FC Augsburg: Die zwei Seiten des Verhaegh-Abgangs

Kehrt Augsburg nach sieben Jahren den Rücken: Paul Verhaegh bedankt sich bei den FCA-Fans. (Foto: Klaus Rainer Krieger)

Der FC Augsburg verändert sein Gesicht: Mit Paul Verhaegh verlässt eine weitere Identifikationsfigur den Klub. Welche Folgen sein Wechsel zum VfL Wolfsburg für den FCA hat.

Paul Verhaegh hatte seinen Sohn Fenn Liam mitgebracht. War ja schließlich auch Familientag in der Augsburger Arena. Der Dreijährige, kaum größer als der üppige Blumenstrauß in den Händen des Papas, winkte und applaudierte an Verhaeghs Seite ebenfalls eifrig in Richtung Fankurve. Der Anhang erwiderte die Gesten.

Ein emotionaler Moment - inklusive eines Gefühls-Zwiespalts, wie ihn der Wechsel selbst auslöst. Einerseits schwang einiges an Wehmut mit. Schließlich verlässt eine lebende Legende den FC Augsburg. Paul Johannes Gerardus Verhaegh war 2010 von Vitesse Arnheim zum FCA gekommen, wurde Aufstiegsheld, Kapitän, Elfmeterschütze, Nationalspieler - und, auch wegen seiner sympathischen Art, freilich ein Liebling der Anhänger.

Sein Abgang zum VfL Wolfsburg reiht sich ein in die Wechsel von Tobias Werner und Halil Altintop - womöglich bald ergänzt vom Abgang Raùl Bobadillas oder gar dem von Marwin Hitz.

Hat der FCA noch genug Mentalität?

Eine ganze Generation altgedienter Helden verschwindet - und damit das Gerüst, um das die Elf in den vergangenen Spielzeiten aufgebaut war. Von der alten Garde treten nur mehr Daniel Baier und Jan-Ingwer Callsen-Bracker ihren Dienst für den FC Augsburg an. Führungslos, wie kürzlich die Internetseite eines Nachrichtensenders die Augsburger bezeichnete, ist die Mannschaft ob Verhaeghs Wechsel deshalb nicht. Dennoch werden freilich mehr Spieler denn das Veteranen-Duo gefordert sein, die Abgänge aufzufangen. Und das ist nicht allein sportlich gemeint. Es ist eine Frage der Mentalität.

Verhaegh spielte wahrlich keine allzu gute Saison für den FCA, die Spritzigkeit ist ihm schlicht abhanden gekommen - er ist ja auch schon 33. Doch am Ende der Spielzeit waren gerade er und Altintop wichtige - weil erfahrene - Stützen. Sie gaben der Mannschaft Stabilität.

Jetzt sind Spieler wie Martin Hinteregger oder Jeffrey Gouweleeuw gefordert. Gerade der Österreicher hat seine Führungsqualitäten und seine Identifikation mit dem Klub in der Vorsaison bewiesen. Und gerade weil der Kader einem Umbruch ausgesetzt ist, der umfassender ausfällt, als viele erwartet haben, braucht es jene Fixpunkte für die vielen neuen FCA-Kicker.

FC Augsburg ist zum Umbruch gezwungen

Und da setzt auch das Gute des Verhaegh-Abschieds an: Der FC Augsburg ist gezwungen, sich zu verändern. Vielleicht könnte man gar behaupten, er erhält die Chance dazu. Denn einen verdienten aber schwächelnden Spieler, der noch dazu Kapitän ist, für einen Jungspund wie Raphael Framberger auf die Bank zu setzen, wäre kaum ohne Nebengeräusche möglich gewesen.

Verhaegh-Nachfolger: Gewagte Lösung mit Klein - oder vielleicht ein Dortmunder?

Verpflichtet der FC Augsburg tatsächlich mit dem vereinslosen Florian Klein einen erfahrenen aber eben beim VfB Stuttgart aussortierten Rechtsverteidiger, wäre das mit dem jungen Framberger eine gewagte Doppellösung. Das Eigengewächs muss seine Bundesligatauglichkeit schließlich erst einmal über mehrere Spiele beweisen. Möglicherweise könnte der einer Ausleihe offenbar nicht abgeneigte Dortmunder Felix Passlack könnte eine Option sein - allerdings konkurrieren um ihn wohl bereits der VfB Stuttgart und Hertha BSC Berlin.

Daniel Opare hingegen hat in der Vorbereitung abermals nicht überzeugt, Georg Teigl ist wohl ebenfalls nur eine Back-Up-Lösung.

Und Fenn Liam Verhaegh ist wohl noch ein paar Jahre zu jung.
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