Vortrag: Der konservative Impuls

Wann? 10.07.2017 18:00 Uhr

Wo? HS III des Großen Hörsaalzentrums, Universitätsstraße 10, 86159 Augsburg DE
Augsburg: HS III des Großen Hörsaalzentrums | Waldmann beschreibt in seiner Studie, wie Situationen radikalen Wandels, die überkommene Strukturen prinzipiell infrage stellen, häufig Verlustängste auslösen und ein Festhalten an Altem und Vertrautem zur Folge haben – wie sich viele Menschen in solchen Situationen dem "konservativen Impuls" hingeben, weil sie sich als künftige Modernisierungsverlierer sehen. Da in anderen Bevölkerungskreisen die Veränderungen jedoch auf Beifall stoßen, weil sie in ihnen Hoffnungen auf eine verheißungsvolle Zukunft wecken, spaltet sich die Gesellschaft in gegensätzliche Lager. Idealtypische Beispiele aus Europa, Lateinamerika, dem Mittleren Osten und Ostasien Waldmanns Untersuchung bezieht sich auf die jüngste Neuzeit. Sie handelt von Fällen individuellen und rapiden sozioökonomischen Wandels sowie politischer Umbrüche an der europäischen Peripherie, in Lateinamerika, im Mittleren Osten und in Ostasien. An neun idealtypischen Beispielen vermisst er die Stärke des jeweiligen "konservativen Impulses". Denn je nach Zeitpunkt, Kontext und Kräfteverhältnissen müssen die Triebkräfte und Äußerungen dieses Impulses die Entwicklungsdynamik nicht unbedingt bremsen; sie können vielmehr dieser Dynamik auch förderlich sein oder sogar zu deren wesentlicher Voraussetzung werden. Waldmann zufolge löst radikaler Wandel regelmäßig gegensätzliche Reaktionen aus: einerseits ein verzweifeltes Festhalten an der Vergangenheit, andererseits – angesichts des Zwanges, sich auf die neue Situation einstellen zu müssen – das Bemühen, dieser neuen Situation gerecht zu werden. Das Abarbeiten dieser Spannungen – so Waldmanns Fazit – ist also eine Voraussetzung dafür, dass die Betroffenen in ihrer Entwicklung nicht stehenbleiben. Und dies mache den "konservativen Impuls" zu einer hochambivalenten Größe.

Der Eintritt ist frei.
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