Schlechte Karten? Das sagen der FC Augsburg und die Betreiber-Firma zur Kritik am Bezahlsystem in der WWK-Arena

Stehen bei Verbraucherschützern in der Kritik: Die Bezahlkarten in der WWK-Arena des FC Augsburg.
Augsburg: WWK Arena |

Der FC Augsburg steht für das Bezahlsystem in seiner Arena im Fokus des Verbraucherschutzes. Ein Undercover-Test der ARD-Radio-Recherche Sport in den Stadien der Bundesliga stufte die Arena in Augsburg derart negativ und fanunfreundlich ein, dass dem Betreiber der bargeldlosen Zahlmethode gar eine Abmahnung ins Haus steht. Der FC Augsburg und die Firma weisen Teile der Kritik zurück. Der Verein gibt zudem an, nicht von den verfallenen Restguthaben zu profitieren.

Ein kühles Bier und eine Stadionwurst gehören für Fans zum Fußball wie Ball und Tore. Wer in der Arena des FC Augsburg ein solches Stehplatz-Schlemmermenü genießen möchte, braucht entweder eine sogenannte FCA-Card, die Kundenkarte der Stadtwerke namens Karo-Card oder jene der Lechwerke, die LEW Card. An der Ausgabe für ein Bier die letzten Euros aus der Tasche kramen, ist also nicht drin; bar oder mit Geldkarte zu zahlen, ist in Augsburg wie in den meisten anderen Bundesligastadien nicht möglich.

Diese geschlossenen, bargeldlosen Bezahlmethoden haben nun Journalisten der ARD gemeinsam mit dem Verbraucherschutz in einer Undercover-Recherche ins Visier genommen. Besonders negativ fielen dabei die Systeme in der Arena auf Schalke in Gelsenkirchen, die Allianz-Arena in München und eben auch die WWK-Arena in Augsburg auf.

Kritik am FC Augsburg: Gebühr für Rücküberweisung und zu kurze Gültigkeit


Konkret geht es bei der Kritik des Verbraucherschutzes an der Augsburger Variante zum einen um die Gebühr für Rücküberweisung der Kartenguthaben sowie die zu kurze Rückzahlungsfrist für die Bezahlkarten.

Die FCA-Card ist im Stadion für ein Pfand von zwei Euro erhältlich, zehn Euro muss der Nutzer mindestens aufladen. Gerade für Gäste, die nicht regelmäßig in den Spielort an der B17 kommen, ist das ärgerlich. Nach der Partie kann sich ein Arena-Besucher zwar das restliche Guthaben auszahlen lassen. Entsprechend lange Schlangen an den laut Betreiber zehn bis zwölf Stationen lassen jedoch viele Zuseher von der Rückzahlung absehen.

Betreiber-Firma in der WWK-Arena: Zwei Euro Gebühr pro postaler Rückerstattung


Diese Betreiber-Firma heißt Payment-Solutions. Sie führt seit der Eröffnung der Arena im Juli 2009 im Auftrag der Stadtwerke Augsburg die bargeldlose Abwicklung im Stadion durch. Sie verlangt für eine nachträgliche Erstattung per Post und Überweisung eine Gebühr.

Dieses sogenannte Serviceentgelt für den postalischen Kartenrücktausch betrage pro Rücksendung und egal um wieviele Karten es sich handle zwei Euro, erklärt Payment Solutions auf Nachfrage unserer Zeitung. Dies sei "ein bankbranchen übliches Entgelt, das bei Überweisung fällig wird". Und dieses sogenannte Serviceentgelt ist der Verbraucherzentrale Bayern ein Dorn im Auge: Sie will eben dies mit ihrer Abmahnung verbieten.

FCA-Sprecher: Gültigkeit wird für den Fan kulant gehandhabt


Auch die kurze Gültigkeit der Karte ist ein Kritikpunkt des Verbraucherschutzes. Die ist für die FCA-Card auf ein Jahr begrenzt. Das korrigiert Dominik Schmitz, Pressesprecher des FC Augsburg, jedoch.

„Das wird für den Fan kulant umgesetzt.“ Die Dauer von einem Jahr sei zwar die offizielle Angabe in den Geschäftsbedingungen, es sind allerdings "sogar noch Karten im Umlauf, die schon bei der Eröffnung des Stadions ausgegeben worden sind". Payment Solutions bestätigt das.

FC Bayern nahm 2010 mehr als zwei Millionen Euro über verfallene Guthaben ein


Zudem stelle sich für den Verbraucherschutz die Frage, was mit verfallenen Bezahlkartenguthaben geschieht. Im Jahr 2010 habe der FC Bayern München etwa durch seine dafür zuständige GmbH rund 2,4 Millionen Euro eingenommen. Seither habe er diese Berträge nicht mehr ausgewiesen - und muss es als nicht börsennotiertes Unternehmen auch nicht. Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) will sich laut Angaben der ARD nicht dazu äußern.

Das fordern jedoch freilich Fan-Organisationen. "Das ist ja nichts anderes als ein zinsloses Darlehen, das ich dem Verein gebe. Und da wäre schon mal interessant, wie viel dann letztendlich an Geld den Vereinen zur Verfügung gestellt wird, und womit die dann sofort arbeiten können", wird Rainer Vollmer von "Unsere Kurve" von der ARD zitiert.

Wie viel bleibt beim FC Augsburg hängen? "Der FCA profitiert nicht davon"


Doch auch der FC Augsburg will gegenüber unserer Zeitung keine genauen Zahlen nennen. "Das sind interne Dinge", sagt Pressesprecher Schmitz. Er ergänzt jedoch: "Der FCA profitiert finanziell nicht davon, wenn Restguthaben auf einer nicht mehr genutzten Karte verbleibt."

Auch Payment Solutions gebe dazu "grundsätzlich keine Auskunft", fügt jedoch an, dass aufgrund der besseren Rücknahmesituation in Augsburg und aufgrund der Tatsache, dass die Parkplätze nicht mit eingebunden sind und somit der Fan die Karte nicht zum Verlassen des Geländes benötigt, "das vorhandene Restguthaben nur einem Bruchteil des für die Allianz-Arena kolportierten Betrages entspricht".

In der Augsburger Arena sind keine Änderungen vorgesehen


Dass es aufgrund der Kritik Änderungen am System des FC Augsburg gibt, "ist derzeit nicht vorgesehen", gibt Schmitz an.

Das sieht auch Payment Solutions so. "Grundsätzliche Kritik gab es in Augsburg nie. Natürlich kommt es vereinzelt immer mal wieder vor, dass wir von Fans mit Rückfragen kontaktiert werden", antwortet das Unternehmen. Auch die Lösung mittels girogo, also den Chip der EC-Karte aufzuladen wie es etwa der FC Ingolstadt anbietet, sei für die Augsburger Arena nicht interessant. "Viele Finanzinstitute bieten die Funktion nicht mehr an. Somit benötigt der Fan im Stadion eine Pfandkarte", schreibt die Betreiberfirma. Das Pfand für eine solche Karte betrage gar zehn Euro.

Einziges Bundesligastadion mit Barzahlung am Essensstand: Ausgerechnet das eines Plastikklub


In einem Bundesligastadion übrigens kann der Fan seine Bier-Wurst-Kombi mittlerweile wieder mit den Euros aus der Hosentasche direkt am Stand zahlen: ausgerechnet bei der als Plastikclub verschrienen TSG Hoffenheim in Sinsheim.

Eine interaktive Karte mit den Bezahlsystemen aller Bundesligisten gibt es hier.
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