100 Jahre Holzerbau – Schule im Wandel der Zeit

Links die Mittelschule, hinten die Grundschule und rechts der Holzerbau - so präsentiert sich die Werner-von-Siemens Grund- und Mittelschule in Hochzoll-Nord.
Am 11. September feierte der Holzerbau den 100-jährigen Geburtstag. Über Jahrzehnte war er eine Schule, bis zur Modernisierung 2007/2008 diente er noch als Förderschule und heute wird das Gebäude als Bürgertreff genutzt. Schulpflicht gab es in Bayern seit 1802. Ab 1803 kamen zu der Handvoll Kinder der Hochzoller Zollbeamten die der Kolonisten, die nun die Lechauen besiedelten, dazu. Bis die Schule in Hochzoll errichtet wurde, hatten die Kinder einen langen Schulweg, die katholischen nach Friedberg, die evangelischen nach Augsburg. Die erste Schule stand und steht durch den Einsatz der Hochzoller und ihres Vereins “Ensemble Alte Schule“ noch immer an der Friedberger Straße seit 1875. Der erste Lehrer Hochzolls hatte 57 Schüler ganz innovativ evangelische und katholische Kinder zusammen in einer Klasse zu unterrichten und außerdem die Ämter des Gemeindeschreibers und stellvertretenden Standesbeamten zu übernehmen. Neben der Schule entstand für die Feuerwehr ein Spritzenhaus. Nach drei Jahren waren es schon 87 Schüler, für die ein Stockwerk aufgesetzt und eine zweite Schulstube geschaffen wurde. 1880 waren 126 junge Hochzoller zu unterrichten. Nach 20 Jahren reichte die Schule bei weitem nicht mehr aus. Ein zweiter Schulbau war nötig. Er stand bis vor einigen Jahren an der Salzmannstraße und hatte nach seinem Architekten den Namen Fuchsbau. Heute steht an seiner Stelle eine Kindertagesstätte mit Kinderarztpraxis. Die damalige neue Schule war 1901 fertig, hatte vier Klassenzimmer und ab 1923 eine Schulküche. Vorerst war das Platzproblem gelöst. Hochzoll wuchs aber wie die anderen Vororte und die Innenstadt Augsburgs seit Mitte des 19. Jahrhunderts stark. So stand man 1910 schon wieder vor dem neuen alten Problem: die Schule war zu klein. Ein Neubau wie dieser - für Hochzoll damals undenkbar. Die Steuereinnahmen hielten mit der Zuwanderung nicht Schritt. Und dann kam auch noch die Katastrophe von 1910: das Hochwasser. Hochzoll wurde bis zur Peterhof- und Karwendelstraße vom Lech überschwemmt. Die große, reiche Nachbarin, die Stadt, konnte die Rettung bieten: Schulhausbau, Straßenbahn und Wiederherstellung des Hochablass und Hochwasserschutz- durch den Beitritt zur Stadt zum 1.1.1913 konnte man alles bekommen. Der neue Hochablass war 1912 fertig, das Schulhaus 1916, die Straßenbahn fuhr ab 1919 immerhin bis zur Lechbrücke und ab 1934 bis zur Zugspitzstraße. Dabei darf man nicht vergessen, dass seit dem 1. August 1914 Krieg war. Hochzoll hatte Glück. Ab Herbst 1916 wäre so ein Bau nicht mehr möglich gewesen. Bei Ausbruch des 2. Weltkriegs wurden alle öffentlichen Bauvorhaben eingestellt. Über mehr als 60 Jahre drückten in den sieben Schulsälen des Holzerbaus Hochzoller Schüler die Schulbank. 1951 erforderte der starke Bevölkerungszuwachs einen Neubau, die heutige Mittelschule an der Ecke Neuschwanstein-/Salzmannstraße. 1954 wurde die Schule in eine Schule für Knaben und eine für Mädchen geteilt. In den Folgejahren bis 1978 wurde immer wieder erweitert. 1976 kam das Rudolf-Diesel-Gymnasium als weiterführende Schule dazu mit inzwischen 981 Schülern in 27 Klassen und Oberstufenkursen. Seit ihrer Gründung 1875 hat die Schule in Augsburg - Hochzoll, unabhängig vom Standort, bereits mehrere Namen getragen. Werktagsvolkshauptschule, Schule Friedbergerau, Schule an der Allgäuer Straße, Schule an der Neuschwansteinstraße, Schule Hochzoll-Nord. All diese Namen jedoch haben lediglich den Standort bezeichnet. Die Leitungen der Schulen waren auf der Suche nach einer Identifikationsmöglichkeit, die über eine reine Ortsbezeichnung hinausreicht, und nannten die Grund- und Mittelschule nach Werner-von-Siemens. Mit der Firma Siemens besteht darüber hinaus eine Partnerschaft. In Hochzoll-Süd gibt es außerdem seit 1960 die Grundschule Hochzoll-Süd, damals noch mit Hauptschule, die inzwischen 305 Kinder in 15 Klassen unterrichtet. Wegen steigender Schülerzahlen und erheblichen Platzmangels bekam die Schule im Jahr 1996 einen Neubau. Seit dem Schuljahr 2006/07 ist sie eine reine Grundschule. Die Hauptschule, jetzt unter dem Namen Mittelschule, seit einigen Jahren sogar mit Mittlerer-Reife-Zweig, befindet sich in Hochzoll-Nord direkt neben der Grundschule. In der Grundschule gibt es 327 Schüler in 16 Klassen und in der Mittelschule 320 Schüler in ebenfalls 16 Klassen. Alles in allem entwickelten sich die Schülerzahlen über mehr als 150 Jahre von 57 Kindern (1875) bis hin zu jetzt fast 2000 Kindern.
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