Froh, dass die Bayern-Spiele vorbei sind: FC Augsburg blickt bereits in Richtung FC Ingolstadt

Zu viel für die Innenverteidigung des FC Augsburg: Doppelpacker Robert Lewandowski. (Foto: Alexander Heinle)
 
Banner umgestaltet: Statt des in Ungnade gefallenen Georg Teigl wollen die Fans des FC Augsburg nun lieber die gelben Trikots loswerden. (Foto: Alexander Heinle)
Augsburg: WWK Arena |

Der FC Bayern ist in absoluter Bestbesetzung eine Nummer zu groß für den FC Augsburg. Daher sind die Augsburger hernach froh, dass nun das bayerische Derby der anderen Art ansteht: Das Spiel beim FC Ingolstadt ist später beinahe das größere Thema als die 1:3-Niederlage gegen die Bayern. Dabei gab es beim FCA zwei moralische Sieger: Ja-Cheol Koo und Georg Teigl. Sorgen bereiten hingegen Alfred Finnbogasons Adduktoren.

Eine Hand reichte nicht mehr, um mitzuzählen, wie oft Stefan Reuter das Wort "Weltklasse" verwendete. Robben und Lewandowski: Weltklasse. Das Kombinationsspiel des FC Bayern: Weltklasse. Das Gegenpressing der Münchner, genau: Weltklasse. Und so ging das das gesamte Interview im Bauch der Arena an der B17. Augsburgs Sportchef bejahte denn auch, dass er die Ansicht des Trainers Dirk Schuster teilte: Der hatte gesagt, er sei froh, dass die beiden Spiele gegen das Münchner Starensemble nun überstanden sind.

19 Minuten lang hatte der FC Augsburg die Weltklasse der Bayern ordentlich unterbunden. Schuster ließ seine Elf 20 bis 30 Meter weiter vorne verteidigen, als noch im Pokalduell in München. Gojko Kacar agierte dieses Mal als echter Sechser vor der Viererkette, der FCA agierte zudem weiter aufgefächert. Sobald die Bayern tiefer in die Augsburger Hälfte eindrangen, rückten Ja-Cheol Koo, der mit David Alaba mitgehen musste, und Jonathan Schmid, der Konstantinos Stafylidis half, Arjen Robben zu doppeln, nach hinten - wodurch zuweilen eine Augsburger Sechserkette entstand.

19 Minuten lang darf die Arena träumen, dann verliert Schmid den Ball


Ein 30-Meter-Schuss von Paul Verhaegh und ein mit viel Applaus honoriertes Dribbling von Dong-Won Ji ließen das Publikum in der Arena kurz von einer Sensation träumen. Dann verpasste Schmid bei einem aussichtsreichen Konter, abzuspielen oder zumindest draufzuhalten. Nach dem Ballverlust fehlte der Neuzugang aus Hoffenheim dann neben Stafylidis, der Robben gemeinsam mit Martin Hinteregger nicht aufhalten konnte. Robben passte, Lewandowski traf: 0:1. Und nur zwei Minuten später Lewandowski auf Robben: 0:2.

Weil Bayern dann noch ein Elfmeter verwehrt blieb - Janker hatte Lewandowski zu Boden gerungen - fiel das 0:3 erst nach der Pause. Diesmal wieder Robben, dem Kacar den Ball exakt auf den Fuß serviert hatte, auf Lewandowski. Eben jene Ballverluste habe man in der Kabine angesprochen, stellte später Daniel Baier resigniert fest.

Hinterseer und Leczano statt Robben und Lewandowski


Dazu zwei symptomatische Szenen: Robben, dem gegen drei Augsburger der Ball eineinhalb Meter wegspringt, der aber dennoch in Ballbesitz bleibt. Und ein Konter nach einer Stunde, als Ji sich den Ball zu weit vorlegte und der Gegenstoß dahin wae.

Insgesamt: ein Klassenunterschied.

"Das muss man so sagen", räumte auch Reuter ein. Dennoch: "Wir haben kein Selbstvertrauen verloren", versicherte später in den Katakomben Torschütze Ja-Cheol Koo, wohlwissend, dass für den FCA die weit wichtigere Aufgabe in einer Woche ansteht, wenn die Gegenspieler wieder Hinterseer und Leczano und nicht Robben und Lewandowski heißen.

FC-Augsburg-Torschütze Koo: Ingolstadt ein "brutal wichtiges Spiel"


"Ein ganz anderes Spiel" werde das, prognostizierte Koo - und vor allem "ein brutal wichtiges". Die selben Worte wählte auch Daniel Baier. Gut regenerieren sei angesagt, fokussieren, um dann "in Ingolstadt mindestens den Abstand beizubehalten". Der FC Augsburg habe eine "sehr gute Ausgangsposition", verglichen mit dem FCI.

Angesprochen auf die vielen Fehlpässe, betonte der Vorlagengeber für Koos Treffer zum 1:3, dass das gegen Bayerns Gegenpressing nun einmal schwierig sei, immer einen ersten richtigen Pass zu spielen, "wenn du die ganze Zeit defensiv hinterherläufst, dann den Ball hast und überall nur Rote sind". Ungeachtet dessen, dass die Münchner in schwarzen Dressen angetreten waren, hatte Baier wohl Recht, als er sagte, dass das gegen Ingolstadt "nicht so krass" wird.

Finnbogasons Adduktoren: Reuter in Sorge


Dennoch wird es eben auch für die Schanzer um einiges gehen - nach der Ingolstädter 0:2-Niederlage am Samstag in Mainz mutmaßlich gar um den Job des Trainers, Markus Kauczinski.

Das ist natürlich auch Stefan Reuter bewusst. "Alles raushauen" müsse der FCA kommendes Wochenende und unbedingt: "Punkten." Dabei wird Stürmer Alfred Finnbogason wohl weiter fehlen. "Sobald er die Belastung steigert, hat er wieder Beschwerden", berichtete Reuter mit hörbarer Betroffenheit in der Stimme über den Gesundheitszustand des Isländers, der auch gegen die Bayern wegen seiner anhaltenden Adduktorenprobleme fehlte.

Der vielleicht erleichtertste FCA-Spieler ist Georg Teigl


Neben dem Torschützen Koo - sein erstes in dieser Saison - und dem gefeierten Stadiongast Tobi Werner kannte das Spiel immerhin noch einen Augsburger Gewinner. Georg Teigl nach 64 Minuten für Halil Altintop eingewechselt, dürfte erleichtert wahrgenommen haben, dass die Fans seinen Namen schrieen und applaudierten. Auch das "Winterpause nutzen"-Banner hatte der Augsburger Anhang kreativ umgestaltet. Statt Teigl solle der Verein zur Saisonhalbzeit doch gefälligst die gelben Trikots abzuschieben.
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