin fit ist, haben wir mit einen der besten Torhüter der Liga in der Kiste", befindet Luthe. Und einen äußerst fähigen und obendrein bescheiden daherkommenden Typen auf der Reservebank. Ganz Manninger eben.
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