Auszeichnung für kindgerechtes Singen

Ewald Reder vom Deutschen Chorverband überreicht Irmgard Bissinger, der Leiterin der Kindertagesstätte Auferstehungskirche, die Caruso-Medaille für kindgerechtes Singen.
 
Das Sommerfest der Kindertagesstätte der Auferstehungskirche war geprägt von Musik - daher hat sich die Einrichtung auch die Caruso-Medaille, die an diesem Nachmittag vom Deutschen Chorverband zum ersten Mal an eine Augsburger Einrichtung verliehen wurde, redlich verdient.
Die Kindertagesstätte der Auferstehungskirche hat als erste Einrichtung in Augsburg die Zertifizierung durch den Deutschen Chorverband (DCV) erfolgreich durchlaufen und darf fortan die Auszeichnung „Die Carusos – Jedem Kind seine Stimme“ tragen. „Die Carusos“ ist die Qualitätsmarke des Verbands für das kindgerechte Singen in Kindertagesstätten und wird an Einrichtungen verliehen, die in besonderem Maße die musikalische Entwicklung der Ein- bis Sechsjährigen fördern. Mit weit über einer Million singender und fördernder Mitglieder in mehr als 20.000 Chören ist der DCV Deutschlands erste Adresse für die vokale Musik. Singen soll (wieder) selbstverständlicher Bestandteil in der Kindertagesstätte sein. Für die Umsetzung der Kriterien wird jeder Kindergarten von einem Fachberater bis zur erfolgreichen Zertifizierung und darüber hinaus begleitet. Die Auszeichnung besteht aus einer Urkunde und einer emaillierten Plakette, die für drei Jahre vergeben wird. Die feierliche Verleihung fand im Rahmen des Sommerfests statt. Um die Zertifizierung zu erhalten, muss man fünf Kriterien erfüllen. Das wichtigste ist das kindgerechte Singen: Da der kindliche Kehlkopf viel kleiner als beim Erwachsenen ist und die Stimmlippen entsprechend kürzer sind, ist die Kinderstimme deutlich höher. Dauerhaftes zu tiefes Singen kann zur Schädigung des jungen Stimmapparates führen. Das Singen in hoher Lage ist daher wichtigster Aspekt des kindgerechten Singens. Ebenso ist eine vielfältige und altersgerechte Liedauswahl wichtig, die Kinder zum Singen animiert und Alltagssituationen sowie Feste und Rituale begleitet. Das Erzieherteam muss einen Liederschatz von mindestens 40 Titeln beherrschen und pflegen. Ein weiteres Kriterium ist das tägliche und gemeinsame Singen, mindestens 15 Minuten pro Tag. Da Singen ein ganzheitlicher Vorgang ist, sollte es vielfältig ausgestaltet werden, beispielsweise durch Bewegung oder Begleitung mit Perkussionsinstrumenten. Zu guter Letzt genießt das Singen und Musizieren in der Einrichtung einen besonders hohen Stellenwert, der in der Konzeption des Kindergartens festgeschrieben ist. „Für uns ist diese Auszeichnung die Bestätigung für eine 45-jährige kontinuierliche Arbeit für und mit Kindern in Hochzoll. Wir sind froh und dankbar, das feiern zu dürfen!“ so Irmgard Bissinger, Leiterin der Einrichtung. Die Kindertagesstätte trägt bereits seit 2011 die Auszeichnung „Felix“ für besonderes musikalisches Engagement. „Felix“ wurde jetzt durch das strengere „Caruso“-Siegel abgelöst. Das erlebten Bissinger und ihre Kolleginnen bei der Fachberatung durch den Profimusiker Ewald Reder. „Er hat viele unserer Lieder rausgestrichen, weil sie tiefer als das tiefe C gehen“ resümiert Bissinger. Auch das Tanzen nach CD-Liedern war dem Berater ein Dorn im Auge – selber Musik machen war angesagt. Wie gut, dass die Kita bereits letztes Jahr beim bayerischen Aktionstag „Musik“ eine Elternband gegründet hatte und die Kinder gerne auf den Orff-Instrumenten spielen. Das musikalische Engagement war immer schon Bestandteil des Kita-Alltags. Musik begleitet durch den Tag, beim Begrüßen, beim Aufräumen, beim Mittagsgebet – viele Gelegenheiten werden musikalisch begleitet, dann fällt vieles leichter. Seit dem Jahr 2000 gibt es wöchentliche „Musiknachmittage“, es besteht Kontakt zum Kinderchor der Kirche und seit einiger Zeit findet einmal im Monat ein offenes Singen mit Eltern, Großeltern und Gemeindemitgliedern statt. In jeder Gruppe spielen mindestens zwei Kolleginnen Gitarre und alle bilden sich musikalisch fort. Spaß sei beim Singen und Musizieren das Wichtigste, so Bissinger aber auch die Sprachförderung sei ein wichtiger Aspekt. Die Erzieherin war tief bewegt, als ein dreijähriges türkisches Mädchen, das immer sehr traurig war und Probleme mit der deutschen Sprache hatte, auf einmal beim Singen mitmachte und den Mund bewegte, ohne die Sprache zu kennen oder zu verstehen. „Ihre Augen leuchteten und strahlten.“ Musik verbindet - auch die verschiedenen Nationen in der Kita. „Wir singen auch Lieder in anderen Sprachen. So lernen die Kinder verschiedene Sprachen kennen, auch wenn man die Sprache selber nicht lernt.“ Neben ausländischen Liedern wie dem bei den Kindern beliebten „Salibonani“ aus Simbabwe wird auch altes Liedgut wie „Alle Vögel sind schon da“ gepflegt. „Die Kinder haben immer wieder neue Lieblingslieder. Auch Klassiker wie „Die Affen rasen durch den Wald“ werden immer noch gern gesungen.“
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