FC Augsburg-Fan aus Russland: "Liebe auf den ersten Blick"

Besuch aus Russland: Earin reiste zum Spiel gegen Dortmund aus St. Petersburg an. Daheim betreibt die 32-Jährige einen Motorrad-Laden. Foto: FC Augsburg


3100 Kilometer legte die Russin Earin zurück. Die 32-Jährige reiste von St. Petersburg aus zur Augsburger Arena, um den FCA gegen Dortmund spielen zusehen. Ein Gespräch über das FCA-Fannetzwerk in Russland, den russischen Fußball und die Frage nach dem Warum.

StadtZeitung: Earin, wie wird man als Russin Fan des FC Augsburg?

Earin: Ich hatte eine Fußballsimulation auf meinem Smartphone. Ich hatte einige große Stars aus der spanischen La Liga und der Bundesliga in meinem Team. Aber der Spieltagsbeste war stets Daniel Baier. Da fragte ich mich: Wer ist dieser Kerl und ist er wirklich so verdammt gut? Und da das Spiel des FCA bei Athletic Bilbao im russischen Fernsehen lief, überzeugte ich mich selbst. Und dann verliebte ich mich auf den ersten Blick in den FC Augsburg. Ich weiß nicht, warum genau. Vielleicht waren es Mannschaftsgeist und Zusammenhalt, die der FCA ausstrahlte. Von da an verpasste ich jedenfalls kein Spiel mehr.

StaZ: Und du warst sogar in der Arena. War das Spiel gegen Dortmund dein erster Besuch?
Earin:
Mein dritter. Erst im Oktober gegen Schalke 04, dann im Frühjahr gegen RB Leipzig. Alle drei Partien endeten mit einem Unentschieden. Jetzt frage ich mich: Würde ich zu einem Spiel gegen den FC Bayern kommen, würde der FCA auch remis spielen?

StaZ: Wie liefen deine Augsburg-Besuche?
Earin:
Vor dem Spiel gegen Dortmund wurde ich extra vom FCA empfangen, bekam sogar ein Geschenk. Das hätte ich nie erwartet - und das zeigt mir, wie besonders der FC Augsburg ist. Ich kenne keinen anderen Klub, der das machen würde.

Außerdem mag ich Augsburg auch abseits des Stadions. Jedes Mal, wenn ich in meinem Trikot durch die Stadt laufe, fragen die Leute, wie das Spiel ausgegangen ist, und die sich richtig freuen, wenn sie ein positives Ergebnis hören.

Und dann wäre da noch die Atmosphäre in der Arena: Von den FCA-Fans könnten Anhänger manch anderer Vereine lernen, wie man sein Team richtig unterstützt.

StaZ: Was sagen deine Freunde dazu, dass du den FCA unterstützt?
Earin: Ich rede mit solch einer Begeisterung vom FC Augsburg, dass mittlerweile sogar meine Mutter zwei bis drei Spieler kennt.

Es gibt übrigens mehr als einen FCA-Fan in Russland. Wir haben ein Internetnetzwerk, in dem wir Beiträge über den FC Augsburg posten. Ich übersetze dafür News aus dem Englischen, der Betreiber der Seite vom Deutschen ins Russische. Auf der Plattform sind Menschen aus verschiedenen Städten in Russland und der Ukraine aktiv.

StaZ: Interessiert dich der russische Fußball gar nicht. Immerhin steht die WM vor der Tür?
Earin: Der russische Fußball war in Zeiten der Sowjetunion in einem besseren Zustand. Da haben sich die Spieler für die Ehre ihres Klubs reingehängt. Nicht wie heute des Geldes wegen. Nur der FK Rostow hat mir zuletzt gefallen, der in Champions und Europa League gute Leistungen gezeigt hat.

Aber: Der deutsche Fußball ist anders: Viel Qualität, technisch gut und gleichzeitig emotional. Und er hat den FC Augsburg.


Das Interview führte David Libossek
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Sebastian Summer aus Aystetten | 26.05.2017 | 18:15  
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