Aktionswoche: Demenz soll nicht in Vergessenheit geraten

Andrea Reinicke, Claudia Krämer und Claudia Zerbe (v.l.n.r.) vom Arbeitskreis Gerontopsychiatrie präsentieren das vielseitige Programm zur Aktionswoche Demenz für Augsburg, Augsburg Land und Aichach-Friedberg.
Am 21. September ist Welt-Alzheimer-Tag, heuer mit dem Themenschwerpunkt “Jung und Alt bewegt Demenz“. Bisher haben in Augsburg die verschiedenen Stellen jeweils eigene Angebote an diesem Tag organisiert. Heuer gibt es zum ersten Mal eine vom Arbeitskreis Gerontopsychiatrie, einem trägerübergreifenden Zusammenschluss von Vertretern und Mitarbeitern der verschiedenen ambulanten, teilstationären und stationären Einrichtungen und Diensten, sowie Vertretern von Selbsthilfeorganisationen und Kommunen, Ärzten, Juristen und vielen anderen Akteuren in der Region, gemeinsam veranstaltete Aktionswoche.

In einem Programmheft sind alle Angebote von Samstag 17. bis Sonntag, 25. September für Betroffene, Angehörige und Interessierte zusammengefasst. Durch diese gemeinsame Aktion erhofft sich der Arbeitskreis, dass das Thema Demenz in Augsburg Stadt und Land sowie im Landkreis Aichach-Friedberg stärker wahrgenommen und auch enttabuisiert wird. Auf dem Programm stehen Informationen, Hilfs- und Entlastungsmöglichkeiten, Entspannung, Kultur, Bewegung und die Teilhabe am Leben - eine bunte Palette an Angeboten und Möglichkeiten.

Zum Auftakt am Samstag, 17. September, beraten und informieren Fachkräfte an einem Infostand am Martin-Luther-Platz in der Augsburger Fußgängerzone von 11 bis 17 Uhr. Weitere Angebote sind zum Beispiel ein Vortrag im Bezirkskrankenhaus „Könnte es Alzheimer sein?“, bei dem insbesondere auf die Diagnostik und Behandlung der häufigsten Demenzform, der Alzheimer-Demenz, eingegangen wird. Damit Menschen mit Demenz immer noch am Leben teilhaben können, gibt es zum Beispiel einen Spaziergang durch den Apothekergarten im Botanischen Garten, Spiele von früher oder ein Sport- und Bewegungsangebot. Aber auch an die pflegenden Angehörigen ist gedacht, ob beim Kochkurs oder beim Vortrag „Ich kann nicht mehr!“ zur Vermeidung von Überforderung und Erschöpfung.

Eine Vielzahl von Menschen engagieren sich in dieser Woche verstärkt für Menschen mit Demenz, denn auch wenn die Krankheit in den letzten Jahren deutlich mehr in den Fokus des allgemeinen Interesses gerückt ist, für die Betroffenen und die Angehörigen ist der Alltag nach wie vor extrem belastend. Andrea Reinicke, Mitglied im Arbeitskreis Gerontopsychiatrie, erklärt, warum es bei der Aktionswoche so viele verschiedene Angebote gibt: „Demenz ist nach wie vor eine Erkrankung, die enorme Angst macht. Viele Menschen wollen oder können sich mit dieser Krankheit nicht auseinander setzen. Gleichzeitig gibt es keine Krankheit, bei der die unmittelbare Umgebung so mitbetroffen ist. Die Angehörigen können sich ihr Leben erleichtern, wenn sie richtig und ausführlich informiert sind, den richtigen Umgang mit Menschen mit Demenz kennen und wissen, welche Unterstützungen sie in Anspruch nehmen können und wie ihre eigene Entspannungsstrategie sein kann.“ Da die Erkrankten in den beginnenden Phasen ihrer Erkrankung nicht bettlägerig und in der Regel mobil sind, haben sie auch das Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und auf eine erfüllte Freizeitgestaltung. Die Aktionswoche kann dazu ein erster Schritt sein. Das Programm ist unter www.mit-alzheimer-leben.de einzusehen oder kann telefonisch unter Tel. 0821/56 88 181 angefordert werden.

Demenz- was ist das?


Demenz, vom Lateinischen „de= ohne, mens=Geist“, ist der Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, bei denen geistige Fähigkeiten (Denken, Erinnern) eingeschränkt sind. Unter Demenz versteht man ein Muster von Symptomen, das viele verschiedene Ursachen haben kann. Hauptmerkmal ist die Verschlechterung von mehreren geistigen Fähigkeiten im Vergleich zum früheren Zustand. Demenz ist dabei keine reine Gedächtnisstörung. Betroffene Fähigkeiten sind Aufmerksamkeit, Denkvermögen, Sprache, Auffassungsgabe und Orientierungssinn. Schwierigkeiten die mit der Erkrankung einhergehen sind zunehmende Vergesslichkeit, vor allem im Kurzzeitgedächtnis, das Einprägen von neuen Informationen, Konzentration auf Gedanken und Gegenstände, mangelnder sprachlicher Ausdruck in Wort und Schrift, Verstehen von Mitteilungen, Überblicken von Situationen, Erkennen von Zusammenhängen, planen und organisieren, örtliche und zeitliche Desorientierung und der Umgang mit Gegenständen. Zusätzlich gibt es Einschränkungen durch Veränderung des sozialen Verhaltens, Impulskontrolle, Antrieb, Stimmung und Wirklichkeitsbezug. Gefühle wie Angst, Depression, und Unruhe wirken zusätzlich auf die Herabsetzung dieser Fähigkeiten.

Zahlen zur Demenz


Mit der Zunahme alter Menschen ist eine Zunahme des Anteils der Hochaltrigen verbunden. Diese Gruppe nimmt überproportional zu. Die Gesellschaft muss sich darauf einstellen, dass Menschen älter werden als 80 Jahre. Da der Anteil, der an Demenz Erkrankten mit dem Alter prägnant ansteigt, steigt auch die Herausforderung für die Politik und für die Gesellschaft. Bei den über 90-Jährigen sind 41% an Demenz erkrankt. In Deutschland lebten 2012 1,4 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind, pro Jahr kommen 300.000 neu dazu. Laut Prognose werden es im Jahr 2050 3 Millionen sein. 2/3 der Erkrankten sind 80 Jahre alt, 70% der Erkrankten sind Frauen. 2/3 der Erkrankten sind vom Typ Alzheimer betroffen. Häufig wird die Demenz spät erkannt und als Vergesslichkeit abgetan, was dazu führt dass die Betroffenen nicht angemessen behandelt werden und demzufolge keine Unterstützung erfahren. Die Demenz ist eine von der Gesellschaft verdrängten Erkrankungen. 2/3 der Betroffenen werden von ihren Angehörigen betreut und gepflegt, der Leidensdruck der Familien ist sehr groß, weil sie „mit leiden“. Hochbelastete Angehörige erkranken häufig selbst und haben laut amerikanischen Studien eine 60% höhere Sterbewahrscheinlichkeit. Bayern hat mit 229.000 zurzeit die zweithöchste Zahl von Betroffenen bundesweit. Bedenkt man, dass jeder Erkrankte ein betroffenes familiär-freundschaftliches Umfeld mit mehreren Personen hat, dann wird das ganze gesamtgesellschaftliche Ausmaß der Krankheit erst offensichtlich.
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Erika Buschdorf aus Neusäß | 03.09.2016 | 23:50  
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