Gregoritschs "große Fresse", Fußballkunst und Rani der Libero: Drei Geschichten zum Sieg des FC Augsburg gegen Leipzig

Michael Gregoritsch im Kopfballduell: Der Torschütze spielte nicht nur wegen seines Tores eine strake erste Halbzeit. (Foto: Alexander Heinle)
Augsburg: WWK Arena |

Der Sieg des FC Augsburg über RB Leipzig schreibt zahlreiche Geschichten. Diese drei erzählen von Rani Khedira, Michael Gregoritsch und einem Kunstwerk von einem Tor.

Rani der Libero: Kurz kam in FCA-Trainer Manuel Baum der Lehrer hoch. Im Bauch der Augsburger Arena dozierte er nach dem 1:0-Sieg über RB Leipzig über Rani Khedira. "Er ist ein hochintelligenter junger Mann", bescheinigte Baum diesem und präzisierte: "Nicht nur schulisch intelligent, sondern auch fußballerisch." Ein Spieler, der deshalb ideal sei, um zwischen den Ketten zu pendeln.

Gegen RB Leipzig fehlte nur mehr, dass er hinter Jeffrey Gouweleeuw und Martin Hinteregger rückte; Rani Khedira hätte den klassischen Libero abgegeben. So war er stets in einer Dreierkette der Mann zwischen den beiden Innenverteidigern. Ins Mittelfeld rückte er - anders als noch beim 2:1-Erfolg in Frankfurt - selten vor. Zu sehr war er hinten gebunden.

Dort schaffte Khedira da Überzahl, wo es nötig wurde, machte geschickt Leipziger Räume zu und räumte nebenbei alles weg, was in seine Richtung kam. Überraschte dabei durch ungekannte Kopfballstärke. Spielte, um noch einmal mit Manuel Baum zu sprechen: sensationell. Tommi Ohrner steht für eine Verfilmung bereit.

Michael Gregoritsch: "Großer Rucksack runtergefallen"

Gregoritsch und die "große Fresse": Während Michael Gregoritsch spricht, schiebt er immer wieder mit seiner linken Hand seine Haare zurück. Diese Prozedur unterbricht er nur, wenn er eine Aussage trifft, der er Nachdruck verleihen will. Dann zieht er rechts die Oberlippe hoch und schaut seinen Gegenüber mit einem ernsten Blick an.

"Wir gewinnen 1:0, ich mach' das 1:0, reicht, oder?", Lippe hoch, Augen auf den Fragesteller ausrichten, wirken lassen. Ob ihn das geärgert habe, das mit der Auswechslung zur Halbzeit, war er zuvor gefragt worden. Hat es nicht. Eine taktische Umstellung sei es gewesen, erklärt Gregoritsch, weil er nun einmal offensiver agiere als sein Ersatzmann Ja-Cheol Koo.

Nach vorne ist der Österreicher auch vor der Saison geprescht - verbal. "Ich hatte eine große Fresse", sagt er jetzt. "Das ist mir dann auf den Kopf gefallen, weil ich nicht so gut gespielt habe." Die Kritik habe er deshalb zwar verstanden, doch sei nach seinem 1:0 - wie an seinem langen Jubelschrei unschwer zu erkennen war - schon "ein großer Rucksack runtergefallen".

Baum'sche Schule: Der Siegtreffer des FC Augsburg ist ein Kunstwerk

"Der Konter": Dieses 1:0 des FC Augsburg ist unter "Große Kunst" einzuordnen. Ein Meisterwerk von einem Tor, das umgehend konserviert und mit einem wuchtigen goldenen Rahmen ins Maximilianmuseum von Augsburg ausgestellt werden sollte. Künstlergruppe Baum, "Der Konter".

Ahs und Ohs werden durch die Ausstellungsräume hallen, wenn Betrachter in ferner Zukunft bewundern, wie Jan Moravek den Ball gewinnt, Philipp Max ihn scharf nach vorne passt, Caiuby auf Daniel Baier ablegt. Der Hintergrund für ein Werk das nun entsteht. Eines aus rasanter Dynamik und unbändigem Willen, aber gleichzeitig mit feiner Pinselführung.

Baier spielt Alfred Finnbogason an, der handlungsschnell wie präzise mit dem Kopf Caiuby auf die Reise schickt. Der zieht in aberwitzigem Tempo an Marvin Compper vorbei, versaut das Gemälde beinahe mit einer unsauberen Hereingabe. Doch Finnbogason bessert aus - und Gregoritsch verpasst dem Bildnis mit dem Tor schließlich den letzten Schliff.

Ein Angriff auch deshalb so besonders, weil er all das in sich vereinte, was den FC Augsburg derzeit ausmacht: Taktische Finesse, energisches Zweikampfverhalten, schnelles Umschalten - auch wenn ein wenig mehr Ballbesitz und Ruhe im Spiel zwischendurch nicht verkehrt wären - mannschaftliche Zusammenarbeit und der Wille, eine Partie zu gewinnen. Das lässt an beste Augsburger Zeiten erinnern - und die Fans schließlich vom Europapokal singen.
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