FC Augsburg gegen Borussia Dortmund: Das Spitzenspiel des Absteigers Nummer eins

Ein typischer FCA-Angriff: Caiuby köpft nach Max-Flanke den 1:1-Ausgleich für den FC Augsburg. (Foto: Alexander Heinle)
Augsburg: WWK Arena |

Borussia Dortmund gewinnt knapp beim FC Augsburg. BVB-Trainer Peter Bosz spricht von der "schlechtesten Leistung" in seiner Amtszeit. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Der FCA zeigt gegen Borussia Dortmund eine erstaunlich gute zweite Halbzeit. Und das ohne einen Schlüsselspieler. 

Manuel Baum erklimmt die Treppe, die vom Spielfeld der Augsburger Arena in die Katakomben des Stadions führt. "Scheiße", schreit der Trainer des FC Augsburg auf halber Strecke, huscht an den Reportern vorbei in Richtung Kabine, während er weiter murmelnd vor sich hinschimpft wie ein bärbeißiger Rentner.

Baums Groll ist nachvollziehbar. Hat sein FC Augsburg doch gerade mit 1:2 gegen Borussia Dortmund verloren. Jene Mannschaft, die bislang über die Bundesliga hinweggefegt ist und mit ihrem wirbelnden Offensivspiel zuletzt Mönchengladbach auseinandernahm. 1:2 klingt daher doch nach einem akzeptablen Ergebnis für den Abstiegskandidaten Nummer eins aus Augsburg, möchte manch einer sagen. 

Der hat allerdings dieses Spiel nicht gesehen, nach dem Manuel Baum sagte: "Wir ärgern uns heute richtig." Denn auch der Trainer war der Ansicht, dass ein Punkt gegen die Borussia ein verdienter Ertrag gewesen wäre. 

Der FC Augsburg findet zu erstaunlicher Balance

Dass Dortmund laut Trainer Peter Bosz die schlechteste Leistung seit seinem Amtsantritt zeigte, mag so stimmen, ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn das war an diesem sonnigen Herbstnachmittag in der ausverkauften Augsburger Arena das Verdienst des FC Augsburg.

Der schaffte es, Borussia in der zweiten Halbzeit kaum zu gefährlichen Abschlüssen kommen zu lassen. Und das, ohne sich hinten einzuigeln. Baums FCA fand eine erstaunliche Balance aus organisierter Defensive und eigener Torgefährlichkeit. "Wir sind deutlich mutiger aufgetreten, haben Dortmund sehr früh unter Druck gesetzt und die eine oder andere Chance kreiert", fasste der Trainer zusammen.

Khedira fällt aus, doch der FCA behält die Ordnung

Dabei fehlte einer der Schlüsselspieler der vergangenen Wochen: Rani Khedira. Der musste kurz vor der Pause das Feld verlassen, hielt sich nach einem Ausfallschritt die Adduktorengegend. Baum war gezwungen, seine zuletzt so stabile Dreierkette aufzulösen, in der Khedira eine Art modernen Libero gab. 

Dennoch verlor die Mannschaft auch mit Vierer-Abwehrreihe nicht die Ordnung, nahm mit dem durch Ja-Cheol Koo ergänzten Mittelfeld den Dortmundern die Räume für ihr Kombinationsspiel. Ein Indiz für die taktische Reife der Baum-Elf. Hinzu kommt, dass die Spieler eine enorme Laufbereitschaft zeigen, die sie auch verloren scheinenden Bällen im Vollsprint hinterherwetzen lässt, allen voran Finnbogason und Marcel Heller.

Starker Caiuby und die Erkenntnis des Daniel Opare


Hinzu kommt auch, dass sich in Caiuby der wohl defensiv engagierteste Offensiv-Brasilianer der Bundesligageschichte auf der linken Seite aufarbeitet. Und dass Daniel Opare plötzlich erkannt zu haben scheint, dass er eigentlich ein mehr als annehmbarer Rechtsverteidiger ist.

Blöd nur, dass der FC Augsburg mit einer Hypothek in diese zweite Halbzeit startete, nach einem Missverständnis von Martin Hinteregger und Philipp Max 1:2 zurücklag. Jener Max, der zuvor einmal mehr per Flanke ein Augsburger Tor eingeleitet hatte: Caiubys Kopfballtreffer, der das 0:1 durch Andrey Yarmolenko zwischenzeitlich ausglich. Kein Zufall, sondern ein klassischer FCA-Angriff in dieser Spielzeit. 

Hitz dreht Aubameyang den Swag ab

Es hätte jedoch ebensogut 1:3 stehen können, hätte Marwin Hitz nicht Pierre-Emerick Aubameyang den Swag abgedreht. Der exzentrische Stürmer scheiterte aufreizend lässig frei vor dem Augsburger Schlussmann. Ebenso wie in der Schlussphase der Partie mit seinem in die Mitte gechipten Elfmeter.

Der FC Augsburg verpasste es jedoch, die Glanztaten seines Torhüters mit dem Ausgleich zu veredeln. Das blieb das Manko in dieser starken zweiten Halbzeit. Oft mangelte es bei Gegenstößen an der Präzision, gerade beim sogenannten letzten Pass. So blieben die ganz großen Chancen - ausgenommen eines Caiuby-Kopfballs nach einer Ecke - aus.

Mehr als Klassenerhalt? Viel zu früh!

Der FCA hat dennoch einmal mehr gezeigt, dass er - obwohl als Absteiger Nummer eins gebrandmarkter Klub - in dieser Spielzeit mehr als mithalten kann; sogar mit den Großen der Liga. An diesem Nachmittag lieferte er sich mit Borussia Dortmund ein wahrhaftes Spitzenspiel, eine Partie auf Augenhöhe. 

Dass - befeuert durch Aussagen von Alfred Finnbogason - bereits von mehr als nur dem Klassenerhalt gesprochen wird, kommt nach sieben Spieltagen allerdings viel zu früh. Auch für Philipp Max: "Wir sind eng zusammen, machen super Spiele und wollen einfach den 40 Punkten näher kommen."
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2 Kommentare
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Udo Bösch aus Bobingen | 01.10.2017 | 18:23  
David Libossek aus Augsburg - City | 02.10.2017 | 09:47  
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