Elf Bauarbeiter müsst ihr sein: Der FC Augsburg beim 0:0 gegen Hertha in der Einzelkritik

Kopfballchance für Dong-Won Ji. FC Augsburg vs. Hertha BSC Berlin. 11. Spieltag, 18.11.2016 (Foto: Klaus Rainer Krieger)
 
Einigkeit in den beiden Fanblöcken: Zeitgliech hissten die Fans des FC Augsburg und die Schlachtenbummler von Hertha BSC Berlin das gleiche Banner. Gemeint waren unter anderem Herthas rosa und Augsburgs neongelbe Dressen. Weil der FCA in Weiß auflief, blieb den Zuschauern das volle grell-leuchtende Farbspektakel (glücklicherweise) erspart.
Augsburg: WWK Arena |

Der FC Augsburg trennt sich 0:0 von Hertha BSC Berlin. Die Baustelle für das neue FCA-Funktionsgebäude vor der Augsburger Arena ruhte während des Bundesliagspiels freilich. Geackert wurde dafür auf dem Rasen. Die elf Arbeiter des FC Augsburg in der Einzelkritik.

Marwin Hitz: Begann bereits in der Anfangsphase damit, sein Tor zuzumauern. Parierte nach acht Minuten stark gegen Ex-Kollege Alexander Esswein, trieb Bauleiter Dirk Schuster Schweißperlen auf die Stirn, als er kurz darauf die Arbeitshandschuhe ablegte, um sich am Handgelenk behandeln zu lassen. Biss auf die Zähne und fügte weiter Stein auf Stein. Julian Schieber und zwei Mal Valentin Stocker prallten schließlich an der stabilen Schweizer Wand ab. Beruhigte nach der Partie in Sachen Handgelenk - kann auch kommende Woche schaffe, schaffe, Mauern bauen.

Paul Verhaegh: Niederländischer Fleißarbeiter des FC Augsburg rechts hinten. Ließ ab und an den Proll raushängen und giftete gegen einen der Rosa gekleideten Berliner. Hätte wohl auch Frauen nachgepfiffen, wäre eine an ihm vorbeigelaufen.

Martin Hinteregger: Einer der beiden Betonmischer aus der letzten Reihe.
Packte auch vorne mit an: Köpfte nach einer Ecke drüber und vertändelte nach feiner Max-Flanke die zunächst beste Chance der Partie. Klärte in höchster Not vor Julian Schieber. Musste nach einem krachenden Arbeitsunfall mit Vedad Ibesevic 20 Minuten vor Schluss mit blutverschmiertem Gesicht und mit Verdacht auf Nasenbeinbruch den Posten räumen.

Christoph Janker: Er rührte gemeinsam mit Hinteregger den Beton an. Eigentlich gutes Zeug, das die beiden da gemixt hatten. Zeigte sich als Teamarbeiter, als er nach seiner guten Leistung auch die emsigen Kollegen lobte. Auch wenn, je länger das Spiel dauerte, die Defensive des FC Augsburg umso mehr zu bröckeln begann. Gut, dass Hitz die Lücken kittete.

Konstantinos Stafylidis: Startete mit grobem Ballverlust am eigenen Strafraum und verschätzte sich wenig später bei einem Kalou-Pass auf Esswein, wodurch er zu früh zu Boden ging. Fing sich nach dem anfänglichen Wackler bald und lieferte solides Linksverteidiger-Tagewerk ab. Versuchte sich Anfang der zweiten Halbzeit als Schweißer - sein Fernschuss zischte allerdings über das Tor.

Dominik Kohr: Agierte als Abrissbirne im zentralen Mittelfeld, holte sich nach mehrfachen Fouls die erste Verwarnung des Spiel ab. Rackerte sich ordentlich ab, leistete sich allerdings auch einige schlimme Fehlpässe.

Daniel Baier: Architekt im Mittelfeld. Erklärte kurz vor der Pause langatmig Schiedsrichter Bastian Dankert, was er doch bitte besser machen solle. Ansonsten für die Räume zwischen den beiden Strafräumen zuständig - und das anstandslos und handwerklich gekonnt. In Halbzeit eins wagte er sich selten aus dem Zentrum der Baugrube hinaus, luchste auf einem seiner wenigen Ausflüge prompt Hertha-Keeper Rune Jarstein den Ball ab. Nach der Pause kurbelte er dynamisch den ein oder anderen Gegenstoß an.

Philipp Max: Outete sich zunächst als Mann vom Vermessungsamt mit zentimetergenauem Pass durchs Hertha-Mittelfeld. Viel unterwegs - nach vorne wie nach hinten. Wenige, aber dafür ordentliche Flanken. Seine Seite war die offensiv gefälligere.

Jonathan Schmid: Der Laufbursche war überall auf dem Feld zu finden. Heraus kam dabei wenig Zwingendes. Man wünscht ihm manchmal mehr Mut fürs Eins-gegen-Eins oder für den Distanzschuss - einen Hammer hat er ja bekanntermaßen in seinem Handwerkergürtel stecken. Zirkelte immerhin einige brauchbare Standards in die Mitte. Schuster schickte ihn 20 Minuten früher in den Feierabend, Außenbahn-Lehrling Georg Teigl übernahm - was Schmid eher wenig begeistert aufnahm.

Halil Altintop: Der eigentliche Gestalter musste ordentlich mitmalochen. Das kräftezehrende Grobe hinderte ihn daran, sich um schnörkeligen Schnickschnack zu kümmern. Dadurch offensiv unauffällig.

Dong-Won Ji: Ob er sich - wie derzeit so viele Akteure des FC Augsburg - ebenfalls abmelden würde müssen, war bis Samstag unklar. Die Krankmeldung blieb aus. Trug dafür als einziger FCA-Feldarbeiter Handschuhe. So agierte Ji als Vorarbeiter im Angriff. Bekam es dort oft mit John Anthony Brooks zu tun, Typ Wändeeinreißer - mit bloßen Händen. Drückte den US-Amerikaner das ein oder andere Mal derart engagiert weg, als stünde der Hertha-Verteidiger auf einem wackeligen losen Bauträger. Machte einige Bälle gut fest, bis auf eine Kopfballmöglichkeit kurz vor Schluss jedoch wenig torgefährlich.

Georg Teigl: Hatte zuletzt mit Mobbing einiger Gäste am Bauzaun zu kämpfen, wurde von den Fans aber erneut größtenteils freundlich empfangen. Musste noch einen harten Nackenschlag von Genki Haraguchi einstecken.

Gojko Kacar: Solide 20-Minuten-Schicht im Beton-Werk. Half, den Punkt für den FC Augsburg über die Zeit zu bringen.

Jan Moravek: Nach diversen Verletzungen auch in dieser Spielzeit mehr zum Heimwerken auf dem Trainingsplatz gezwungen. Schuster schenkte ihm einen Kurzeinsatz.
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