Schneise der Verwüstung in Augsburg und Friedberg: Zwei junge Männer und eine 19-Jährige drehen Hydranten auf und zünden Auto an

Aus reiner Langeweile sind zwei junge Männer aus Friedberg sowie eine 19-Jährige aus Affing im Januar an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mit dem Auto umher gefahren und haben mehrere Hydranten aufgeschraubt. Einer der beiden Männer hat zudem einen Altkleidercontainer sowie ein Schrottauto in Friedberg beziehungsweise Augsburg in Brand gesetzt. Laut Polizei entstand dabei allein an der Asphaltdecke ein Schaden von 5000 bis 10.000 Euro. Für seine "Gedankenlosigkeit" musste sich das Trio nun vor dem Schöffengericht in Aichach verantworten.

Wie ein Häufchen Elend saß die junge Frau aus Affing auf der Anklagebank, wimmerte leise vor sich hin und wippte mit dem Oberkörper vor und zurück. Auf die Frage von Richter Axel Hellriegel, ob sie sich zu den Vorfällen äußern wolle, reagierte sie nur mit Kopfschütteln. Geschockt war die 19-Jährige offenbar noch immer von der langen Reihe an Straftaten, die dem Trio von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt wurden; darunter Diebstahl eines Schlüssels, mit dem sich Hydranten öffnen lassen, Störung einer der Öffentlichkeit dienenden Sache (Hydrantenaufdrehen) sowie Brandstiftung.

Zugetragen haben sich die Fälle an zwei aufeinanderfolgenden Tagen im Januar. Wie die Angeklagten bei der Polizei angaben, seien sie aus purer Langeweile mit dem Auto umher gefahren: Die beiden 26-jährigen Friedberger vorne im Wagen, die Affingerin hinten, sie ist mit dem Haupttäter verlobt. Nahe einer Baustelle im Bereich Friedberg wurde der Hauptangeklagte auf einen Hydranten-Schlüssel aufmerksam. Die Männer nahmen den Schlüssel mit.

Wer genau die Idee hatte, die öffentlichen Armaturen zu öffnen, darüber schwiegen sich die Angeklagten aus. Fest steht, dass es vor allem die beiden Friedberger waren, die sieben Hydranten in Friedberg und Augsburg "spritzen ließen". Der Schaden durch das ausgetretene Wasser lag zwischen 80 und 500 Euro.

Weil die Sache am ersten Tag offenbar so gut geklappt hatte, traf sich das Trio auch am folgenden Tag. Diesmal beließ man es aber nicht bei der "Wasserspritzerei", mit Grillanzündern setzte der Haupttäter zunächst einen Altkleidercontainer in Friedberg, später ein Schrottauto in Augsburg in Brand.

Der abgestellte Fiat brannte vollkommen aus, auf der Asphaltdecke entstand laut Polizei ein Schaden bis zu 10 000 Euro. Ein Glück für die Täter, dass die Stadt Augsburg die Kosten für die Instandsetzung noch nicht geltend gemacht hat. Ebenfalls wurde der hinter dem Schrottauto abgestellte Pkw beschädigt.

Wie sich bei der Verhandlung herausstellte, hatte der 26-jährige Fahrer mit der Brandstiftung nichts zu tun. Angeblich hatten er und die Affingerin die Brände nicht mitbekommen. Die 19-Jährige sagte aus, sie würde regelmäßig Medikamente wegen chronischer Schmerzen einnehmen. An dem Tag habe sie die Tabletten unklugerweise mit Bier hintergeschluckt und dann nichts mehr mitbekommen. Dass sie einmal selbst Hand an einen Hydranten gelegt hat, erklärte sie damit, dass sie nicht als "Strebertussi" dastehen wollte.

Geschnappt wurde das Trio von einer zivilen Streife. Anwohner hatten gesehen, wie die Drei aus sicherer Entfernung einen der Feuerwehreinsätze beobachteten, angeblich biertrinkend. Richter Axel Hellriegel besah sich zudem Handyfotos, auf denen spritzende Fontänen und ein nur mit der Unterhose bekleideter Hauptangeklagter zu sehen sind.

Dank des reuigen Verhaltens vor Gericht und einer positiven Sozialprognose, kam das Trio noch einmal mit einem blauen Auge davon. Der Haupttäter bekam ein Jahr und neun Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, zusätzlich muss er 4500 Euro Geldstrafe zahlen. Der zweite männliche Angeklagte wurde freigesprochen, die 19-Jährige muss 40 Sozialstunden ableisten.
(Von Thomas Winter)
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